Winterspiele oder doch eher Windspiele?

Diese Frage stellen sich viele Athleten bei den Olympischen Spiele in Peking nach den ersten Wettkampftagen. Wenig Schnee – aber dafür enorme Kälte – bei gleichzeitig starkem Wind beeinflussen gleich mehrere Sportarten – und sorgen für Frust.

Die Abfahrer pokerten vergeblich, die Biathleten schimpften, und bei den Snowboardern machte sich sogar „Panik“ breit. (News: Alle aktuellen Infos zu Olympia 2022)

Biathlon: Wind greift enorm ins Geschehen ein

Beim Biathlon hingegen beeinflusste der Wind die Mixed-Staffeln beim Schießen enorm und Strafrunden waren trotz Nachlader an der Tagesordnung.

Den Athleten und Athletinnen hatten im Biathlon-Stadion Zhangjiakou am Samstag mit den wechselhaften Bedingungen am Schießstand enorm zu kämpfen.

Während die Windfahne einmal stramm im Wind stand, wehte sie beim nächsten Schießen kaum noch. „Irgendwann weiß man als Schütze nicht mehr, wohin man eigentlich schießt, ob du die Fehler rechts oder links schießt“, sagte Benedikt Doll im ARD.

Boe wird deutlich: „Ort nicht für Biathlon gemacht“

So waren die Schießzeiten bei der Mixed-Staffel teilweise bedeutend länger als üblich. Zeiten über einer Minute waren häufig zu sehen, was auch an der hohen Anzahl an Schießfehlern lag. Insgesamt leistete sich jede Nation, die ins Ziel kam, mindestens 11 Nachlader.

Die wechselnden Windbedingungen könnten in den Einzelwettbewerben zu einem noch größeren Problem werden. Schließlich werden die Athletinnen und Athleten dann zu unterschiedlichen Zeiten am Schießstand sein, sodass es zu einer Wind-Lotterie werden dürfte.

Norwegens Biathlon-Star Tarjei Bö wurde danach deutlich: „Dieser Ort ist nicht für Biathlon gemacht.“

Das gilt auch nicht für das Skispringen, ja nicht einmal für Snowboarden. Statt fairer Wettkämpfe gibt es chinesisches Roulette.

Skispringen: Katharina Althaus mit Windpech

Auch die Skisprung-Wettbewerbe, die per se auf den Wind angewiesen sind, sind bisher von den Windböen in China betroffen. Am Sonntag erwischte es die Männer bei einem vor allem im ersten Durchgang stark windbeeinflussten Springen.

Noch schlimmer war es am Samstag bei den Frauen, als Katharina Althaus bei ihrem möglichen Gold-Sprung großes Pech mit den Windbedingungen hatte. Ein im Vergleich zu ihren slowenischen Konkurrentinnen klar schlechterer Wind zerstörte ihren Traum vom Olympiasieg.

Danach hagelte es Kritik von Sven Hannawald am Wettkampfkomitee.

Skispringerin Katharina Althaus hat Silber von der Normalschanze geholt. Nach dem ersten Durchgang lag sie noch auf Goldkurs, musste sich dann der Slowenin geschlagen geben.

Skispringerin Katharina Althaus hat Silber von der Normalschanze geholt. Nach dem ersten Durchgang lag sie noch auf Goldkurs, musste sich dann der Slowenin geschlagen geben.

„Das gehört einfach zum Sport. Man hat mal Glück und mal Pech. Ich bin froh, dass es am Ende so ausgegangen ist, wie es ausgegangen ist“, beschwichtigte Althaus dagegen nach dem Wettkampf.

Nicht alle sehen die Winde in Peking so entspannt: Annika Morgan hatte beim Slopestyle, wo die Boarderinnen bei ihren Sprüngen über Hindernisse teils meterhoch in der Luft stehen, erst Angst, dann „echt Panik“.

Ski Alpin: Abfahrt wird verschoben

Ähnliche Schwierigkeiten haben die Speed-Fahrer in Yanqing. Der Wind wirbelt den Ablauf bisher ordentlich durcheinander. Bei de Trainingsfahrten mussten sie teilweise lange auf ihre Fahrt warten.

Nun sorgten die starken Böen für eine Verlegung, sodass der Kampf um die Medaille erst am Montag stattfand.

„Das ist ein schwieriger Berg, windstill ist es hier nie“, sagte FIS-Renndirektor Markus Waldner. Am Sonntag wurden Windgeschwindigkeiten von 50 bis 60 km/h gemessen; eine sichere und faire Abfahrt war so unmöglich.

US-Skistar Mikaela Shiffrin, die am Montag ein Drama erlebte, geht sogar ein Schritt weiter: „Ab und an ist es wie ein Tornado, in dem du dich völlig verlierst.“

Kälte und Wind bestimmen Langlauf

Zwar haben die Langläufer und Langläuferinnen keinen Berg, sondern nur Hügel, dennoch machen auch ihnen die äußeren Bedingungen zu schaffen.

So rannte sogar die norwegische Dominatorin Therese Johaug aufgrund des Windes anfangs nicht wie gewohnt ihre Konkurrenz in Grund und Boden, sondern hielt sich zeitweise im Windschatten auf, ehe sie auf und davon lief.

Auch der Russe Alexander Bolshunov hielt sich zunächst taktisch eher zurück, bevor er am Ende doch mit deutlichem Vorsprung gewann.

Kälte „sehr gefährlich für die Gesundheit“

Viel mehr Probleme haben die Sportlerinnen und Sportler aber mit der eisigen Kälte von bis zu Minus 20 Grad Celsius. So musste sich beispielsweise Frida Karlsson erstmal eine Stunde lang aufwärmen, bevor sie Interviews geben konnte.

Bei den Sprints am Montag, die erst um 18.30 Uhr Ortszeit beginnen, wird es nochmal kälter. „Bei minus 18 oder 20 Grad mit Wind wird es schon relativ sehr gefährlich für die Gesundheit“, erklärt auch Kristian Mehringer, der Bundestrainer der Frauen im Biathlon, bei der Sportschau.

Noch drastischer drückt es der schwedische Nationaltrainer Anders Byström aus: „Wenn die FIS sagt, es sind minus 17 Grad, aber es bläst und hat minus 35 Grad im Wind. Was machst du dann?“

Er fordert daher eine frühere Startzeit der Wettbewerbe.

Decken und Wärmepflaster als Schutz

Auch anderorts ist es zumeist eisig kalt. So hielt sich die Skispringerinnen mit großen Decken warm, ehe sie auf den Sprungbalken mussten.

Im Langlauf und Biathlon werden Wärmepflaster im Gesicht, Mützen und Schals zum Kälteschutz genutzt. Nur Philipp Nawrath entschied sich in guter alter Sven-Fischer-Manier für ein Stirnband.

Das Problem sind dabei die späten Startzeiten. Diese gibt es jedoch, damit die Wettbewerbe nicht mitten in der Nacht in Europa laufen.

Austragung in Peking ist zu hinterfragen

Während dieses Problem vor allem die Langläufer und Biathleten betrifft, klagen über den Wind fast alle – mit Ausnahme der Indoor-Sportarten wie Eishockey, Eisschnelllauf und Curling.

Der Wind „ist überall ein Riesenthema“, sagte zum Beispiel Alpin-Cheftrainer Christian Schwaiger: „Da muss man schon hinterfragen, warum man hier ein Großereignis fährt.“

Alles zu den Olympischen Spielen 2022:

Mit Sport-Informations-Dienst (SID)