Konstantinos Karetsas hat seine erste Chance, sich den BVB-Fans zu präsentieren, eindrucksvoll genutzt. Im Testspiel-Kracher zwischen Borussia Dortmund und dem FC Arsenal (3:2) stand der 18-jährige Grieche erstmals in der Startelf – und machte direkt auf sich aufmerksam.
Das in ihn gesetzte Vertrauen zahlte Karetsas prompt zurück. In der 29. Spielminute bekam der Offensivspieler auf der rechten Seite des Strafraums zu viel Platz, zog nach innen und schlenzte den Ball ins lange Eck zum zwischenzeitlichen 2:0. Ein Debüt nach Maß.
Im SPORT1-Gespräch spricht sein ehemaliger Trainer Thorsten Fink, unter dem Karetsas bei KRC Genk spielte, über den gelungenen Einstand und verrät, was der BVB von seinem Neuzugang erwarten darf.
Fink schwärmt von BVB-Neuzugang Karetsas: „Eine Zaubermaus“
SPORT1: Konstantinos Karetsas durfte am Sonntag sein Debüt im Testspiel zwischen dem BVB und dem FC Arsenal geben. Wie war Ihr Eindruck von ihm auf dem Platz?
Thorsten Fink: Ich habe nur das Tor gesehen, aber es war eine typische Szene von Karetsas: nach innen gehen, den Ball in die lange Ecke schlenzen. Das hat er im Europapokal im letzten Jahr auch schon gemacht. Da hat er genau dasselbe Tor geschossen. Er ist sicherlich ein guter Spieler, der gute technische Anlagen hat, dribbelstark ist und einen guten letzten Pass spielen kann. Eine Zaubermaus, ein typischer Zehner, der sicherlich auch rechts spielen kann – je nach System des Trainers. Er braucht aber auch seine Freiheit, denn nur dann kann er sich richtig entfalten.
SPORT1: Was zeichnet ihn fußballerisch aus und was macht ihn für den BVB so interessant?
Fink: Er ist sicherlich ein Typ, der für den Ballbesitzfußball gemacht ist. In einer Ballbesitzmannschaft kann er sehr stark sein, weil er den letzten Ball spielen kann, weil er abschlussstark, dribbelstark und kreativ ist. Das sind seine Stärken. Defensiv muss er sicherlich noch dazulernen, das ist auch klar. Er war jetzt etwa anderthalb Jahre unter meinen Fittichen und hat dort sicherlich den ein oder anderen Schritt getan. Sein großer Förderer war Michel Ribeiro, der einen großen Anteil an seiner Entwicklung hatte und mit dem er noch stark in Kontakt steht.
SPORT1: Sie haben schon angesprochen, dass Sie ihn als Trainer auch begleiten durften. Welche persönlichen Stärken bringt er mit und inwiefern beeinflusst seine persönliche Art das Spiel?
Fink: Er ist ein Straßenfußballer, der Freude am Fußball hat. Und wenn er diese Freude ausleben kann, dann kann er sicherlich viele Dinge machen. Er ist kreativ und man muss ihm seine Freiheiten geben. Sich in ein so starkes Konzept oder System einzubringen, muss er sicherlich noch lernen. Aber ich denke, er ist noch sehr jung und der BVB hat sicherlich seine Ideen und seine Gedanken. Er kann natürlich große Freude bereiten, aber sicherlich muss er noch ein bisschen geschliffen werden.
„Er kann mit guten Tricks die Zuschauer begeistern“
SPORT1: Sie haben diese Freiheit angesprochen, die er auf dem Platz braucht. Glauben Sie, dass Trainer Niko Kovac und der BVB ihm diese Freiheiten auch zugestehen werden?
Fink: Ja, ich meine, man hat ihn ja sicherlich lang genug beobachtet. Und da wird man sich sicherlich seine Gedanken gemacht haben. Aber der Spieler wird sich sicherlich auch verbessern müssen, das ist natürlich klar. Er ist noch ein junger Spieler, der noch nicht alles weiß und kann. Das ist ja auch normal. Er hat die Topanlagen, um ein Topspieler zu werden, in der Liga und auch beim BVB. Er könnte ein wichtiger Spieler werden, um den Offensivbereich erstmal mit Pässen zu füttern, aber er kann auch mit einigen guten Tricks die Zuschauer begeistern. Er kommt aus einem Viertel, das ein Arbeiterviertel ist. Genk ist ja auch eine Zechensiedlung gewesen und von daher kann das gut zu den Fans in Dortmund passen. Aber sicherlich muss er auch fighten, um die Leute zu begeistern, weil man in Dortmund nicht nur zaubern kann, sondern auch gegen den Ball gut arbeiten muss.
SPORT1: Wo sehen Sie noch das größte Entwicklungspotenzial. Inwiefern kann das Alter auch eine Herausforderung werden?
Fink: Erstmal braucht er mehr Erfahrung. Mit der Erfahrung lernt man, im richtigen Moment den richtigen Pass zu spielen. Da geht’s darum: Führe ich 1:0, liege ich 0:1 hinten – was wird jetzt in dieser Situation gebraucht? Es geht um Zeitmanagement. Ich glaube, das sind Dinge, die er als junger Spieler noch lernen kann. In der Jugend passiert es häufig, dass Mannschaften 3:0 führen und dann innerhalb von zehn Minuten dreimal in einen Konter laufen. Das darf natürlich nicht passieren. Ich denke, dass er daran noch arbeiten kann. Fußballerisch ist er schon sehr gut. Aber in Sachen: wann spiele ich welchen Pass, wann nehme ich das Risiko auf mich und wann muss ich einfach spielen – da kann er sich sicher noch verbessern.
„Er muss geduldig bleiben“
SPORT1: Die neue Bundesliga-Saison steht kurz bevor. Der Start gestern sah schon recht vielversprechend aus. Was kann der BVB in dieser Saison von ihm erwarten?
Fink: Man wird ihn sicherlich behutsam und langsam aufbauen und nicht gleich ins kalte Wasser schmeißen. Man muss schon schauen, dass man dem Jungen auch noch hilft. Der ist ja noch nicht komplett, das kann er ja nicht sein. Das muss der Verein wissen und man darf ihm da auch keinen Druck machen. Man sollte ihn behutsam aufbauen. Der Konkurrenzkampf läuft und wenn er besser ist als sein Konkurrent, dann soll er auch spielen. So ist das nun mal im Fußball. Schauen wir, wie er sich entwickelt. Ich freue mich darauf, das zu sehen.
SPORT1: Was würden Sie ihm für den nächsten Schritt, der jetzt beim BVB auf ihn wartet, mit auf den Weg geben?
Fink: Dass er geduldig bleiben muss. Das ist ganz klar. Weil er dort große Konkurrenz hat. Dort ist man nicht der große Star, sondern das muss man sich alles wieder neu erarbeiten. In Dortmund ist der Druck größer und damit muss er am Ende umgehen können.