Hallo F1-Freunde,

der Titan verbreitet keinen Schrecken mehr – vor Mercedes zittert momentan niemand in der Formel1.

Lewis Hamilton kassiert in Saudi-Arabien eine Klatsche, wird abgespeist mit einem mickrigen Punkt. Hat auf der Strecke nicht einmal die Chance, einen Haas zu schlagen. George Russell holt mit Platz 5 genau das, was mit dem W13 derzeit möglich ist. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)

Der Dominator, der seit Beginn der Hybrid-Ära achtmal in Folge den Konstrukteurstitel geholt hat, ist derzeit die Nummer 3 hinter Ferrari und Red Bull. Schwer zu verkraften für ein erfolgsverwöhntes Team, das über viele Jahre die Bench-Mark dargestellt hat. Der Motor ist nicht mehr der stärkste. Damit hat die Truppe von Toto Wolff das schwerwiegendste Pfund im Kampf um Titel und Pokale verloren.

Mercedes: Das Problem liegt im Gesamtpaket

Der Budgetdeckel bringt es mit sich, dass Mercedes im personellen Bereich schrumpfen muss. Auch die Motoren-Abteilung in Brixworth ist davon betroffen. Motoren-Guru Andy Cowell ist im Juli 2020 gegangen und hat eine scheinbar nicht zu füllende Lücke hinterlassen. Dazu kommen etliche weitere Ingenieure, die nicht mehr für Mercedes arbeiten, teilweise zum Hauptgegner Red Bull abgewandert sind.

Aber offensichtlich ist es nicht der Motor allein, der Probleme bereitet. Das Gesamtpaket hat nicht die gewünschte Effektivität.

Der Umsturz des kompletten technischen Reglements hat viele Veränderungen erzwungen. Vor allem im Bereich Aerodynamik. Die Mercedes-Konkurrenz hat bessere Lösungen gefunden. Vor allem Ferrari.

Ferrari und Red Bull haben Mercedes vorerst abgehängt

In Maranello hatte man früh die Saison 2021 an den Haken gehängt und alles in die Entwicklung für das neue Auto gesteckt. Mit Erfolg. Aber auch Red Bull, das mit Mercedes im vergangenen Jahr bis zum letzten Rennen in der Weiterentwicklung des aktuellen Fahrzeuges verhaftet war, um den Titelkampf erfolgreich gestalten zu können, hat in der Vorbereitung auf 2022 offenbar besser, effektiver gearbeitet. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)

Von den Haltbarkeitsproblemen zu Saisonbeginn in Bahrain ist eine Woche später in Saudi-Arabien nichts mehr zu sehen. Mercedes ist dagegen sicher noch für eine ganze Weile meilenweit davon entfernt, aus eigener Kraft Rennen zu gewinnen.

Jetzt ist Toto Wolff gefragt

Zwei Reaktionen sind denkbar. Die Niederlagen, die sicher auch in den anstehenden Rennen kommen werden, drücken aufs Gemüt, sorgen für Frust und Niedergeschlagenheit. In den zurückliegenden Jahren haben es die Sterne-Ritter immer wieder geschafft, nach Pleiten schnell zu reagieren und Lösungen zu finden. Davon kann man diesmal wohl nicht ausgehen. Das lähmt!

Bei anhaltendem Misserfolg könnten sich Gräben öffnen, das Team spalten, denn ohne Frage, die Suche nach Schuldigen wird irgendwann aufkommen in einem Team, das aus dem gewachsenen Selbstbild heraus nichts anderes als eine Leader-Rolle akzeptieren kann.

Ich denke nicht, dass es so weit kommen wird! Toto Wolff hat es in den zurückliegenden Jahren exzellent verstanden, aus jedem im Team das Optimum rauszuholen. Seine Manager-Fähigkeiten sind jetzt besonders gefragt.

Wie geht es weiter bei Mercedes?

Wichtig ist eine systematische Aufarbeitung der vorhandenen Baustellen. Es ist nach wie vor enorm viel Know-How vorhanden. Die einzelnen Abteilungen müssen Lösungen finden – entscheidend ist dabei, dass immer das Große und Ganze im Mittelpunkt steht, die Räder, sprich die einzelnen Ebenen, ineinandergreifen. Und nicht jeder für sich dahinwurschtelt.

