Deutliche Worte von Phil Bauhaus nach der 12. Etappe der Tour de France: Der deutsche Sprinter von Bahrain Victorious äußerte sich ungewöhnlich offen über seine enttäuschenden Ergebnisse und stellte sogar seine Zukunft bei der Frankreich-Rundfahrt infrage.
Der Grund: Vor der Etappe hatte das Team entschieden, statt wie gewohnt auf Bauhaus zu setzen, im Falle eines Massensprints auf seinen Teamkollegen Vlad Van Mechelen zu setzen.
„Gestern Abend kam die Mannschaft auf mich zu und hat gefragt, oder mehr oder weniger festgelegt, dass wir auch aktiv fahren, auf eine Gruppe. Und wenn es dann zum Sprint kommt, dass wir Vlad dann eine Chance geben“, erklärte Bauhaus am Donnerstag.
Seine Aufgabe sei es gewesen, Teamkollege Lenny Martinez zu unterstützen und im Finale den Sprint für Van Mechelen vorzubereiten.
„Letzte spannende Etappe“: Bauhaus lässt aufhorchen
Für Bauhaus war das die nächste bittere Nachricht einer Tour de France, die für Sprinter möglicherweise keine weiteren Chancen bereithält.
„Ich glaube ganz ehrlich, dass das die letzte spannende Etappe war“, wurde Bauhaus deutlich. „Vielleicht war es auch die letzte spannende Etappe in meinem Leben bei der Tour. Ich habe in den letzten zwei Jahren nie etwas gewonnen. Meine Tour war dieses Jahr sehr enttäuschend, also ist es nicht garantiert, dass ich nochmal die Tour fahren werde.“
Der 32-Jährige konnte bislang nur beim Sprint in Bordeaux als Sechster von sich reden machen, ansonsten verpasste er vordere Platzierungen. Zwar habe er sich dieses Mal in den letzten 20 Kilometern gut positioniert und Van Mechelen sauber nach vorne gebracht, doch die Bilanz der bisherigen Sprints spreche gegen ihn, gab er selbst zu.
Harte Selbstkritik von Bauhaus
„Aus vier Sprints hatte ich jetzt einmal Top 10, die anderen Male war ich weit davon entfernt. Es ist nicht so, dass die Ergebnisse eine klare Sprache sprechen und man sagt: ‚An mir kommt man nächstes Jahr nicht vorbei‘“, sagte Bauhaus zu seiner Tour-Zukunft.
Woher die harte Selbstkritik komme? „Durch die Ergebnisse“, antwortete Bauhaus: „Am Ende ist Radsport ein Ergebnissport. Anhand der Ergebnisse kann man relativ leicht ablesen, wie gut oder schlecht man ist. Wenn ich von vier Sprints nur einmal unter die Top 10 fahre, dann ist es für mich zu wenig. Aber bis nächstes Jahr ist ja noch Zeit. Erstmal dieses Jahr, es ist gerade Etappe zwölf zu Ende. Bis nächstes Jahr ist es noch eine ganz lange Zeit.“
Gleichwohl steht fest: Eine Etappe bei einer der drei Grand Tours konnte Bauhaus bislang nicht gewinnen.
Bauhaus? „Das war jetzt fast ein bisschen herzzerreißend“
Eurosport-Experte Jens Voigt reagierte anschließend mit viel Mitgefühl auf die Aussagen von Bauhaus. „Das war jetzt fast ein bisschen herzzerreißend“, sagte der ehemalige Tour-Profi. Bauhaus habe seine Situation „ehrlich und völlig unvorbereitet“ eingeschätzt.
Voigt zeigte Verständnis für die Sorgen des Sprinters. Dessen Team könnte beispielsweise sagen: „Vielleicht nehmen die mich nächstes Jahr nicht mehr mit. Dann haben die vielleicht einen Bergfahrer und versuchen, mit einem Bergfahrer unter die Top 10 zu fahren. Dann brauchen die mich nicht mehr.“
Andererseits widersprach Voigt Bauhaus‘ Analyse nicht. „Vier Sprints, einmal Top 10 – für einen Sprinter reicht das nicht“, betonte er. Zugleich machte Voigt deutlich, wie sehr ihn die Aussagen berührten: „Ich bin echt ein bisschen ergriffen. Ich fühle seinen Schmerz und drücke ihm die Daumen, dass er bei dieser Tour noch einen guten Abschluss findet.“