Schon seit Jahren will der Verein aus der Hauptstadt von Niedersachsen mit aller Macht zurück in die Bundesliga. Wie gut stehen die Chancen in dieser Saison nach einem makellosen Start mit vier Siegen aus vier Spielen?

Wie nachhaltig ist der Saisonstart von Hannover 96? Indikatoren für eine solche Einschätzung sollten nicht nur die Resultate der ersten Begegnungen sein. Wichtiger ist, ob die Faktoren für den perfekten Auftakt in die neue Zweitliga-Spielzeit reproduzierbar sind. Wir gehen mit der Spielweise von H96 unter Christian Titz in die Zweitliga-Werkstatt und nehmen sie einer Inspektion vor.

Ein guter Zeitpunkt

Christian Titz hat als Trainer des 1. FC Magdeburg einen großen Erfahrungsschatz im deutschen Unterhaus gesammelt und seine favorisierte Spielweise Jahr für Jahr auf die Probe gestellt. Diese wendet er nun bei einem Klub mit mehr Möglichkeiten und einem brandneuen Kader (15 Neuzugänge) an. Die klaren Favoriten wie der HSV oder Köln fehlen, und ambitionierte Teams wie die Hertha (17.), oder die beiden Absteiger aus Bochum (16.) und Kiel (14.) sind schlecht gestartet. Laut Vbet geht Hannover auch am fünften Spieltag mit einer Siegquote von 1.83 in die Paarung gegen die Alten Dame.

Eine erste Bestandsaufnahme

Die erste Probefahrt auf der Autobahn BL2 hat die Anhänger der Niedersachsen verzückt. Als einzige Mannschaft hat H96 nach vier Spieltagen die volle Punkteausbeute geholt. Überholmanöver auf dem Spielfeld hingen nicht vom Glück ab, sondern wurden mit Weitsicht vorbereitet. Wie erwartet, tritt die Titz-Elf im 3-4-3 System an. Überraschend reibungslos ist die Installation des neuen Betriebssystems “Ballbesitzfußball” gelungen. Hannover holte bis jetzt die meisten erwartbaren Punkte (7,8), erzielte die meisten erwartbaren Tore (8,7 xG) und zählt im Vergleich der erwartbaren Gegentore zu den Top-3 (3,9 xGA).

Die Hauptuntersuchung

Wiederkehrende Positionsrochaden werten die geduldige Ballzirkulation des Tabellenführers auf. Auf dem Feld werden gefährliche Räume gezielt freigespielt und konsequent attackiert. Hannover berührte das Leder im gegnerischen Sechzehner schon 109 Mal – der dritthöchste Wert unter allen Zweitligisten. Abschlüsse von außerhalb des Strafraums gab es bisher kaum (32), was in Teilen den besten xG-Wert erklärt (8,7 xG). Chancen aus dem Spiel hat es haufenweise gegeben.

Standards dienen als Schlagschrauber in kniffligen Begegnungen. Schon jetzt hat H96 vier Tore nach ruhenden Bällen erzielt (nur Bielefeld mehr (6)) und als einzige Mannschaft nach Ecke, Freistoß und vom Elfmeterpunkt getroffen.

Abgesichert wird das riskante Offensivspiel mit einer sofort greifenden Handbremse – dem (Gegen-)pressing. Hannover sammelte bis jetzt 5,0 Balleroberungen im letzten Drittel (3.) und erlaubte nur 8,69 Pässe pro Defensivaktion (3.). Greifen diese Mechanismen in manchen Momenten zu spät, ist eine Vollbremsung möglich. Die Niedersachsen begehen die zweitmeisten Fouls pro Spiel (16,5).

Für Fehler ist im Bordcomputer ein mehrstufiges Sicherheitskonzept gespeichert, das auf hoher Einsatzbereitschaft basiert. Bis jetzt hat der aktuelle Tabellenführer die meisten Sprints im deutschen Unterhaus absolviert (703) und die drittmeisten intensiven Läufe zurückgelegt (2774). Die Abwehr steht und hat ligaweit die wenigsten gegnerischen Schüsse auf das eigene Tor zugelassen (10). Grund genug für die besten Wettanbieter, den Tabellenführer zu den Mitfavoriten zu zählen.

TÜV bestanden

Hannover 96 ist in der Lage, bis zum Ende der Saison um den Aufstieg zu spielen. Der Spielstil ist klar erkennbar, saubere Abläufe sowie Mechanismen in beide Richtungen etabliert und der Kader im Durchschnitt nur 24,5 Jahre alt. Läuferisch sollte dieses Team keine Probleme bekommen und spielerisch sind Titz-Teams in der Regel über jeden Zweifel erhaben.