Die Formel 1 hat den Grand Prix in Saudi Arabien in Dschidda wie geplant ausgetragen. Trotz des Raketen-Angriffs nahe der Strecke halten die Bosse der Rennserie am zweiten Saisonlauf fest. Ex-Teamchef Colin Kolles berichtet über Bedenken der Fahrer.

Die Formel 1 hat den Grand Prix in Saudi Arabien in Dschidda wie geplant ausgetragen. Trotz des Raketen-Angriffs nahe der Strecke halten die Bosse der Rennserie am zweiten Saisonlauf fest. Ex-Teamchef Colin Kolles berichtet über Bedenken der Fahrer.

Mercedes hat das in den vergangenen Jahren immer wieder gut hinbekommen. Ich zweifele nicht daran, dass das auch diesmal klappt. Allerdings braucht das seine Zeit, die Konkurrenz schläft nicht, auch Red Bull und Ferrari werden weitere Fortschritte machen.

So kann Mercedes noch in den Titelkampf eingreifen

Mercedes muss deshalb jetzt einen Kraftakt sondergleichen hinlegen, um wieder angreifen zu können. Man wird sich mit dem Gedanken befassen müssen, dass ein Eingreifen in den Titelkampf 2022 nicht möglich ist. Das Setzen erreichbarer, glaubwürdiger Ziele ist deshalb enorm wichtig. Denn alles was jetzt passiert und gemacht wird, hat Auswirkungen auf die kommende und die folgenden Saisons!

Sollte der Zug im Titelkampf an Mercedes vorbeirauschen, haben es die Fahrer der Silberpfeile aber vielleicht dennoch in der Hand, den Titelkampf mitzuentscheiden!

Mit der entsprechenden Leistungssteigerung und der Möglichkeit, wieder Rennen an der Spitze mitzugestalten, entscheiden Russell und Hamilton darüber, wer wichtige Punkte liegen lässt, wenn man sich unter die Konkurrenten Ferrari und Red Bull mischen kann.

Verstappen vs. Leclerc – das Duell der Zukunft?

Momentan können sich Leclerc und Verstappen aufeinander konzentrieren. Ein faszinierendes Duell, das uns unter Umständen über viele Jahre in den Bann ziehen wird. Beide sind überaus talentiert. Verstappen der aggressivere, Leclerc der cleverere Fahrer, der taktischer agiert. Beide im selben Alter, beide haben ihre besten Jahre noch vor sich. Und beide verfügen über derzeit hervorragendes Material. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)

Die Frage ist, wie stabil Ferrari und Red Bull sind, wenn sich Mercedes wieder dazugesellt! Denn dann gilt es nicht nur einen Gegner im Auge zu behalten. Die taktischen Herausforderungen wachsen dadurch enorm. In den vergangenen Jahren war es nicht gerade die Stärke von Ferrari, über Boxenmauer-Entscheidungen Erfolge zu feiern. Mal sehen, ob die Roten auch da, so wie im technischen Bereich, zugelegt haben.

Zur Dominanz eines Teams wird es dieses Jahr nicht kommen. Die neue Formel1 ist bunter, abwechslungsreicher geworden. Also genau das, was wir alle wollten. Mercedes wird wieder ein gewichtiges Wort mitreden. Es stellt sich nicht die Frage ob, sondern nur wann und in welcher Form das wieder der Fall sein wird.

Australien kommt da mit Sicherheit zu früh, aber wer weiß, was für Überraschungen Down-Under bereithält? Ich freue mich jedenfalls darauf, dass Melbourne wieder im Kalender ist. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)

Bis dahin, bleiben Sie gesund!

PEDAL TO THE METAL

Ihr Peter Kohl.

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Peter Kohl, Jahrgang 1962, ist in Oberstdorf im Oberallgäu aufgewachsen. Wintersport liegt ihm deshalb im Blut. Er war selbst im Leistungssportbereich im Eisschnelllauf unterwegs, bis seine Knie den Anforderungen...