Aus in der Champions League, Aus im DFB-Pokal und fünf Spieltage vor Saisonende nun auch nur noch Tabellenzweiter in der Bundesliga!

Dem FC Bayern droht eine Katastrophensaison ohne Titelgewinn – was letztmals 2012 der Fall gewesen ist.

Die Bayern im Frühjahr 2023 gleichen einem Scherbenhaufen, die Verunsicherung wächst von Spiel zu Spiel – absoluter Tiefpunkt war die 1:3-Pleite am Samstagnachmittag in Mainz, als Dortmund zudem im Abendspiel mit einem 4:0 gegen Frankfurt die Tabellenführung zurückeroberte.

Bayern-Offensive nur ein laues Lüftchen

Doch wie konnte es so weit kommen? Festzuhalten ist zunächst einmal, dass der Trainerwechsel von Julian Nagelsmann zu Thomas Tuchel für die Ergebnisse rein gar nichts gebracht hat. Auch die Diskussionen um die Zukunft von Vorstandschef Oliver Kahn und Sportvorstand Hasan Salihamidzic sind alles andere als hilfreich.

Am eklatantesten ist jedoch der Formverfall der Mannschaft. Die Abwehr patzt regelmäßig, aus dem Mittelfeld kommen wenige Impulse und die Offensive ist nur noch ein laues Lüftchen. Vor allem die jüngste Harmlosigkeit im Angriff ist angesichts des hochkarätigen Personals nur schwer nachzuvollziehen.

Vor dem Tor von Sadio Mané in Mainz blieben die Bayern 557 Minuten lang ohne einen Treffer eines Offensivspielers. Das hatte es zuletzt 1998 gegeben, als der deutsche Rekordmeister unter Giovanni Trapattoni fünfmal in Folge überhaupt kein Tor erzielen konnte.

Während die Bayern den Abgang von Top-Torjäger Robert Lewandowski bis zur WM-Pause im November hervorragend kaschieren und auf mehrere Schultern verteilen konnten, ist 2023 total der Wurm drin, was auch an den Zahlen festzumachen ist.

Wie konnte das mit diesem Personal passieren? SPORT1 blickt auf die Bayern-Stars und zeigt mit den Daten von Sportrec Solutions, wo genau die Probleme liegen.

Musiala läuft seiner Form hinterher

Jamal Musiala, mit elf Toren Bayerns bester Bundesliga-Torschütze, hatte bis zur WM an den ersten 15 Spieltagen 15 Torbeteiligungen, seitdem nur noch fünf.

Der Unterschiedsspieler ist 2023 nicht mehr wiederzuerkennen und Sinnbild für die verloren gegangen Torgefahr der Offensivstars.

Kurios ist, dass Musiala trotzdem noch einer der treffsichersten Bayern-Stars vor dem Tor ist: Bei einem xGoals-Wert von 7,4, kommt er auf elf Tore – seine Abschluss-Effizienz (Unterschied zwischen xGoals und tatsächlichen Treffern ist +3,6) wird bei Bayern nur von Choupo-Moting überboten, der die Liga mit bei +4,1 gemeinsam mit Julian Brandt anführt. Musiala ist auf Platz 4.

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nCAPTION: Handschlag verweigert: Musiala verärgert Streich
nDESCRIPTION: Beim Pokal-Aus der Bayern gegen den SC Freiburg sorgt Jamal Musiala für Irritationen. Als Christian Streich ihn nach dem Abpfiff aufmuntern will, weicht der Nationalspieler einfach aus.

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Choupo-Moting, zuvor zwei Jahre lang Lewandowski-Backup, war bis zur WM ebenfalls in glänzender Verfassung und erzielte alleine im Oktober und November elf Pflichtspieltreffer.

Doch zuletzt plagte sich der 34-Jährige mehr mit Wehwehchen als mit gegnerischen Abwehrspielern herum – und Bayern fehlte der Knipser vor dem Kasten.

Gnabry schießt viel und trifft zu selten

Ohne Choupo-Moting mussten Nagelsmann und Tuchel auf Notlösungen auf der Neun setzen – wo sich die mangelnde Treffsicherheit vor allem von drei Stars rächen sollte.

So kam vor allem der oft eingesetzte Serge Gnabry 2023 kaum zur Geltung. Während der deutsche Nationalspieler bis zum Katar-Großevent achtmal in der Liga geknipst hatte, traf er in diesem Jahr nur ein einziges Mal, und das vom Elfmeterpunkt.

Dabei führt er die Bayern mit 71 Torschüssen (gleichauf mit Leroy Sané) an, hat mit 9,4 sogar den höchsten xGoals-Wert der Münchner. Das Problem: Gnabry schießt viel, trifft aber zu selten: An den ersten 15 Spieltagen lag seine Abschlusseffizienz bei +2,0, danach bei -2,4 (die schwächste bei Bayern). Dazu kam noch Pech bei drei Aluminium-Treffern in dieser Saison (Liga-Höchstwert sind vier).

