Grübelnd fuhr sich Sebastian Vettel mit der Hand durch die Haare.

In der Boxengasse ließ sich der Ferrari-Pilot von seinem Renningenieur erklären, was an diesem kuriosen Trainingstag im österreichischen Spielberg eigentlich vorgefallen ist.

Mit der schnellsten Rundenzeit des Tages (1:09,600 Minuten) wies Vettel die Mercedes am Red Bull Ring in die Schranken und unterstrich so, dass Ferrari weiter Boden auf den Klassenprimus gutgemacht hat. Zusammen mit Kimi Räikkönens gutem dritten Platz eigentlich ein gelungener Tag für die Scuderia.

Vettel und der Technikteufel

Eigentlich. Denn Vettel musste große Teile der Trainingssessions als Zuschauer in der Garage verbringen, nachdem sein Ferrari im ersten Training schon in der dritten Runde liegenblieb und er auch im zweiten Durchgang vorzeitig die Box ansteuern musste.

„Ich habe den Vortrieb verloren, ich bin im vierten Gang“, funkte der Heppenheimer beim ersten Training an seine Crew, ehe er wegen Problemen mit der Antriebswelle in der Auslaufzone stehenblieb. Beim Nachmittagstraining schleppte der viermalige Weltmeister seinen Boliden immerhin noch in die Box.

„Heute war ein bisschen der Technikteufel drin und hat uns zweimal lahmgelegt“, ärgerte sich Vettel anschließend über den durchwachsenen Tag: „Hoffen wir, dass er das ganze Wochenende schläft – oder sich nach Kärnten verzieht.“

Hamilton nur Fünfter

Immerhin gab die Ferrari-Box für die kommenden Tage Entwarnung: Das fehleranfällige Getriebe der Trainingssessions sei ohnehin nicht als Renngetriebe in Frage gekommen und werde ersetzt.

So spricht vieles für ein Duell auf Augenhöhe mit Mercedes. Während Nico Rosberg nur knapp hinter Vettel die zweitschnellste Tageszeit fuhr (1:09,611), fand sich Weltmeister Lewis Hamilton (1:10,137) als Fünfter sogar noch hinter Kimi Räikkönen und Pastor Maldonado im Lotus wieder. Le-Mans-Sieger Nico Hülkenberg überraschte als starker Sechster (1:10,160).

Immer wieder erlaubte sich Hamilton Verbremser und Ausritte und verbaute sich so eine schnelle Runde nach der nächsten.

Auch im dritten und letzten Training vor dem Qualifying (14 Uhr im LIVE-TICKER) setzte Vettel die Bestzeit, blieb in 1:09,994 Minuten knapp vor Hamilton.

Vettel warnt vor Mercedes

Doch so leicht wird es Hamilton der Scuderia beim Qualifying wohl nicht machen, wie auch Vettel befürchtet: „Wir sind gut unterwegs, aber wir wissen natürlich auch, dass Mercedes über Nacht noch eine Schippe drauflegt und am Freitag noch nicht alles zeigt.“

Dennoch wird die Lücke zu den Silberpfeilen offenbar kleiner. Ein Motoren-Update könnte den Rückstand auf Mercedes weiter verkürzen, die Leistung am Freitag nährte diese Hoffnung der Italiener.

Zudem könnten Regenschauer während des Qualifyings für weitere Überraschungen sorgen – im Training konnten die Piloten für dieses Szenario nicht üben. Entgegen der Voraussagen blieb es in beiden Sessions trocken.