Mathieu van der Poel hat die neunte Etappe der Tour de France mit einem Sprint aus der Ausreißergruppe gewonnen – und dem Rennen in Ussel endlich seinen „anderen“ Star-Moment gegeben. Der 31-Jährige setzte sich nach einer von extremer Hitze geprägten, verkürzten Tagesprüfung gegen Tobias Halland Johannessen, Tom Pidcock und Alex Baudin durch. Der erste Ruhetag am Montag wird im Peloton entsprechend als Erlösung empfunden.

Entscheidend wurde es an der letzten ernsthaften Rampe: Am Mont Bessou (24 km vor dem Ziel) zog van der Poel an – und nur Johannessen, Pidcock und Baudin konnten folgen. Das Quartett rettete sich mit knappem Vorsprung vor dem Hauptfeld. Auf dem ansteigenden Schlusskilometer war Van der Poel dann der explosivste Mann – Tadej Pogacar verteidigte das Maillot Jaune.

Van der Poels ambivalente Beziehung zur Tour

Bis zu diesem Sonntag hatte van der Poel diese Frankreich-Rundfahrt eher wie auf Standby bestritten: seit dem Start in Barcelona oft unauffällig, in Sprints mehrfach ohne das passende Timing neben Jasper Philipsen. In Ussel drehte der Straßen-Weltmeister von 2023 das Momentum – nicht im direkten Duell mit Pogacar, aber als überfällige Alternative für eine Tour, die im Kampf um Gelb bislang vom Slowenen dominiert wird. Das passte zu seiner besonderen Tour-Statik: selten komplett präsent, aber nahezu unschlagbar, wenn er sich wirklich festbeißt.

Auch emotional traf der Tag einen Nerv – im Limousin, nahe der „frontière“ zwischen Corrèze und Haute-Vienne, also in der Region der Familie Poulidor. Van der Poel erinnerte an die Sommer seiner Kindheit – und daran, dass „Papy“ diesen Triumph nicht mehr miterleben kann. Schon 2021, als er in Mûr-de-Bretagne das Gelbe Trikot trug, schwang diese Familiengeschichte mit – in Ussel bekam sie ein neues, schweißgetränktes Kapitel.