Auch auffällig: Gnabry gewann bis zur WM-Pause noch 51 Prozent seiner Zweikämpfe, danach nur noch 38 Prozent (44 auf die gesamte Saison gesehen).

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nCAPTION: FC Bayern: Diese Top-Stars stehen auf der Verkaufsliste
nDESCRIPTION: Sadio Mané und der FC Bayern: Nach nur einem Jahr könnte dieses Kapitel bereits wieder beendet sein. Mit Serge Gnabry steht ein zweiter Top-Star auf der Verkaufsliste.

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Mané der schwächste Bayern-Star vor dem Tor

Ähnliche Probleme hat Mané, der in Mainz zwar nach langer Verletzungspause seinen ersten Treffer 2023 markieren konnte, mit einer Abschlusseffizienz von -1,8 aber die insgesamt schwächste aller Bayern verzeichnet. Der Senegalese traf bei einem xGoals-Wert von 8,8 nur siebenmal in der Liga.

Erschwerend kommt hinzu, dass der jüngste Treffer in Mainz der erste „wichtige“ für Bayern war (zuvor nur zum 3:0, 4:0 oder 5:0 getroffen) und in 21 Spielen 20-mal im Abseits stand, so oft wie kein anderer Bayern-Spieler.

Unter anderem so kommt auch die kuriose Statistik zustande, dass dem 31-Jährigen bereits acht Tore aberkannt wurden (sechsmal Abseits, je einmal Hand und Foul), keinem anderen Bundesliga-Spieler passierte das mehr als dreimal.

Sané vergibt zu viele Hochkaräter

Auch an Sané lässt sich bei allem Engagement die Torflaute der Bayern festmachen: Zwölf seiner 13 Großchancen vergab der deutsche Nationalspieler – ligaweit ließ nur Mönchengladbachs Marcus Thuram mehr hundertprozentige Möglichkeiten liegen.

Sané ist zwar an den meisten Torschüssen beteiligt (71 Torschüsse, 31 Torschussvorlagen), alleine aus der Distanz hielt er 35 Mal drauf (zwei Tore), auch er hat aber einen negativen Effizienz-Wert (-0,7).

Wie bei so vielen Bayern lief es zu Beginn der Saison weitaus besser: In den ersten 16 Pflichtspielen 2022/23 erzielte er zehn Tore, in den letzten 23 nur noch drei.

Nach der Auseinandersetzung zwischen den Bayern-Spielern Sadio Mané und Leroy Sané spricht der Bayern-Trainer Thomas Tuchel über die Zukunft des Senegalesen beim Rekordmeister.

Nach der Auseinandersetzung zwischen den Bayern-Spielern Sadio Mané und Leroy Sané spricht der Bayern-Trainer Thomas Tuchel über die Zukunft des Senegalesen beim Rekordmeister.

Coman gibt nach der WM Gas

Trotz der jüngsten Flaute lief es 2023 nicht für alle Bayern-Offensivakteure nach der WM schlechter.

Kingsley Coman hat sechs seiner sieben Pflichtspieltore in dieser Saison seit Anfang Februar erzielt, weist als starker Dribbler mit 55 Prozent gewonnenen Zweikämpfen einen guten Wert auf und macht auch die wichtigen Tore (wie beim 1:0 gegen PSG).

Kurios: Wenn Coman traf, punktete Bayern in der Bundesliga immer (31 Siege, ein Remis).

Nur Mané schlechter als Müller

Thomas Müller sammelte nach nur fünf vor der WM in der Rückrunde starke acht Scorer-Punkte (vier Tore, vier Torvorlagen), nur Dortmunds Raphael Guerreiro (12) und Donyell Malen (9) haben mehr.

Allerdings liegt seine Abschlusseffizienz nur bei -1,5 (xGoals: neun), hier ist nur Neuzugang Mané schlechter.

Müller schafft es aber, das Spiel auf andere Art zu beeinflussen: Seine 13 Torbeteiligungen werden bei Bayern nur von Musiala (20) überboten.

Starke Ausbeute von Tel

Ein Hoffnungsschimmer ist Mathys Tel, der in dieser Bundesliga-Saison zwar 18-mal zum Einsatz kam, aber insgesamt nur 349 Minuten spielte.

Dafür ist die Ausbeute des 17-Jährigen bemerkenswert: Tel erzielte vier Tore und traf im Schnitt alle 87 Minuten – das ist Bundesliga-Bestwert unter den Spielern mit mehr als zwei Toren.

Tel ist ein offensives Versprechen für die Zukunft – doch die Gegenwart sieht bei den Bayern mehr als trist aus.

Nicht umsonst scheint die (verspätete) Suche nach einem Lewandowski-Nachfolger oberste Priorität zu haben.