Nach dem WM-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft war die sportliche Kritik groß. Nun hat auch Bob Hanning gegen Bundestrainer Julian Nagelsmann gefeuert, allerdings geht es dabei nicht um das Geschehen auf dem Rasen. Auslöser sind die sogenannten Familientage, die bereits von Rekordnationalspieler Lothar Matthäus hinterfragt wurden.

„Mir sind fast die Ohren abgefallen, als ich von den Family Days im deutschen Camp hörte“, wunderte sich Hanning in seiner Kolumne bei der Bild. „Meine Jungs bei der Handball-Nationalmannschaft haben mich als italienischer Nationaltrainer auch kürzlich nach derlei Aktivitäten gefragt“, berichtete Hanning, der auch Geschäftsführer der Füchse Berlin ist. Er habe jedoch nicht wie Nagelsmann reagiert.

Bob Hanning kritisiert Bundestrainer Julian Nagelsmann
Bob Hanning kritisiert Bundestrainer Julian NagelsmannBob Hanning kritisiert Bundestrainer Julian Nagelsmann© IMAGO/Jan Huebner

„Ich stellte die Mannschaft vor die Wahl: Family-First-Prinzip oder volle Konzentration auf das Team und die sportliche Aufgabe? Wir entschieden uns für den Leistungsgedanken – und qualifizierten uns sensationell für die WM“, erklärte der 58-Jährige.

Hanning empört: „Nicht bloß Gucci, Gucci, Cappuccino“

Aus einem Bericht der Boulevardzeitung war zudem hervorgegangen, dass die Mannschaft sich für das Turnier eine Unterkunft wie in der Vorbereitungswoche in Chicago gewünscht hatte. Während vom Hotel aus zahlreiche Cafés und sonstige Läden fußläufig erreichbar waren, sei die Unterkunft in Winston-Salem als zu langweilig empfunden worden.

Bei Hanning sorgt das für Empörung. „Im Profisport geht es ums Mindset. Nuancen entscheiden, nicht bloß Gucci, Gucci, Cappuccino“, polterte er und ergänzte: „Weltklasse sind wir vielleicht noch bei der Hotelwahl! In Deutschland packen wir unsere Stars in Watte, statt sie zu Höchstleistungen anzustacheln.“

„Völler wird das wissen, Nagelsmann offensichtlich nicht“

„Viel ist von Vertrauen und Teamspirit die Rede. Gesehen habe ich davon nichts. Fest steht: In der Komfortzone, das haben wir in den vergangenen Tagen leidvoll mitansehen müssen, gewinnt man keine großen Spiele, geschweige denn Titel“, lautete Hannings Fazit.

Das Erfolgsrezept sei ein anderes. „Harte Arbeit, Fokussierung und, ja, auch Entbehrung gehören zu den Opfern, die man bringen muss, wenn Außergewöhnliches entstehen soll“, betonte Hanning, der die Schuld klar beim Bundestrainer sieht. „Rudi Völler wird das noch wissen. Nagelsmann ganz offensichtlich nicht“, schrieb er.