Als Roger Federer im Sommer 2017 in London antrat, glaubten viele Experten bereits, seine besten Jahre lägen hinter ihm. Der Schweizer war zu diesem Zeitpunkt 35 Jahre alt, hatte immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen gehabt und war 2016 wegen Knieproblemen sogar für mehrere Monate ausgefallen. Viele hatten ihn bereits abgeschrieben.

Doch Federer belehrte alle eines Besseren. Schon im Januar 2017 hatte er die Australian Open gewonnen und damit eines der erstaunlichsten Comebacks der Tennis-Geschichte gefeiert. In Wimbledon setzte er wenige Monate später noch einen drauf.

Federer: Ein Finale ohne Schwächephase

Im Endspiel traf Federer auf den Kroaten Marin Čilić. Was viele erwartet hatten, blieb jedoch aus. Es wurde kein spannender Fünfsatz-Krimi. Federer dominierte das Geschehen von Beginn an und gewann souverän mit 6:3, 6:1 und 6:4.

Besonders bemerkenswert: Während des gesamten Turniers verlor Federer keinen einzigen Satz. Eine solche Dominanz war selbst für seine außergewöhnliche Karriere ungewöhnlich. Wimbledon hatte seinen König noch einmal in Bestform erlebt.

Der alleinige Wimbledon-Rekordhalter

Mit dem Erfolg schrieb Federer endgültig Tennis-Geschichte. Es war sein achter Wimbledon-Titel nach den Triumphen von 2003, 2004, 2005, 2006, 2007, 2009 und 2012.

Damit überholte er William Renshaw und Pete Sampras, die jeweils sieben Wimbledon-Titel gewonnen hatten. Federer stand nun allein an der Spitze der ewigen Bestenliste der Herren.

Für viele Fans war dies der perfekte Ort für seinen letzten großen Wimbledon-Triumph. Denn kein anderer Spieler wurde so sehr mit dem Centre Court verbunden wie der Schweizer.

Der beliebteste Tennisspieler seiner Generation

Geboren am 8. August 1981 in Basel, entwickelte sich Federer vom talentierten Nachwuchsspieler zum globalen Superstar. Sein eleganter Spielstil, seine technische Perfektion und seine Fairness machten ihn weit über den Tennissport hinaus populär.

Selbst Fans seiner größten Rivalen Rafael Nadal und Novak Djokovic zollten ihm Respekt. In einer Ära voller Superstars blieb Federer für viele der Inbegriff des perfekten Tennisspielers.

Die große Rivalität mit Nadal und Djokovic

Zu Federers Legende gehört auch, dass er seine größten Erfolge nicht in einer schwachen Tennis-Generation feierte. Im Gegenteil.

Er musste sich regelmäßig gegen Rafael Nadal und Novak Djokovic behaupten – zwei Spieler, die selbst Kandidaten für den Titel des größten Tennisspielers aller Zeiten sind.

Gerade deshalb wird der Wimbledon-Triumph 2017 so hoch bewertet. Mit 35 Jahren setzte sich Federer noch einmal gegen die jüngere Konkurrenz durch und bewies, dass er weiterhin zur absoluten Weltspitze gehörte.

Die letzten Jahre seiner Karriere

Nach dem Wimbledon-Sieg 2017 folgten weitere Höhepunkte. 2018 gewann Federer die Australian Open und erhöhte seine Grand-Slam-Ausbeute auf 20 Titel. Doch allmählich machten sich die körperlichen Belastungen bemerkbar.

Besonders schmerzhaft verlief das Wimbledon-Finale 2019 gegen Novak Djokovic.

Federer vergab zwei Matchbälle und verpasste seinen neunten Wimbledon-Titel hauchdünn. Viele Fans betrachten dieses Match noch heute als die tragischste Niederlage seiner Karriere.

Federer ist heute vor allem Familienmensch

2022 beendete Federer schließlich seine aktive Laufbahn. Heute führt der Schweizer ein deutlich ruhigeres Leben.

Federer verbringt viel Zeit mit seiner Familie, engagiert sich mit seiner Stiftung für Bildungsprojekte und tritt regelmäßig bei Wohltätigkeitsveranstaltungen auf.

Auch nach seinem Karriereende bleibt er einer der bekanntesten Sportler der Welt. Seine Popularität ist ungebrochen.

Neun Jahre nach seinem letzten Wimbledon-Triumph steht Federer noch immer allein an der Spitze der Herren-Bestenliste. Novak Djokovic hat inzwischen sieben Wimbledon-Titel gewonnen – aber auch seine Dominanz ist vorbei. Vielleicht bleibt Federers Rekord tatsächlich für die Ewigkeit bestehen.