Man stelle sich vor, ein Fußballer arbeitet sein gesamtes Fußballer-Leben auf den Moment hin, einmal bei einer WM für sein Heimatland auflaufen zu dürfen.
Und dann sagt der Nationaltrainer plötzlich ab. Per E-Mail!
Was nach einer ausgedachten Geschichte klingen mag, ist in einem Co-Gastgeberland für die WM 2026 Realität. US-Coach Mauricio Pochettino hat den Spielern, die es nicht in seinen 26 Mann starken WM-Kader geschafft haben, lediglich den digitalen Brief mit der niederschmetternden Nachricht zukommen lassen.
US-Coach vor WM: „Soll ich lügen?“
Auf einer Pressekonferenz am Mittwoch erklärte der Argentinier (20 Länderspiele als Spieler) die Hintergründe: „Als ich noch Spieler war und nicht in den Kader kam, wollte ich nicht, dass mein Trainer mich anruft. Die Spieler, die nicht in den Kader gekommen sind, wollen nicht, dass ich sage: ‚Es tut mir leid.‘ Was soll man denn sagen? Soll ich lügen?“
Aus seiner eigenen Vergangenheit kamen Erinnerungen hoch: „Spreche mit mir, bevor die Entscheidung gefallen ist. Wenn sie dann feststeht, worüber willst du reden?“
Weiter führte der 54-Jährige aus: „Das Thema liegt mir am Herzen. Wissen Sie, warum es mir am Herzen liegt? Weil ich in den vergangenen zwei Wochen kein Auge zugetan habe. Und auch heute kann ich mich nicht für die 26 Jungs freuen, die vor mir stehen, weil ich an die Spieler denke, die nicht dabei sind.“
„Kommt jetzt, das ist Bullshit“
Dabei stellte der Argentinier klar, dass es ihm nicht darum ginge, sein eigenes Gewissen reinzuwaschen – nichts anderes als das wäre laut ihm ein persönliches Telefonat: „Wenn ich anrufe, geht es um mich selbst. Ich sage: ‚Oh, ich rufe an, ich bin sehr menschlich, wenn es darum geht, anzurufen und dann eine Erklärung abzugeben.‘“
Pochettino beendet seine Ausführungen mit einem Rumms: „Kommt jetzt, das ist Bullshit!“
Die USA treffen in Gruppe D auf Paraguay, Australien und die Türkei. Das letzte Vorbereitungsspiel vor dem Turnierstart findet am 6. Juni in Chicago gegen die DFB-Elf statt.