Heute ist es kaum vorstellbar, dass diese Zeit einmal gab. Eine Zeit, in der Österreich noch keine Skisprung-Nation war – und dabei zusah, wie vor allem Norweger und Deutsche die Siege unter sich ausmachten.
Es war heute vor 52 Jahren, dass in der Sportart eine neue Zeitrechnung begann. Wobei es damals noch niemand wusste. Am 17. Mai 1974 wurde Baldur Preiml Skisprung-Bundestrainer in Österreich. Auch in den Sportteilen der Alpenrepublik war das damals eine Randnotiz. Erst Jahre später wurde klar, wie wegweisend diese Berufung werden sollte.
Unter Preiml ging es mit Österreich bergauf
Als Aktiver gehörte der am 8. Juli 1939 geborene Kärntner in den sechziger Jahren zur Weltspitze, holte 1968 bei Olympia Bronze auf der Normalschanze hinter dem Tschechoslowaken Jiri Raska und Landsmann Reinhold Bachler.
Prägenden Einfluss übte Preiml nach seinem Rücktritt dann allerdings als Trainer aus: Wegen seiner innovativen Ideen und großer Akribie gilt Preiml als der Vater des österreichischen Aufstiegs zur Skisprung-Nation Nummer 1.
Preiml tüftelte intensiv an Material (Skier, luftundurchlässige Sprunganzüge, Ausrüstung) und Trainingsmethodik inklusive Ernährung und Mentalcoaching – er studierte dabei auch genau die bis dahin in der Sportart dominierende DDR.
Der vielseitig interessierte Preiml legte bei seinen Schützlingen auch Wert auf Bildung: Auf seinem Skigymnasium in Stams, wo er zeitweise parallel zu seiner Bundestrainer-Tätigkeit lehrte, unterrichtete er sie auch in Geschichte.
Die revolutionären Ansätze Preiml verhalfen einer ganzen Generation österreichischer Springer zum Durchbruch in die Weltspitze, allen voran Toni Innauer, dem Olympiasieger von Lake Placid 1980.
Preiml führte 1975 auch Willi Pürstl zum ersten österreichischen Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee seit 22 Jahren – Edi Federer und Karl Schnabl vollendeten den Dreifach-Triumph.
Alle österreichischen Topspringer späterer Jahre – Andreas Felder, Heinz Kuttin, Andreas Goldberger, Andreas Widhölzl, Wolfgang Loitzl, Andreas Kofler, Gregor Schlierenzauer, Thomas Morgenstern, Thomas Diethart, Stefan Kraft, Daniel Tschofenig – wandelten in den Spuren, die Preiml geschaffen hatte.
„Er hat die Sportart revolutioniert“
Nach seiner Zeit als Trainer blieb Preiml als Redner und Aktivist für Bewegung und Ernährung gefragt, zwischen 1987 und 1991 leitete er auch die Sportabteilung im österreichischen Bildungsministerium. 1996 erhielt er das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich, die höchste Ehrung im Lande.
Am Montag, dem 27. Januar 2025, verstarb Baldur Preiml in Spittal an der Drau im Alter von 85 Jahren.
„Mit Baldur Preiml verliert der Österreichische Skiverband nicht nur einen herausragenden Trainer seiner Zeit, sondern die gesamte Skisprung-Familie einen jahrzehntelangen Freund, der diese Sportart revolutioniert hat“, schrieb der ÖSV in einem Nachruf auf Preiml.