Dass Frederic Vasseur bei Ferrari eine schwierige Aufgabe zu meistern hat, dürfte er bei seinem Amtsantritt im Januar bereits geahnt haben. Auf ein derart turbulentes ersten Halbjahr hätte der 55-Jährige aber sicherlich verzichten können.
In der Konstrukteurswertung hinkt der italienische Traditionsrennstall den eigenen Ansprüchen weit hinterher und folgt nach Red Bull, Mercedes und Aston Martin nur auf Rang vier. Bei den Fahrern sind Charles Leclerc (6.) und Carlos Sainz (7.) ebenfalls nicht vorne dabei. Das hängt zum einen mit der Performance des Autos zusammen – andererseits waren auch die Piloten nicht immer fehlerlos.
„Charles hat eine solche Saison nicht erwartet und am Anfang mehr Druck gemacht, als er hätte machen sollen“, antwortete Vasseur in einem Interview mit der Gazzetta dello Sport nun auf die Frage, ob er mit seinen Fahrern zufrieden sei. „Vom Charakter her ist Leclerc impulsiv, wenn etwas nicht gut läuft, hält er sich nicht zurück“.
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Leclerc hat schwierige Lage „besser verdaut“
Speziell die ersten sieben Rennen, als der 25-jährige Monegasse dreimal nicht in die Punkte fuhr, nagten an ihm. Im Nachgang zeigte sich Leclerc das eine oder andere Mal sehr frustriert.
Nicht immer sei diese emotionale Art Leclercs förderlich. „Manchmal ist es für ihn und das Team besser, sich zu beruhigen, bevor man redet. In der Hitze des Gefechts hat man nicht alle Informationen, die man braucht, um sich ein endgültiges Urteil zu bilden. Vor einem offenen Mikrofon ist es besser, sich Zeit zu lassen“, erklärte Vasseur.
Mittlerweile scheint Leclerc die Situation allerdings „besser verdaut zu haben“, stellte Vasseur fest. Das ist auch nötig, denn die Scuderia hat die Entwicklung im Windkanal für das laufende Jahr schon gestoppt.
Stattdessen tüftelt das Team in Maranello am Wagen für die Saison 2024. Es müssen Spielräume gefunden werden, in denen „die Piloten fahren können, ohne immer am Limit zu sein“, sagte der Franzose.
Teamkollege Sainz lobte Vasseur dagegen für sehr konstante Leistungen, diese seien „eine gute Referenz“. Wie Ferraris Teamchef meinte, ist der Spanier besonders „im Qualifying besser drauf als in der Vergangenheit.“ Doch im Gegensatz zu Leclerc, der schon dreimal zur Siegerehrung durfte, wartet Sainz noch auf seinen ersten Podestplatz dieser Saison.
Die nächste Gelegenheit bietet sich dem 28-Jährigen beim Großen Preis der Niederlande, der Ende August in Zandvoort ausgetragen wird.