Es war das wohl verrückteste Wrestling-Match, das die Welt je gesehen hat. Wenn man es denn noch als Wrestling-Match bezeichnen will.
„The Final Deletion“ ist das Schlagwort, mit dem die Brüder Matt und Jeff Hardy heute vor zehn Jahren Fans in aller Welt begeisterten, ihrer damaligen Liga Impact Wrestling (TNA) einen echten Aufmerksamkeits-Coup bescherten – und einen Trend auslösten, auf den auch WWE zuletzt immer mehr aufgesprungen ist. Unter anderem steht auch das letzte Match des legendären Undertaker in direkter Verbindung dazu.
Final Deletion zwischen Star Wars und Phantom der Oper
Die Hardys lieferten sich im Sommer 2016 ein verrücktes Duell, das auf dem Anwesen von Matt Hardy und dessen Frau Reby in Cameron, North Carolina aufgezeichnet und am 5. Juli 2016 in der TV-Show Impact on Pop erstmals ausgestrahlt wurde. Das Ergebnis, das dort zu sehen war: Mehr Filmkunstwerk als klassischer Showkampf, ein wilder Mix aus Match, Stunt-Actionshow, Trash-Comedy und purem Irrwitz.
Die Vorgeschichte des Kampfs: Der ältere der beiden Brüder hatte sich damals bei TNA als „Broken Matt Hardy“ völlig neu erfunden. Er spielte einen durchgedrehten Großgrundbesitzer, im Sweeney-Todd-Look mit melodramatischem Akzent sprechend und besessen davon, seinen Bruder – den er nur noch „Brother Nero“ nannte – ein für allemal aus der Familie zu tilgen. Final Deletion.
Der besagte Showdown wurde aufwändig und liebevoll als Mini-B-Film in Szene gesetzt, irgendwo zwischen Machete, Star Wars und Phantom der Oper – vermengt mit einer Prise Scarface und Terminator: Der ältere Hardy schickte eine Drohnenarmee auf seinen Bruder, lud ihn mit einer Hologramm-Botschaft zum Freiluftkampf in einem Ring auf seinem Grundstück, aufgebaut vom bösen Gärtner Senor Benjamin („Prepare the battlefield for massacre“).
Was sich dort noch ereignete: Ein spektakulärer Sprung Jeff Hardys von einem Baum auf seinen Bruder, gegenseitige Attacken mit einer Pyrotechnik-Kanone, ein unfairer Eingriff von Senor Benjamin mit einem Elektroschocker – und zum Schluss ein matchentscheidender Sturz Jeffs von einem Holzkreuz, das Matt mit der Geburtstagskerze seines einjährigen Sohns Maxwell in Brand steckte.
Viel Lob für Matt und Jeff Hardy – auch von WWE-Stars
Alles enorm abgedreht – und entsprechend polarisierend: Das mit viralen Videos effektiv beworbene Duell wurde von einem Teil der Fans als grober Unfug betrachtet, der nichts mehr mit Wrestling zu tun hat. Vom anderen dafür als schlicht grandios.
Zu letzterer Gruppe gehören zahlreiche Stars der Szene, auch der Konkurrenz. Als „brillant“ bejubelte der damalige WWE-Star Chris Jericho das Match bei Twitter: „Broken Matt ist der beste Charakter der TNA-Geschichte.“
Mastermind Jeremy Borash auch am Boneyard Match beteiligt
Der Hype um den in dieser Form und mit diesem Aufwand so noch nicht gesehenen Matchfilm war so groß, dass die Nachahmungen auf dem Fuß folgten. WWE sprang mit einem hastig produzierten, ähnlich angelegten Fight zwischen The New Day und der Wyatt Family auf den Zug auf. Besser gelungen war zwei Jahre danach die „Ultimate Deletion“ zwischen dem mittlerweile tragisch verstorbenen Bray Wyatt und Matt Hardy – die Hardys waren 2017 wieder zu WWE gewechselt (empfangen mit „Delete! Delete!“-Rufen der Fans), Matt übernahm als „Woken“ Matt Hardy schließlich auch bei WWE seine neue Rolle.
Durch die Einschränkungen der Corona-Pandemie ab 2020 ging WWE noch mehr dazu über, besondere Kämpfe als „cinematic matches“ zu inszenieren, vor allem das Firefly Funhouse Match zwischen Wyatt alias The Fiend und John Cena und das Boneyard Match zwischen dem Undertaker und AJ Styles bekamen gute Kritiken. An der Produktion von letzterem hatte hinter den Kulissen Jeremy Borash entscheidenden Anteil – der zuvor bei Impact aktive, auch als Kommentator bekannte Kreativmann hatte auch „The Final Deletion“ bei Konzeption und Umsetzung seine Handschrift verliehen.
Auch bei Konkurrent AEW, wo die Hardys auch zeitweise aktiv waren, machte das Vorbild Schule – etwa beim Comeback-Match von Ikone Sting 2021.
Während Sting und der Undertaker mittlerweile im verdienten Ruhestand, sind Jeff und Matt Hardy mit mittlerweile 48 bzw. 51 Jahren immer noch aktiv – und toben sich inzwischen wieder bei TNA aus.
Die Spuren, die ihre wegweisende Inszenierung vor zehn Jahren hinterlassen hat, sind derweil überall zu besichtigen – was die Einschätzung bestätigt, die WWE-Hall-of-Famer Mick Foley schon damals hinterlegte: „The Final Deletion ist wahrhaft das Citizen Kane des Wrestling.“