Der deutsche Vizeweltmeister Merlin Hummel hat bei der Leichtathletik-EM in Birmingham einen verwunderlichen Auftritt hingelegt.

Zunächst blieb der Hammerwerfer in der Qualifikation mit einer Weite von 75,49 m unter seinen Möglichkeiten und musste um das Finale bangen. Dann trat er mit einer überraschend entspannten Einstellung vor die TV-Kameras der ARD.

Merlin Hummel erreichte in der Quali nicht sein Topniveau
Merlin Hummel erreichte in der Quali nicht sein TopniveauMerlin Hummel erreichte in der Quali nicht sein Topniveau© IMAGO/Beautiful Sports International

Hummel schafft es doch ins Finale

„Ich habe es nicht geschafft, wirklich in den Wettkampf zu kommen. Ich war nicht so fokussiert wie ich sonst bin. Es ist halt auch eine Quali, das ist immer anders als der Wettkampf. Wenn ich weiter bin, dann bin ich weiter, wenn nicht, dann nicht“, sagte Hummel.

Zu diesem Zeitpunkt war unklar, ob er den Kampf um die Medaillen erreichen würde. Als Zehnter schaffte der 24-Jährige schließlich doch den Sprung ins Finale. Auch sein Frankfurter Vereinskollege Sören Klose überstand als Achter (75,80) die Qualifikation.

Bester der Vorentscheidung war der Tscheche Volodymyr Myslyvchuk mit 79,61 m. Ausgeschieden als 13. ist der formschwache Tokio-Olympiasieger Wojciech Nowicki (Polen), der zuletzt dreimal in Folge EM-Gold geholt hatte

Deutscher Mitfavorit verwundert auch Busemann

Hummel war nach seinem Auftritt von den Ergebnissen und Weiten in der zweiten Quali-Gruppe abhängig, die erst im weiteren Verlauf des Nachmittags im Anschluss an das Interview ins Geschehen eingriff.

Hummels Gelassenheit im Interview verblüffte auch ARD-Reporter Claus Lufen, der daher nachfragte: „Oh, so locker nehmen Sie das jetzt?“ Woraufhin Hummel erwiderte: „Es steht ja nicht mehr in meinem Einfluss. Ich habe alles gegeben. Es ging nicht mehr. Und dann ist es so.“

Die Einstellung des Mitfavoriten verwunderte auch den ARD-Experten Frank Busemann, der aber auch Verständnis zeigte: „Es ist schon überraschend locker. Aber so musst du damit umgehen. Ändern kann er da jetzt nichts mehr. Er könnte jetzt reinbeißen und sich ärgern. Ändert die Sache nicht, macht es uns kaputt.“

Der eine gehe „damit mit Trauer um, der andere mit Wut, der andere mit Trotz. Er ist wohl eher letztere Kategorie und er sagt: ‚Mein Gott, dann muss ich schauen, was die anderen machen.'“

Darum zog Hummel seinen Trainingsanzug nicht aus

Für Verwunderung hat auch gesorgt, dass Hummel im Trainingsanzug zu seinen Würfen angetreten war. Das hatte aber einen simplen Hintergrund, dem Athleten war schlicht zu kalt: „Wenn wir von 40 Grad in Deutschland hierherkommen, ist das schon frisch. Aber man kann es nicht anpassen.“

Unterm Strich steht, wie Busemann betonte: Die Qualifikation habe ihre eigenen Gesetze: „Aufgrund seiner Klasse hätte ich das nicht erwartet. So eine Qualifikation ist für solche Leute eher eine Formsache.“