Die zwölfte Etappe der Tour de France endete nicht nur mit dem dritten Sieg von Tim Merlier, sondern auch mit dem ersten heftigen Massensturz. Fernando Gaviria geriet mit seinem Vorderrad an das Hinterrad seines Konkurrenten und kam zu Fall, woraufhin andere Fahrer nicht mehr ausweichen konnten und ebenfalls teils übel stürzten.

Der für mehrere Athleten folgenschwere Crash bei fast 70 km/h hat auch dem deutschen Ex-Rad-Star Jan Ullrich zugesetzt. „Wenn ich ehrlich bin, es ist total traurig. Ich musste mich wegdrehen, weil ich diese Stürze im Fernsehen nicht sehen kann. Damals konnte ich das besser verkraften als jetzt live im Fernsehen“, erklärte er im Podcast Ulle& Rick.

Die zwölfte Tour-Etappe endete mit einem Massensturz
Die zwölfte Tour-Etappe endete mit einem MassensturzDie zwölfte Tour-Etappe endete mit einem Massensturz© IMAGO/Belga

Ullrich: „Habe nur darauf gewartet“

Überrascht ist der 52-Jährige von Szenen wie diesen jedoch nicht. „Das geht wirklich so schnell. Es geht um Millimeter. Man ist eng an eng, fährt auch mal die Ellenbogen aus, stößt mal einen weg, aber alles noch im Fairness-Bereich“, beschrieb er die ruppige Gangart, die bei Massensprints üblich ist.

„Heute kam es zum Massensturz und ich habe eigentlich – so hart wie es klingt – nur darauf gewartet. Wir haben bei den großen Rundfahrten immer mindestens einmal auf der Zielgeraden so einen Sturz“, führte er aus.

Zabel erklärt Massensturz: „Da ist ja nur Chaos“

Während Ullrich während seiner aktiven Zeit meist aus der gefährlichen Zone bei Sprintankünften raushalten konnte, steckte Podcast-Partner Rick Zabel als ehemaliger Sprinter und Sprint-Anfahrer meist mittendrin.

„Gerade bei Position 10 bis 20 beginnt diese Bubble. Da ist ja nur noch Chaos. Das ist so die Sturzzone“, verdeutlichte er mit dem Vermerk, dass in diesem Bereich viele Athleten die Fahrseite wechseln sowie plötzlich Tempo auf- oder rausnehmen. Genau in diesem Bereich des Feldes kam es auch zum Sturz.

„Wenn man sich das in der Slomotion anschaut, denkt man manchmal, da hätte man reagieren können. Ich kann euch aber sagen, wenn ihr mit 65-70 km/h ins Ziel jagt…“, verdeutlichte er die fehlende Reaktionszeit, ohne seinen Satz zu beenden.

Jan Ullrich und Rick Zabel betreiben einen gemeinsamen Podcast
Jan Ullrich und Rick Zabel betreiben einen gemeinsamen PodcastJan Ullrich und Rick Zabel betreiben einen gemeinsamen Podcast© IMAGO/BREUEL-BILD

Besonders unglücklich war bei dem besagten Massensturz, dass Soeren Wærenskjold so stürzte, dass er als eine Art Blockade fungierte.

„Der Mann ist riesengroß, der lag wie eine Bahnschranke und hat die halbe Straßenbreite eingenommen. Dann sind noch zwei Leute drüber gestürzt, haben einen Salto gemacht. Das sieht man nicht gerne, da bin ich bei dir. Mir fällt das auch immer schwerer da hinzusehen“, führte Zabel schaudernd aus.

Ackermann: „Ich zittere jetzt noch“

Unmittelbar nach der Etappe hatte sich bereits Pascal Ackermann am ARD-Mikrofon schockiert gezeigt. „Der Sturz war direkt neben mir. Ich zittere jetzt noch, weil ich gerade noch so durchgekommen bin“, so der 32 Jahre alte Sprinter aus Deutschland.

Bereits vor dem Start der 13. Etappe wurde bekannt, dass Sturz-Auslöser Fernando Gaviria und der ebenfalls gestürzte Janno Berckmoes aussteigen mussten. Beide erlitten einen Schlüsselbeinbruch.