Wurde die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft um einen überraschenden Sieg bei der Eishockey-WM betrogen? Der 3:3-Ausgleich der USA fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit war die große Aufreger-Szene, die die deutschen Spieler auch nach der Partie noch wüten ließ.

Was war passiert? DEB-Goalie Philipp Grubauer hatte nach einem Schuss bereits den Fanghandschuh auf den Puck gelegt, doch die Schiedsrichter pfiffen einfach nicht ab. Stattdessen stocherte US-Spieler Declan Carlile die Scheibe wieder heraus, und Tommy Novak erzielte den Ausgleich.

Harold Kreis veranlasste nach dem umstrittenen US-Treffer keine Challenge
Harold Kreis veranlasste nach dem umstrittenen US-Treffer keine ChallengeHarold Kreis veranlasste nach dem umstrittenen US-Treffer keine Challenge© IMAGO/Beautiful Sports International

„Ich war zweimal drauf mit der Hand und dann stichelt er zweimal raus. Was soll ich anders machen? Normalerweise sage ich so was nie, aber das ist eine klare Fehlentscheidung“, schimpfte der betroffene deutsche Goalie Philipp Grubauer nach der Partie bei MagentaSport.

Im Gespräch mit der Nachrichtenagentur SID legte er nach: „Es ist bitter, dass so eine Situation uns das Spiel kostet. Es ist fragwürdig, dass sie das Tor haben zählen lassen.“

DEB-Stars verwundert: Warum wurde keine Challenge genommen?

Bereits im Live-Kommentar hatte sich Magenta-Kommentator Basti Schwele festgelegt: „Das ist eine Torhüterbehinderung“. Auch Experte Rick Goldmann war überzeugt davon, dass es „einen Pfiff geben“ muss und der Treffer aberkannt wird.

Doch trotz Grubauers Beschwerden kam es anders. Womöglich auch, weil Deutschland keine Challenge einlegte – zur Überraschung des deutschen Torhüters: „Ich weiß nicht, warum wir nicht gechallenged haben.“

Ähnlich verwundert zeigte sich sein Teamkollege Marc Michaelis: „Ich weiß nicht, warum da nicht abgepfiffen wurde oder es nicht gechallenged wurde. Aber es fühlt sich nicht richtig an, auf jeden Fall.“

Philipp Grubauer im Duell gegen die USA
Philipp Grubauer im Duell gegen die USAPhilipp Grubauer im Duell gegen die USA© AFP/SID/ENNIO LEANZA

Bundestrainer: Das hat mir der Schiedsrichter gesagt

Bundestrainer Harold Kreis erklärte, dass er sich auch gewundert habe, „warum er (Schiedsrichter; Anm. d. Red.) nicht abpfeift“. Den Verzicht auf die „Coach’s Challenge“ erklärte er folgendermaßen: „Der Schiedsrichter hat gesagt, für so eine Aktion gibt es keine Challenge.“

Tatsächlich ist es so, dass die Situation, wenn ein Torhüter den Puck mit der Fanghand blockiert, dieser aber vom Gegenspieler frei geschlagen wird, bevor der Unparteiische abpfeift, im Regelbuch und den Erklärungen des Weltverbands IIHF nicht explizit aufgeführt wird. Hinzu kommt, dass die Szene aus den verschiedenen TV-Kameraperspektiven nicht klar zu erkennen war.

Eine deutsche „Challenge“ wäre daher beim Stand von 3:3 mit großem Risiko einhergegangen – denn entscheiden sich die Schiedsrichter dafür, dass der ursprüngliche Call korrekt war, hätte das deutsche Team eine Strafzeit erhalten und somit in Unterzahl kurz vor Schluss agieren müssen.

Eishockey-WM: DEB-Team braucht Schützenhilfe

So verlor am Ende die DEB-Auswahl das Spiel noch nach Penaltyschießen. Trotz der vierten Niederlage im vierten Spiel bei der WM in der Schweiz wahrte das Team mit dem ersten Punkt aber die Chance auf das Viertelfinale.

Mit drei Siegen aus den letzten Vorrundenspielen am Freitag (16.20 Uhr) gegen Ungarn, am Samstag gegen Österreich und am Montag (beide 20.20 Uhr) gegen Aufsteiger Großbritannien könnte sie die K.o.-Runde doch noch erreichen – bei etwas Schützenhilfe.

Mit Sport-Informations-Dienst (SID)


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