Sportlich hatte Max Eberl Rückenwind erhalten. Dass die Mannschaft des FC Bayern nur wenige Stunden vor seinem Auftritt im ZDF-Sportstudio aus einem 0:3 zur Halbzeit ein 4:3 gemacht hatte, ließ den Sportvorstand sichtlich strahlen. Unter solchen Umständen lässt man sich doch gerne ein paar Fragen stellen – auch kritische.
Es war zu spüren, dass der 52-Jährige gut vorbereitet war und ein paar Botschaften im Gepäck hatte. Dass er es war, der Erfolgstrainer Vincent Kompany an die Säbener Straße holte, ist schon immer bekannt. Durch ein wichtiges Detail gab der Sportvorstand der Geschichte aber einen neuen Spin.
FC Bayern: Anruf bei Guardiola? Eberl redet Klartext
Bislang besagte die Legende, dass Aufsichtsrat Karl-Heinz Rummenigge zum Hörer griff, um sich bei Pep Guardiola über den Coach zu informieren.
Eberl machte jetzt klar, dass er selbst es gewesen sei, der die Idee für diesen Anruf hatte. Im Klartext: Er habe um seinen Wunschtrainer gekämpft und die oberste Führungsriege des Klubs erst auf die eigentlich naheliegende Option eines Anrufs bei Pep bringen müssen.
Damit schiebt sich der Sportvorstand durchaus ins Rampenlicht, beanspruchte aber lediglich so viel an Ruhm, dass es hinter den Kulissen keinen Ärger gibt.
Worauf es im Gerangel der Bosse beim FC Bayern ankommt
Fakt ist: Beim Rekordmeister geht es aufgrund der zahlreichen Führungskräfte immer darum, öffentlich die jeweils eigenen Erfolge zu verkaufen. Wer hat welchen wichtigen Transfer eingetütet? Wer hat welchen Topspieler entdeckt? Wer ist schuld, wenn eine Maßnahme nicht funktioniert? Es sind diese Fragen, die immer wieder neu verhandelt werden.
Eberls große Erfolge sind die Verpflichtungen des Trainers und von Michael Olise. Auch wenn immer wieder davon geraunt wird, Letzteren habe eigentlich der ehemalige Scout Markus Pilawa entdeckt.
Olise? „Dann werden sich Eberl, Freund und Hoeneß treffen“
Mit welcher Aussage Eberl auf Uli Hoeneß hinweist
Zudem interessant: Der Klub-Stratege geht mittlerweile offen damit um, dass er immer wieder auf der Kippe stand. „Ich war schon unterm Brennglas. Was mich bestärkt hat, war, dass ich von meinen Entscheidungen überzeugt war. Natürlich hätte man sich aber ab und an mal etwas Schutz gewünscht“, sagte er.
Wer gemeint ist, war klar: Patron Uli Hoeneß. Als dieser Anfang September 2025 Eberl im SPORT1-Doppelpass regelrecht ins Abseits gestellt hatte, war das Schweigen der anderen Führungskräfte ohrenbetäubend. Niemand kam dem Kollegen zur Hilfe.
Eberl: Das haben Hoeneß und Rummenigge früher auch gemacht
„Ich versuche natürlich, Ideen und Gedanken, die wir im Sport haben, umzusetzen und, wie man so schön sagt, auch durchzudrücken. Auch bei Uli oder bei Kalle [Rummenigge]. […] Aber das sind einfach Dinge, die Uli und Kalle früher auch gemacht haben. Das ist die Diskussion, die wir haben. Die sind intensiv, die sind im Verborgenen. Aber manchmal kommen sie auch raus“, erklärt Eberl.
Eine Sichtweise, bei der sich der neutrale Beobachter schon die Frage stellen kann, wer denn da hinter den Kulissen indiskret ist …
Und mit einem weiteren Satz lässt er tief blicken: „Man kann bei Bayern München seinen Job lernen. Das Drumherum, was bei Bayern natürlich eine Rolle spielt, die Öffentlichkeit. Natürlich versucht man, den einen gegen den anderen vielleicht auch mal auszuspielen“, sagte der Sportvorstand. Das habe er erst lernen müssen.
FC Bayern: Eine klare Botschaft von Eberl an seine Kritiker
Damit deutet er durchaus unverblümt an, dass er es in der medialen Betrachtung nicht immer leicht gehabt habe – auch durch Attacken aus interner Richtung. Was arg nach Verschwörungstheorie klingt, hat tatsächlich einen wahren Kern.
Dass Eberl dies aber so deutlich anspricht, ist eine klare Botschaft an all seine Kritiker. Sie lautet: Ich bin bereit zu kämpfen und bin cleverer geworden.
SPORT1-Infos zufolge betrachtet man seinen Auftritt vom späten Samstagabend an der Säbener Straße als „kommunikatives Meisterstück“ – selbst jene, die an ihm herumnörgeln, sehen das so.
Doch ob das für eine Vertragsverlängerung reicht, ist weiter offen. Der Sportvorstand wird weiterhin kämpfen müssen. Sein Gala-Auftritt allein dürfte dafür nicht reichen.