„El Zaragoza va a jugar! El Zaragoza va a vencer! El Zaragoza va a luchar por su afición!“ Mit diesen Worten beginnt die Vereinshymne von Real Saragossa – zu Deutsch: „Saragossa wird spielen, Saragossa wird gewinnen, Saragossa wird für seine Fans kämpfen.“

Und Real Saragossa hat gespielt und für seine Fans gekämpft, aber gewonnen hat der Klub eindeutig zu selten. So steht bereits nach einem 1:1 gegen UD Las Palmas am vorletzten Spieltag der Abstieg aus La Liga 2 fest. Der spanische Profifußball ist damit vorerst um einen Traditionsklub ärmer.

Der Absturz von Real Saragossa ist besiegelt
Der Absturz von Real Saragossa ist besiegeltDer Absturz von Real Saragossa ist besiegelt© IMAGO/NurPhoto

Überraschend kommt die Entwicklung nicht. Nach 41 Spieltagen steht Saragossa mit 36 Punkten auf dem letzten Platz. Mit 35 Toren stellt das Team die harmloseste Offensive der Liga. Einen rettenden Nichtabstiegsplatz belegte der Verein zuletzt im September nach dem vierten Spieltag. Damals mit zwei Punkten auf dem Konto.

Traditionsklub stürzt ab: „Der Fall eines Riesen“

Früher hießen die regelmäßigen Gegner von Saragossa noch Real Madrid, Barcelona oder Atlético. Doch seit dem Abstieg in der Saison 2012/13 fristen die Aragonesen ihr Dasein in der zweiten Liga – bis jetzt. Denn mit dem Gang in die Drittklassigkeit folgt nun der erstmalige Absturz aus dem Profifußball seit 1949.

In diesen 77 Jahren hatte sich Saragossa zwischenzeitlich zu einer festen Größe in Spanien entwickelt. Sechs Pokalsiege, ein spanischer Superpokal, der Europapokal der Pokalsieger und ein Gastspiel von 1990er-WM-Held Andi Brehme zeugen von einer großen Vergangenheit. Nur ist es eben die Vergangenheit.

Die spanische Marca schrieb vom „Fall eines Riesen“. Sei der Abstieg in die zweite Liga noch die „Hölle“ gewesen, stelle der Sturz in die dritte Liga jetzt „eine unvorstellbare Katastrophe“ dar.

Ärger um Klubeigentümer

Ein Teil dieser Katastrophe heißt Jorge Mas Santos. Der amerikanische Milliardär ist Präsident des Klubs und zeitgleich Miteigentümer von MasTec. Mit dem Konzern hält er 51 Prozent der Anteile an Saragossa. Als Investor bildet er gemeinsam mit seinem Bruder und England-Legende David Beckham außerdem das Eigentümer-Trio von Messi-Klub Inter Miami.

Bei den Fans sind die Verantwortlichen nicht erst seit dem feststehenden Abstieg in Ungnade gefallen. In einem Forum wurde die Chefetage des Vereins mit einem veralteten Computersystem verglichen: immer wieder die gleichen Fehler ohne jede Lösung.

Viele Anhänger fordern nicht weniger als einen geschlossenen Rücktritt der gesamten Führungsriege. Im Oktober vergangenen Jahres hing ein Protestbanner im Stadtpark mit der Aufschrift: „Real Saragossa ist kein Farmteam von irgendjemandem.“

Saragossa steigt ab: „Waren der Aufgabe sportlich nicht gewachsen“

Die Hoffnungen der Fans auf einen kompletten Wandel dürften nach einem ersten Statement der Klub-Bosse aber zunächst einmal erstickt sein. „Wir waren der Aufgabe sportlich nicht gewachsen“, hieß es darin. „Sie (die Fans; Anm. d. Red.) haben uns im schlimmsten Moment unserer Geschichte begleitet, und wir müssen Veränderungen herbeiführen, damit Real Saragossa so schnell wie möglich in den Profifußball zurückkehrt.“

Von einem konkreten Schuldeingeständnis des Vorstands war nichts zu lesen: „Wir beginnen heute, die Grundlagen zu legen, um aus dieser Situation aufzustehen, um in allen Bereichen stärker zurückzukommen.“

Besonders bitter: In die womöglich schwierigste Zeit der „Los Blanquillos“ geht der Verein ohne „echtes“ Stadion. 2024 begann der Abriss des alt-ehrwürdigen „La Romenada“. Seit 1957 trug Saragossa hier die Heimspiele aus. Doch nun wird es für die WM 2030 komplett saniert.

Als Übergangslösung fungiert seitdem das „Ibercaja Estadio“. Das Provisorium wurde eigens für die Umbauphase errichtet und kostete wohl über 14 Millionen Euro. Ein Heimatgefühl stellte sich seitdem nicht ein.

Vier Trainer konnten den Abstieg nicht verhindern

Für ein bisschen Heimatgefühl sollte der letzte Trainer sorgen. David Navarro kam im März als vierter (!) Coach der laufenden Saison mit dem Auftrag, das Unvermeidbare doch noch irgendwie abzuwenden. Doch aus 13 Spielen gelangen nur drei Siege. Vor dem 51-Jährigen hatte sich unter anderem Ex-Atlético-Spieler Gabi als Heilsbringer versucht.

Für Navarro, der in Saragossa geboren und eng mit dem Verein verbunden ist, war es eine absolute Herzensangelegenheit. Unter Tränen wandte er sich nach dem letzten Spiel entschuldigend an die Fans, machte aber auch Mut: „Es ist kein Wiederaufbau, denn Saragossa ist nicht zerbrochen.“

Ob Navarro, dessen Vertrag nach der Saison ausläuft, auch in der dritten Liga an der Seitenlinie steht, ist fraglich. Intern soll es Überlegungen geben, das Urgestein in anderer Position im Verein zu halten.

Saragossa droht der Ausverkauf

Klar ist bereits, dass es innerhalb der Mannschaft gravierende Veränderungen geben wird. So wird beispielsweise der ausgeliehene Torwart Esteban Andrada im Sommer zu seinem Stammverein CF Monterrey nach Mexiko zurückkehren.

Der Schlussmann zeigte Ende April, wie blank die Nerven beim einst so glorreichen Traditionsklub Saragossa liegen. Im Derby gegen Huesca brannten ihm bei einer Rudelbildung alle Sicherungen durch und er schlug seinem Gegenspieler mit der Faust ins Gesicht. Vom Verband gab es satte 13 Spiele Sperre.

Neben dem scheidenden Torhüter droht dem finanziell arg gebeutelten Verein ein Ausverkauf. Die Gehaltsobergrenze von fünf Millionen Euro in der dritten Liga zwingt zu einem radikalen Sparkurs und zum Neuaufbau der Mannschaft. Der Weg zurück in den Profifußball dürfte für Saragossa somit zu einer Herkulesaufgabe werden.