So einen Fehlstart musste der alpine Skiweltcup wohl noch nie hinnehmen! Bei den Männern mussten sieben von neun Rennen bislang abgesagt werden. Zuletzt erwischte es den Slalom-Wettbewerb in Val d‘Isère.
Diesmal hat den Pistencracks aber nicht das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, sondern die Verantwortlichen selbst – zumindest, wenn man den Betroffenen glauben darf. In der Nacht vor dem Rennen hat Regen und Schnellfall eingesetzt. „Leider sind sie dann mit den schweren Maschinen auf die Strecke gefahren. Das hat die Piste zerstört“, wird ÖSV-Cheftrainer Marko Pfeifer von der österreichischen Krone zitiert.
Der entscheidende Fehler sei aber bereits in der Vorbereitung auf das Rennwochenende gemacht worden, kritisierte der Kärntner weiter. „Wenn man früh genug eine gute Grundpräparation mit einem 20-Zentimeter-Eisstock hat, dann sollte diese Absage nicht passieren.“
„Eklatante Fehler!“ Heftiger Vorwurf von Olympiasieger
Auch aus Athletensicht hat sich das Organisationskomitee nicht mit Ruhm bekleckert. „Das war keine gute Idee“, positionierte sich der zweimalige Gesamtweltcupsieger Henrik Kristoffersen eindeutig.
Noch deutlichere Worte fand Slalom-Ass Daniel Yule im Schweizer Blick: „Ich bin mir sicher, dass man dieses Rennen hätte retten können, wenn man bei der Präparation der Strecke nicht eklatante Fehler begangen hätte.“ Der 30-Jährige, der 2018 Olympiasieger und ein Jahr später Weltmeister mit der Mannschaft wurde, bekommt dabei Unterstützung von Head-Rennleiter Rainer Salzgeber. „In den Zeiten, als der Adelbodner Pisten-Zauberer Hans Pieren bei der FIS Rennleiter für die technischen Rennen war, hätte dieser Slalom nicht abgesagt werden müssen.“
Brisanter Verdacht! FIS streitet nicht ab
Vielleicht kommt der FIS die Absage des Slaloms in Val d‘Isère aber gar nicht so ungelegen. Diese brisante Überlegung brachte Yule ins Gespräch. Angesichts von fünf abgesagten Speedrennen, von denen wohl lediglich zwei einen Ersatztermin finden werden, „dürften sie (die FIS, Anm. d. Red.) nichts dagegen haben, dass man jetzt auch einen Slalom streichen kann, damit im Kampf um den Gesamtweltcup ein Gleichgewicht zwischen den Speed- und Technik-Spezialisten hergestellt wird“.
Durch eine vermeintliche Reaktion des FIS-Renndirektors Markus Waldner sieht sich Yule in seiner Meinung bestätigt. „Markus hat unmittelbar nach der Absage gelacht und gesagt, dass es ja auch so genügend Slaloms im Weltcup-Kalender geben würde.“
- Alles zum Ski-Weltcup
- Ski alpin – Rennkalender
- Ski alpin – Weltcupstände
- Ski alpin – Ergebnisse
- Ski alpin – LIVE
Überraschend: Auf Nachfrage des Blick wollte Waldner Yules Verdacht nicht abstreiten. Lediglich gegen den Vorwurf, die Piste sei durch die Streckenarbeiter zerstört worden, wehrte sich der Brixener. „Weil es am Samstag zuerst geregnet und danach geschneit hat, war die Piste bereits zerstört, bevor wir die Maschinen eingesetzt haben.“
Voller Rennkalender wartet
Sei es wie es sei, am Ende des Tages ist nur eines sicher: Nach dem Rennwochenende in Val d‘Isère stehen 17 Rennen in Abfahrt und Super-G noch 21 Wettbewerbe in den technischen Disziplinen Riesenslalom und Slalom gegenüber. Aktuell sieht es so aus, dass zwei Speedrennen nachgeholt werden können, womit sich die Lücke zumindest etwas verkleinert.
Nun gilt die ganze Konzentration jedoch den nächsten Rennen – und da wartet ein geballtes Programm. Vom 14. bis zum 18. Dezember sind fünf Events geplant: je zwei Abfahrten und Riesenslaloms sowie ein Slalom. Bleibt zu hoffen, dass dann weder Wetter noch Pistenraupen erneut für eine Absage sorgen.