Wenige Tage vor dem Start der Tour de France 2026 (4.–26. Juli) steht Remco Evenepoel im Zentrum einer ungewöhnlichen Regel-Debatte. Der Belgier vom Team Red Bull-BORA-hansgrohe soll laut belgischen Medien darüber nachdenken, die nationale Straßenmeisterschaft am 28. Juni auszulassen.

Für Profis aus Belgien ist genau diese Teilnahme verpflichtend – unabhängig davon, ob ihnen das flache Profil liegt oder nicht. Wenn Evenepoel ohne triftigen Grund fernbleibt, droht ihm eine Sperre, die ihn ausgerechnet zum Tour-Auftakt kaltstellen könnte.

Im Reglement von Belgian Cycling ist bei Nichtantritt eine neuntägige Suspendierung vorgesehen, den Renntag eingeschlossen. Damit wäre Evenepoel sechs Tage später beim Tour-Start gesperrt. „Es gibt keine Ausnahmen“, betonte Massimo Van Lancker, Sportdirektor des Verbandes, im Gespräch mit WielerFlits. Nur ein ärztliches Attest rechtfertige die Abwesenheit, dann entfalle die Sanktion.

Remco Evenepoel fährt seit dieser Saison für das Team Red Bull-BORA-hansgrohe
Remco Evenepoel fährt seit dieser Saison für das Team Red Bull-BORA-hansgrohe Remco Evenepoel fährt seit dieser Saison für das Team Red Bull-BORA-hansgrohe © IMAGO/Belga

Tour de France: Wie reagiert Evenepoel?

Die Startpflicht gilt dabei ausschließlich für das Straßenrennen, nicht jedoch für das Zeitfahren. Wer eine verhängte Sperre ignoriert, muss laut Verband zusätzlich mit einer Strafe in Höhe von 15 Euro, einer Sperre von 14 weiteren Tagen und der Rückzahlung möglicher Preisgelder rechnen.

Brisant: In Brasschaat ist ein flacher Kurs vorgesehen, was bei Zeitfahr- oder Rundfahrt-Spezialisten regelmäßig für Diskussionen sorgt. Auch Titelverteidiger Tim Wellens fehlt in der offiziellen Auswahl seines Teams.

Ein Blick zurück zeigt, dass es in der Praxis dennoch selten zu harten Konsequenzen kommt. So sagten Evenepoel (Halsschmerzen) und Wout van Aert (Knieprobleme) 2022 kurzfristig ab. 2025 meldete Van Aert eine Magen-Darm-Erkrankung für die Meisterschaft – und gewann wenig später sogar die Schlussetappe der Tour.

Van Lancker stellte klar, dass Belgian Cycling die Einschätzung eines Arztes nicht infrage stellt.