Alexander Zverev hat es geschafft: Der 29-Jährige steht im Wimbledon-Finale und wird am Sonntag auf Jannik Sinner treffen. Im Halbfinale setzte sich der Deutsche gegen Arthur Fery mit 7:6, 6:2, 6:4. Nach seinem Triumph bei den French Open im Juni hat Zverev die Möglichkeit, seinen zweiten Grand-Slam-Titel zu gewinnen.
„Es ist toll. Das war der Grand Slam, mit dem ich die meisten Probleme hatte, und jetzt stehe ich hier im Finale. Ich kann es kaum glauben. Wir haben noch ein Spiel am Sonntag, darauf liegt jetzt der Fokus“, sagte der Deutsche überglücklich nach seinem Erfolg im Court-Interview.
Zverev: „Ich habe jede Sekunde genossen“
Er fügte hinzu: „Ich glaube, meine Leistung war ganz okay (lacht). Arthur ist ein unglaublicher Spieler. Er hat schon tolle Dinge für den Sport getan. Ich weiß, dass 99 Prozent der Zuschauer wollten, dass Arthur gewinnt, aber es war die ganze Zeit fair und ich habe jede Sekunde genossen. Es können sich viele Crowds davon eine Scheibe von abschneiden.“
Mit Blick auf Sonntag meinte Zverev: „Ich weiß, dass es nicht einfach wird, aber ich muss an meine Stärken glauben und mein bestes Tennis spielen.“
Der Blick geht sofort aufs Wimbledon-Finale
Danach äußerte sich der 29-Jährige auch bei Amazon Prime zu seinem Finaleinzug. Darauf angesprochen, was er vor einem Jahr geantwortet hätte, wenn man ihm erzählt hätte, dass er die French Open gewinnt und danach im Wimbledon-Finale steht, antwortete er ungläubig: „Ich hätte gefragt, wie viel ich dir dafür zahlen soll.“
Er ergänzte: „Es sind super zwei Monate für mich, aber ein Match liegt noch vor mir und das ist das Wichtigste. Gegen einen Engländer im Halbfinale von Wimbledon zu spielen, bin ich gut mit zurechtgekommen, vor allem nach dem ersten Satz. Danach lief das Spiel auch einfacher.“
Letzte deutsche Wimbledon-Siegerin Kerber 2018
In Wimbledon ist er der erste deutsche Spieler im Männer-Einzel seit Boris Becker vor 31 Jahren, der in das Endspiel einzog. Er kann sich zum ersten männlichen Sieger beim Rasenklassiker seit Michael Stich 1991 krönen, bei den Frauen hatte die Kielerin Angelique Kerber 2018 triumphiert.
„Das war eine sehr souveräne Leistung, das haben wir uns erwartet. Er ist seiner Favoritenrolle gerecht geworden. Ab dem Tiebreak war das Thema eigentlich durch. Er hat das Selbstverständnis entwickelt. Danach war das absolut souverän. Es war eine super Leistung“, sagte Stich bei Prime.
Expertin Barbara Schett meinte zudem: „Es ist unglaublich, wie er sich aus dem Loch gespielt hat, denn er hatte keine Freude mehr. Er hat aber einen Weg gefunden. Zwölf Monate sind eine lange Zeit. Jetzt steht er da, wo er steht. Das hat er sich verdient.“
Wimbledon: Wildcard-Wunder von Fery endet
Zverev war nach seinem Befreiungsschlag in Roland Garros mit einem neuen Selbstvertrauen nach Wimbledon gereist, wo er zuvor immer große Probleme gehabt hatte. Mit einem Sieg gegen Sinner oder Djokovic wäre er nun der 14. Spieler in der langen Tennisgeschichte, dem der Titel-Doppelpack innerhalb weniger Wochen bei den French Open und in Wimbledon gelingen würde.
Für das Wildcard-Wunder Fery endete derweil sein magisches Heimspiel kurz vor dem Finale, der Traum vom ersten britischen Sieger nach Andy Murray vor zehn Jahren ist geplatzt.
Fußballstar sieht Zverevs Finaleinzug
Natürlich wisse er, „dass 99 Prozent der Zuschauer ihn anfeuern werden“, hatte Zverev mit Blick auf seinen Gegner gesagt. Dennoch freute er sich auf sein Auswärtsspiel auf dem heiligsten aller Tennisplätze: „Ich genieße solche Atmosphären auch. Ich mag es, wenn die Energie richtig hoch ist.“
Um 13.30 Uhr Ortszeit betraten Fery und Zverev vor den Augen des niederländischen Fußballstars Virgil van Dijk den „heiligen Rasen“ – und erstmals brandete lauter Jubel für den neuen britischen Nationalhelden auf.
Zverev spielt überragenden Tiebreak
Zu Beginn musste Zverev schwer arbeiten, erst nach fünf Minuten gewann er das erste Spiel. Fery startete dagegen furios, sein erstes Aufschlagspiel gewann er zu Null. Nach einem schnellen Break von Zverev wirkte der furchtlose Brite kurz frustriert, doch dann brachte er mit einem grandiosen Volley entlang des Netzes und dem direkten Rebreak den Centre Court zum Beben.
Zverev versuchte immer wieder, seinen Kraftvorteil einzusetzen und so den flinken Fery zu überrumpeln. Im ersten Satz schlug er sieben Asse. Die Entscheidung fiel aber erst im Tiebreak, in dem Fery Nerven zeigte und Zverev sich mit 7:0 durchsetzte. Dies ist ihm bereits bei seinem Auftaktmatch gegen Alexander Blockx gelungen.
Mit der Führung im Rücken drehte Zverev auf. Fery haderte nun, seine Gegenwehr war gebrochen. Der Favorit stürmte durch den zweiten Satz – und sorgte dann humorlos für das Ende des „Fery-Tales“.
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—– Mit Sport-Informations-Dienst (SID)