Am Montag startet mit Wimbledon der dritte Grand Slam des Jahres, die Spannung auf das prestigeträchtigste und älteste Tennisturnier der Welt steigt. Noch vor Alexander Zverevs knapper Halbfinalniederlage in der zweieinhalbstündigen Hitzeschlacht gegen US-Angstgegner Taylor Fritz hat SPORT1 mit seinem Bruder Mischa Zverev gesprochen.

Der Manager und Ratgeber des frischgebackenen French-Open-Siegers spricht in dem Interview über dessen Wimbledon-Chancen und erklärt, warum er positiv gestimmt ist, dass sein Bruder sich diesmal auf Rasen besser zurechtfindet. Auch den ganz großen Wurf von Alexander Zverev schließt er nicht aus.

Mischa Zverev traut seinem Bruder Alexander in Wimbledon viel zu
Mischa Zverev traut seinem Bruder Alexander in Wimbledon viel zuMischa Zverev traut seinem Bruder Alexander in Wimbledon viel zu© IMAGO/Steinbrenner

Mischa Zverev: „Sascha kann auf Rasen sehr gut spielen“

SPORT1: Der Sprung von Sand auf Rasen ist spieltechnisch gesehen der größte, den man haben kann. Wie gut ist der Ihrem Bruder Alexander Zverev gelungen, der aufgrund seines Triumphs in Paris ja noch weniger Zeit hatte?

Mischa Zverev: Bis jetzt ganz gut. Er hat sehr früh angefangen, sehr gut zu spielen auf Rasen. Das hat man schon beim Erstrunden-Match im Doppel gesehen. Auf Rasen sind das natürlich die wichtigsten Schläge: Aufschlag und Return. Funktioniert der Return gut, hast du viel mehr Chancen, den Gegner zu breaken und somit das Match zu gewinnen. Und bislang hat er gut gespielt. Er hatte in Halle einen schweren Gegner im Viertelfinale (Raphael Collignon, Anm. d. Red.), der unglaublich gut serviert hat. Von der Qualität genauso gut wie Sascha, von der Geschwindigkeit auch. Und ihn konnte er in zwei Sätzen besiegen. Beide Male im Tiebreak, aber umso mehr zeigt er sein Selbstbewusstsein, dass er in den schwierigen Situationen jetzt die richtigen Entscheidungen trifft und gut spielt.

SPORT1: Nach dem erreichten Grand-Slam-Titel hat man das Gefühl, dass ihm eine riesige Last abgefallen ist. Hilft das, um auch in Wimbledon ganz weit zu kommen?

Zverev: Das werden wir in ein paar Wochen sehen. Ich habe schon seit Jahren gesagt: Er kann auf Rasen sehr gut spielen. Er hat es hier bewiesen in Halle, hat hier auch gegen Roger Federer einmal gewonnen, ein paar Mal Finale gespielt im Einzel und im Doppel. Das heißt, der Rasenbelag liegt ihm eigentlich auch. Bloß ist der Rasen in Wimbledon ganz anders. Ein anderes Turnier, ein anderes Flair und du hast andere Gegner. Bis jetzt hat er es noch nicht so richtig geschafft, da den Durchbruch zu schaffen. Aber ich bin sehr positiv gestimmt, dass er es ihm dieses Jahr gelingen kann.

Wimbledon-Coup? „Warum nicht? Er spielt gut“

SPORT1: Da Zverev in Wimbledon auf Zwei gesetzt ist, könnte er erst im Finale auf Topfavorit Jannik Sinner treffen. Der Weltranglistenerste hat nach seinem Sensations-Aus in Paris erstmal eine Pause eingelegt. Könnte er anfangs daher ein paar Probleme haben, weil ihm der Rhythmus fehlt?

Zverev: Im vergangenen Jahr hatte er auch ein paar Monate Pause, kam zurück und hat einwandfrei gespielt. Gefühlt fast alles gewonnen, was man gewinnen konnte. Er weiß, wie es geht. Er hat im vergangenen Jahr Wimbledon gewonnen. Selbstvertrauen ist bei ihm da. Die Technik und das Spiel selbst sind bestimmt auch da. Da mache ich mir keine Sorgen. Es kann so viel passieren. Jannik an Eins gesetzt, Sascha an Zwei. Sie (Sinner und Zverev, Anm. d. Red.) werden erst spät aufeinandertreffen können, aber bis dahin ist noch ein ganz langer Weg. Ähnlich wie in Paris wird es vielleicht auch in Wimbledon viele Überraschungen geben.

SPORT1: Warum gewinnt Ihr Bruder Wimbledon dieses Jahr?

Zverev: (lacht) Warum nicht? Er spielt gut. Er hat diesen ersten Grand-Slam-Sieg geschafft. Ich habe schon seit Jahren gesagt: Rasen kann auch sein Belag werden. Vielleicht nicht sein stärkster, aber ein interessanter Belag. Es gab mal in Cincinnati so eine Geschichte. Er hat, glaube ich, fünfmal hintereinander die erste Runde verloren – und dann gewinnt er das Turnier – und ich hoffe, dass es in Wimbledon ähnlich laufen kann. Ein paar Jahre am Stück nicht so gut gespielt und dann kommt auf einmal der Durchbruch. Ich glaube, dieses Jahr ist ein gutes Jahr.