München blickt nach Spanien: Der Wahlkampf bei Real Madrid ist beendet – macht der alte und neue Vereinspräsident Florentino Pérez jetzt wirklich für Michael Olise den Tresor auf?
Der langjährige Klubboss hatte im Wahlkampf großspurig angekündigt, dass schon am Dienstag ein nie dagewesenes Angebot in Höhe von 150 Millionen Euro abgegeben werden soll. Für wen, blieb offiziell unklar. Ein Galaktischer soll her. Diverse Medien berichten: Der Profi des FC Bayern ist der Auserkorene.
Ist Olise tatsächlich das Ziel von Real Madrid?
„Die Seifenoper der 150 Millionen beginnt“, titelte die Marca und nahm den Profi des FC Bayern dabei groß ins Bild. Die As erklärte derweil die „galaktische Operation“ für eröffnet. Dass Pérez den Namen Olise explizit ausgeschlossen hatte, scheint kaum noch von Belang zu sein.
Ist tatsächlich Olise das große Transferziel der Königlichen in diesem Sommer? Miguel Gutierrez, Spanien-Experte für Real Madrid, will das Szenario nicht ausschließen. „Eines ist sicher: Real Madrid sucht einen Rechtsaußen für die neue Saison. Michael Olise ist einer – und deswegen sind auch die ganzen Spekulationen da“, sagte er bei „WM Aktuell“ auf SPORT1.
Allerdings hätten Pérez und Vorstandsmitglied José Ángel Sánchez den Namen des Bayern-Stars öffentlich nie in den Mund genommen. Ein Vorstoß der Madrilenen sei dennoch möglich. „Real Madrid hat immer gesagt: Wir wollen die besten Spieler der Welt haben.“
Olise gehört zu den besten Spielern der Welt, das ist längst klar. Beim 3:1-Testspielsieg Frankreichs am Montag gegen Nordirland stellte der Offensivspieler seine ganze Klasse zur Schau. Alle drei Treffer seiner Mannschaft hatte der 24-Jährige selbst erzielt; das 3:1 – wie schon oft beim FC Bayern gesehen – per Traumschlenzer ins lange Eck.
Olise-Verkauf im Sommer ist ausgeschlossen
Dass der FC Bayern München Olise in diesem Sommer verkaufen wird, ist nach SPORT1-Informationen auch wegen solcher Leistungen absolut ausgeschlossen. Selbst wenn Real Madrid am Dienstag, wie von Pérez angekündigt, ein Angebot in Höhe von 150 Millionen Euro unterbreiten würde, wird der FC Bayern Olise nicht abgeben.
Zuletzt hatte schließlich Präsident Herbert Hainer in Richtung Pérez versichert, dass er sich ein Angebot „sparen“ könne.
Und Uli Hoeneß würde Olise selbst für 200 Millionen Euro nicht ziehen lassen. Der neue Real-Trainer José Mourinho „kriegt ihn nicht“, sagte der Bayern-Macher. Olise „bleibt unverkäuflich“.
Zur Wahrheit gehört: Es waren wenig überraschende Ansagen in Richtung Madrid, Olise (22 Tore und 31 Assists in 52 Spielen) macht die Bayern regelmäßig um eine Klasse besser. Warum also hat sich Pérez überhaupt so weit aus dem Fenster gelehnt und die Gerüchte aufkommen lassen?
Hinter den Kulissen deuten die Bayern die Aktion vorerst als Wahlkampf-Manöver. Ob es wirklich zu einem Pérez-Vorstoß kommt, bleibt abzuwarten.
Abgang gegen den Willen? Insider erinnert an Bale
Real-Insider Gutierrez ist sich sicher, dass der FC Bayern ohnehin „eine Strahlkraft und eine gewisse Fähigkeit hat, zu sagen, dass der Spieler den Verein nicht verlässt.“ Was passiert aber, wenn Real ein gigantisches Angebot für den Franzosen abgibt und Olise selbst eine neue Herausforderung in Spanien anstreben würde? Gutierrez erinnerte an einen Fall, der schon viele Jahre zurückliegt.
