Der nächste Tiefschlag im Monheim-Krimi setzte Fernando Carro und Simon Rolfes ordentlich zu. Das „wichtigste Zukunftsprojekt von Bayer 04 Leverkusen„, so Sportchef Rolfes, steht nach der erneuten Absage des Monheimer Stadtrats auf der Kippe.

Die Bosse sehen die Wettbewerbsfähigkeit des Double-Gewinners von 2024 ohne ein neues Leistungszentrum in der Kleinstadt am Rhein massiv gefährdet – und wollen deshalb nicht aufgeben. „Wir werden hartnäckig bleiben“, betonte Carro.

Simon Rolfes kämpft um das neues Nachwuchsleistungszentrum in Monheim
Simon Rolfes kämpft um das neues Nachwuchsleistungszentrum in MonheimSimon Rolfes kämpft um das neues Nachwuchsleistungszentrum in Monheim© IMAGO/anke waelischmiller

Das muss der Geschäftsführer des Bundesligisten zusammen mit allen Projektbeteiligten auch, sonst droht Bayer ab 2032 ein massives Infrastrukturproblem. Dann wird die an der BayArena vorbeiführende Autobahn 1 ausgebaut, Trainingsplätze müssen dafür weichen.

Zehneinhalb Spielfelder und ein hochmodernes Trainings- und Nachwuchszentrum sollen deshalb im 15 Autokilometer entfernten Monheim am Rhein entstehen.

Das Baugrundstück gehört der Bayer AG, der Klub würde alle Kosten übernehmen – doch der kleine Rat der 43.000-Einwohner-Stadt erteilte den bereits angepassten Plänen des Vereins und des weltweit agierenden DAX-Unternehmens eine Absage.

Bayer Leverkusen: Votum für Carro „große Enttäuschung“

In geheimer Abstimmung votierten die Mitglieder am Mittwoch mit 25:19 Stimmen (bei einer Enthaltung) gegen den Aufstellungsbeschluss. CDU, SPD und Grüne argumentierten mit Bedenken hinsichtlich der ökologischen Nachteile durch den Wegfall des regionalen Grünzugs und die damit verbundene Flächenversiegelung.

Carro bezeichnete das Votum als „große Enttäuschung“ und betonte: „Nach zehn Jahren Planung, zahlreichen geprüften Standorten und schmerzhaften Anpassungen unseres Konzepts hätten wir uns die Chance gewünscht, unser Projekt ab jetzt in einem geordneten Verfahren fachlich bewerten zu lassen.“

Laut Rolfes, der die Debatte im weißen Poloshirt im Ratssaal verfolgte, werde Bayer „den Dialog fortsetzen und weiter dafür werben, dass dieser Campus eine große Chance für Monheim, die Region und Bayer 04 ist“.

Bereits im November hatte der Stadtrat gegen die ursprünglichen Pläne für das Leistungszentrum gestimmt. Alternativen gibt es nicht. „Das ist bereits unser Plan C“, sagte Anne Dannenberg, Bayers geschäftsführende Projektleiterin.

Bayer Leverkusen hat nur noch einen Ausweg

Nun bleibt Bayer wohl nur noch eine Chance: Ein Bürgerentscheid. Dafür müssten im Vorhinein Unterschriften gegen den Ratsbeschluss gesammelt werden.

Wenn sieben Prozent der Monheimer unterschreiben, käme das von Bürgermeisterin Sonja Wienecke (parteilos) beworbene Bürgerbegehren ins Rollen und der Gemeinderat müsste sich damit befassen.

In einem späteren Quorum bräuchte es weitere Stimmen für den Campus. Die Bayer AG ist der größte Arbeitgeber der Stadt Monheim.

Was macht den Verantwortlichen Hoffnung? „Das knappe Ergebnis, aber auch die zwischenzeitliche, öffentliche Unterstützung zahlreicher lokaler Sportvereine, Unternehmen und Initiativen, bestärken uns auf unserem Weg und darin, dass viele Menschen unsere Argumente teilen“, sagte Rolfes.

Ob das für den Bau des wichtigen Zukunftsprojekts reicht, haben die Verantwortlichen nicht in der eigenen Hand.