Dass der norwegische Ausnahmeläufer Johannes Hösflot Kläbo am Sonntag im Skiathlon die erste Langlauf-Goldmedaille dieser Olympischen Winterspiele gewann, überraschte kaum jemanden. Für die eigentliche Aufregung des Tages sorgte aber nicht etwa der Sieger – sondern eine Szene, die sich dahinter abspielte. Im Fokus: Mathis Desloges. Der Franzose, der am Ende Silber gewann.
Was war passiert? Desloges, Teil einer fünfköpfigen Spitzengruppe, verließ im Skating-Teil in einer Kurve kurzzeitig den markierten Streckenverlauf und nahm eine Abkürzung. Offenbar unbeabsichtigt: Der 23-Jährige bog an der falschen Stelle ab und bemerkte seinen Fehler erst, als seine Konkurrenten einen Korridor später korrekt einlenkten.
Olympia: Desloges holt trotz Regelverstoß Silber
„Nein, das darf er nicht“, rief Eurosport-Kommentator Marc Rohde live ins Mikrofon: „Das ist abgekürzt. Das ist jenseits des Sports! Oh Gott, oh Gott! Er hätte zurückgemusst! Das gibt jetzt die Riesendiskussion!“
Und genau die folgte. Denn Desloges sparte durch sein Manöver einige Meter – ein klarer Regelverstoß. Die Jury ahndete das allerdings lediglich mit einer Verwarnung, nicht mit der Disqualifikation, die einige erwartet hatten.
Sportlich musste sich Desloges am Ende dem überragenden Kläbo geschlagen geben, behauptete sich im Kampf um Silber aber knapp gegen den Norweger Martin Loewstroem Nyenget.
Bis zur Siegerehrung blieb die Lage jedoch angespannt. Die Jury beriet noch, Desloges’ Medaille stand auf der Kippe. Eine bemerkenswerte Randnotiz: Nyenget selbst zeigte Verständnis für die Entscheidung.
„Ich glaube nicht, dass er groß davon profitiert hat. Das ist okay“, sagte der Drittplatzierte später: „Es ist nicht meine Entscheidung, also denke ich nicht weiter darüber nach.“
Norwegens Experten wüten
Desloges selbst betonte: „Es war nur ein Fehler. Ich wollte keine Plätze gutmachen. Ich glaube nicht, dass es das Ergebnis beeinflusst hat. Ich möchte mich entschuldigen.“
Ganz anders der Ton im norwegischen Fernsehen. Dort wurde der Vorfall kontrovers diskutiert. „Das ist ganz klar ein Regelverstoß“, sagte TV-Experte Pal Golberg. „Er nimmt eine kürzere Strecke und müsste zurücklaufen, wenn er sich korrekt verhalten will.“
Kollege Fredrik Aukland wurde beim NRK noch deutlicher: „Das ist meiner Meinung nach völlig unglaublich, denn er war der Erste auf der Loipe und hat diese Spur selbst gewählt.“
Für Desloges blieb die Silbermedaille dennoch ein sportliches Märchen. Noch nie zuvor hatte der U23-Weltmeister von 2024 in einem Weltcup-Rennen das Podest erreicht. Bei der Siegerehrung flossen Tränen.