Viel spektakulärer hätte die Tour de France 2026 wohl kaum sein können. Fast alle Etappen glichen einem unglaublichen Spektakel, dazu knackten die Fahrer zahlreiche Rekorde und mit Dominator Tadej Pogacar gab es einen unglaublich dominanten Sieger, der gleichzeitig durch Menschlichkeit auffiel.

Auch Radsport-Legende Jan Ullrich zeigt sich in seinem Podcast „Ulle & Rick“ mehr als angetan – und bekundete dabei auch spannende Ansichten über den Wandel des Radsports seit seiner aktiven Zeit zum Besten. Unter anderem vertrat Ullrich die Meinung, dass auch er unter den heutigen Voraussetzungen viel schneller wäre als damals – auch ohne Doping.

Jan Ullrich und Freundin Elizabeth Napoles bei der Sportler-des-Jahres-Gala 2025
Jan Ullrich und Freundin Elizabeth Napoles bei der Sportler-des-Jahres-Gala 2025Jan Ullrich und Freundin Elizabeth Napoles bei der Sportler-des-Jahres-Gala 2025© IMAGO/Eibner

Ullrich über Pogacar: „Die beste Leistung in der Tour de France“

„Diese Tour war eine Superlativ-Tour“, bilanzierte Ullrich. Sein Podcast-Kollege Rick Zabel huldigte speziell Pogacar: „Ich glaube, er hätte acht Etappen gewinnen können.“

Besonders beeindruckt zeigten sich die beiden von der Rekordfahrt hoch zum Tour-Mekka Alpe-d’Huez. Hier knackte der Slowene den Uralt-Rekord von Ullrichs tragisch früh verstorbenem Ex-Rivalen Marco Pantani (37:35 Minuten) deutlich (35:27 Minuten).

„Da hat er mal gezeigt, was er wirklich drauf hat. Das war die beste Leistung in der Tour de France“, bilanzierte Ullrich: „Er fährt einfach los und fährt bis oben Vollgas und das ist, was Pogacar kann.“

Pogacar für Ullrich der Rad-GOAT

Der Tour de France Sieger von 1997 glaubt, dass Pogacar sogar noch Luft nach oben hat: „Der könnte auch die Tour de France mit zehn Minuten Vorsprung vorm Zweiten gewinnen, wenn er das wollen würde.“

Deshalb ist Pogacar für Ullrich auch der beste Radfahrer aller Zeiten: „Die Experten sind sich einig. Tadej Pogacar hat den Radsport verändert und ist der Beste aller Zeiten. Das ist auch meine Meinung.“

Er sei froh, dass er nicht in ein direktes Duell mit dem Slowenen gehen müsse. „So ein moderner Tadej Pogacar hätte uns alle damals, Pantani, Armstrong und mich in der Pfeife geraucht“, sagte Ullrich deutlich.

Tadej Pogacar dominierte die Tour de France
Tadej Pogacar dominierte die Tour de FranceTadej Pogacar dominierte die Tour de France© IMAGO/Belga

Ullrich scherzt: „Frage mich, warum wir nicht auf die Idee gekommen sind“

Speziell im letzten Jahrzehnt habe sich der Radsport extrem entwickelt. Dinge, die heute selbstverständlich erscheinen, seien zu seiner aktiven Zeit undenkbar gewesen.

„Ich frage mich, warum sind wir früher nicht auf die Idee gekommen, Eiswürfel im Trikot zu tragen, um uns herunterzukühlen?“, sagte Ullrich fast fassungslos: „Zudem bin ich ein Drittel meiner Jahreskilometer sinnlos gefahren. Die hätte ich mir auch sparen können.“

Heute würden die Teams und Fahrer jede Kleinigkeit optimieren. Sei es die Kühlung während der Etappe, die Richtige Ernährung oder eben die richtige Regeneration. Zu seiner aktiven Zeit sei viel nach Gefühl trainiert wurde. Aktuell sei jede Einheit datenbasiert. Dies führe dazu, dass die Fahrer deutlich mehr Leistung aus derselben Begabung erreichen könnten.

Auch deshalb glaubt Ullrich, dass er in der heutigen Zeit durchaus hätte mithalten können: „Ich bin mir sicher, dass ich in der heutigen Zeit viel, viel besser hätte sein können als damals. Die Version von früher hätte ungedopt auf alle Fälle viel, viel besser sein können mit den Maßnahmen von heute.“

Ullrich hatte 2023 spät eingeräumt, von 1996 bis 2006 gedopt zu haben – wie erwiesenermaßen damals flächendeckend üblich. Nach einem CAS-Urteil im Jahr 2012 waren ihm alle Erfolge ab 2005 aberkannt worden, der Tour-Sieg 1997 blieb davon aufgrund der Verjährungsfrist unberührt. Rivale Armstrong wurden dagegen nach der Aufdeckung seines systemischen Dopings alle sieben Tour-Siege aberkannt.

„Das war eines der besten Tour-de-France-Finishes aller Zeiten“

Lobende Worte verloren Ullrich und Zabel auch über die letzte Etappe, die Zabel in Paris vor Ort miterlebte.

„Das war gestern der geilste Moment, den ich je als Radsportfan erlebt habe. Ich muss wirklich sagen, was da auf diesen 500 Metern los war, das war der absolute Wahnsinn“, berichtete der Sohn von Ullrichs früherem Teamkollegen Erik Zabel: „Das war ein Geräuschpegel, als die vorbeigefahren sind. Ich hab wirklich Gänsehaut bekommen. Das war eines der besten Tour-de-France-Finishes aller Zeiten.“

Ähnlich erlebte es auch Ullrich, wenn auch von daheim: „Man konnte es nicht spannender machen. Ich habe auf der Couch geschrien. Man hätte das Drehbuch nicht besser schreiben können. Dieses Finale hat genau zu dieser Superlativ-Tour de France gepasst.“