Wenn Mohamed Salah den FC Liverpool am Saisonende nach neun Jahren verlässt, geht den Reds mehr als nur ein Spieler verloren. Schon jetzt ist klar, dass an der Anfield Road Tränen fließen werden, wenn der „Egyptian King“ am 24. Mai sein letztes Heimspiel für den LFC absolvieren wird.
Doch es nimmt nicht nur der Ausnahmekönner auf dem Rasen Abschied, sondern auch der Mensch dahinter – und das könnte noch viel weitreichendere Folgen haben. „Salah ist nicht nur ein Fußballspieler: Er ist eine Inspiration für die arabische Jugend“, betont der ägyptische Journalist Ahmed Kamal von der Zeitung Ahl Masr im Gespräch mit SPORT1.
Durch Salahs Abgang werde nicht nur die Popularität von Liverpool im arabischen Raum und insbesondere in Ägypten einen herben Dämpfer erhalten, sondern auch die Premier League werde das bedeutendste Aushängeschild für diesen Bereich verlieren. „Ich bin mir sicher, dass etwa 95 Prozent der Bevölkerung wegen Salah die englische Premier League verfolgen“, vermutet der Journalist.
„Liverpool hat mindestens 100 Millionen Fans verloren“
„Die Erfolge, zu denen er Liverpool geführt hat, haben die Popularität des Vereins zweifellos gesteigert. Und jetzt, wo sein Abgang feststeht, hat Liverpool weltweit mindestens 100 Millionen Fans verloren, und das ist eine vorsichtige Schätzung: Die tatsächliche Zahl könnte weitaus höher liegen“, ordnet Kamal die weitreichenden Folgen von Salahs Abschied für Liverpools internationale Strahlkraft ein.
Mit fast 120 Millionen Einwohnern und damit knapp einem Viertel des gesamten arabischen Raums ist der ägyptische Markt für die Reds und auch für die Premier League hochrelevant. Durch Salahs Abgang droht in dieser Hinsicht jedoch ein großer Rückschritt.
Salah? „Es besteht kein Zweifel daran“
Der gleichen Ansicht ist auch Hazem Jamal Al-Barbari, der als Journalist für den Telegraph Egypt tätig ist. „Es besteht kein Zweifel daran, dass die Anwesenheit von Salah maßgeblich zum enormen Anstieg der Popularität des Vereins beigetragen hat. Nicht nur in Anfield, sondern auch in Afrika und der arabischen Welt“, erklärt Al-Barbari bei SPORT1.
„Alle haben die Spiele wegen Salah verfolgt, aber nach seinem Weggang glaube ich nicht, dass noch jemand die Spiele der Reds anschauen wird“, erwartet der Journalist. „Da Salahs Abschied näher rückt, droht die Popularität von Liverpool in Afrika zu schwinden.“
Weniger dramatisch schätzt Sportjournalist Salah Abou Zaid die Folgen ein. „Natürlich haben einige Leute Liverpool wegen Salah unterstützt, aber es gibt auch ägyptische Fans, die Liverpool schon vor Salahs Wechsel zum Verein angefeuert haben“, betont er.
Klar ist aber, dass Salah nicht nur marktwirtschaftlich Liverpool gutgetan hat. Laut einer Studie der Universität von Stanford sind die Hassverbrechen in der Region um Liverpool seit dem Wechsel von Salah im Jahr 2017 um 19 Prozent zurückgegangen. Auch ein Rückgang antimuslimischer Online-Kommentare von Fans wurde verzeichnet. Ein weiterer Beleg dafür, dass Salah auch abseits des Sportlichen einen maßgeblichen Einfluss hat.