„Die meisten Spieler, die zu Real Madrid gekommen sind, kamen meist unter großen Schwierigkeiten. Die abgebenden Vereine wollten den Spieler gar nicht abgeben. Zum Beispiel Gareth Bale, der am 28. August 2013 auf einmal bei Tottenham Hotspur nicht mehr zum Training erschienen ist. Am Ende hat er so den Wechsel forciert“, sagte der Real-Insider bei SPORT1.
Nach langem Hin und Her war Bale 2013 für satte 101 Millionen Euro von den Spurs nach Madrid gewechselt – obwohl der Londoner Klub seinen Superstar eigentlich nicht abgeben wollte.
Matthäus: „Olise unterhält uns vom Allerfeinsten“
13 Jahre später ist nicht davon auszugehen, dass Real Madrid wieder einmal seinen Willen bekommt – sollte es sich beim von Pérez angekündigten 150-Millionen-Euro-Ziel um Olise handeln.
„Uli Hoeneß hat es ganz klar gesagt: ‚Die können noch so viel Geld bezahlen, wir lassen ihn nicht gehen'“, hatte Lothar Matthäus am Montag auf einem Topps-Event in München gesagt.
„Der FC Bayern war nie jemand, der nur auf das Geldkonto geschaut hat. Es geht hier um sportlichen Wert und Unterhaltungswert. Michael Olise unterhält uns vom Allerfeinsten. Seine Art, Fußball zu spielen, ist etwas, wofür man ins Stadion geht. Deswegen glaube ich nicht, dass – egal, welches Geld angeboten wird – Michael Olise den FC Bayern verlässt.“
Bayern verhinderte einst einen Ribéry-Wechsel zu Real
Schon 2009 bewiesen die Verantwortlichen des FC Bayern, dass sie einen Starabgang aus München nach Madrid verhindern können – selbst wenn der Spieler mit einem Wechsel zu Real geliebäugelt hatte. „Vor ein paar Jahren wollte Real Madrid Franck Ribéry verpflichten. Den hat Bayern aber nicht abgegeben. Einen Spieler um jeden Preis zu bekommen, das schafft Real auch nicht immer“, erinnerte Gutierrez.
„Es wird Real sein – oder gar nichts“, hatte Ribéry damals in einem Interview mit der L’Équipe gesagt. Der Franzose wollte nach Madrid, die Königlichen hatten schon ein Rekordangebot für den Offensivspieler vorbereitet. Zu einem Wechsel in die spanische Hauptstadt ist es nie gekommen – weil der FC Bayern hart blieb.
Olise bei Real? Sportlich würde es passen
Aus sportlicher Sicht würde es kaum überraschen, sollte sich Real Madrid mit einer Verpflichtung von Olise beschäftigen. Klar ist: Der 24-Jährige könnte bestens in das sportliche Gefüge der Madrilenen passen. Nach einer herausragenden Saison würde der Franzose auch die in Madrid so geschätzte Strahlkraft eines Superstars mitbringen.
Ebenfalls interessant: Bei Real spielen mit Kylian Mbappé, Aurélien Tchouaméni, Eduardo Camavinga und auch mit hoher Wahrscheinlichkeit zeitnah Ibrahima Konaté einige französische Landsmänner und Freunde des Bayern-Stars.
Übrigens: Dass sich die Königlichen in München bedienen, hat großen Seltenheitswert. In den letzten 20 Jahren ist es genau einmal vorgekommen, Toni Kroos wurde für 25 Millionen Euro verpflichtet.
Dazu kommen David Alaba und Hamit Altintop, die sich aber beide nach Ablauf ihrer Verträge in Richtung Real verabschiedeten. Olise ist noch bis 2029 an die Bayern gebunden, eine Ausstiegsklausel hat er nicht.