Als Partnerin von Tadej Pogacar steht Urska Zigart oft im Schatten ihres Verlobten und Rad-Superstars – zu Unrecht. Vor ihrem Start bei der Tour de Femmes am Samstag leistete die 29-jährige Slowenin Bemerkenswertes.

Hinter ihr liegt das beste Jahr ihrer Karriere: Gesamtsechste der La Vuelta Femenina, Achte beim Giro d’Italia Women, Zweite bei der Tour de Romandie Féminin.

Urška Zigart geht nach einem schweren Sturz bei der Tour de frances Femmes an den Start
Urška Zigart geht nach einem schweren Sturz bei der Tour de frances Femmes an den StartUrška Zigart geht nach einem schweren Sturz bei der Tour de Frances Femmes an den Start© IMAGO/IPA Sport

Bei der Tour de Suisse wollte sie im Juni dann kurz vor der großen Frankreichrundfahrt noch einmal ein Ausrufezeichen setzen, stattdessen folgte ein schwerer Sturz. Es folgte die vielleicht die größte Leistung, denn plötzlich musste sie sich zurückkämpfen.

Tour de France Femmes: Zigarts Start war nach schwerem Sturz in Gafhr

Während der zweiten Etappe war sie im Schlussspurt in Locarno auf eine Verkehrsberuhigung zugeschossen und hatte die Kontrolle über ihr Rad verloren. Zigart schlug schließlich mit dem Kopf auf dem Asphalt auf. Die Diagnose der Ärzte: Kieferbruch.

„Ich musste weggehen. Es war das erste Mal, dass ich so etwas erlebt habe, und ich stand völlig unter Schock. Es war wirklich kein schöner Anblick“, erinnerte sich Zigarts Teamchefin Jolien d’Hore von AG Insurance-Soudal.

„Es war unfassbar. Auf den Bildern sah man, wie mehrere Fahrerinnen buchstäblich in die Luft katapultiert wurden“, schilderte sie den harten Crash. „Wir haben vor der Gefahr auch per Funk gewarnt, aber vergeblich. Wenn man mit etwa 60 Kilometern pro Stunde auf so ein Hindernis zufährt, ist das schlicht lebensgefährlich.“

Die Folgen waren dementsprechend hart, das Ausmaß zunächst überhaupt nicht absehbar. Der Bruch entpuppte sich als ziemlich kompliziert, eine OP wurde befürchtet und Zigart konnte wochenlang keine feste Nahrung zu sich nehmen. Es drohte der nächste große Rückschlag nach der Nicht-Nominierung für die Olympischen Spiele 2024, damals auch in Frankreich. Ihr Ehrgeiz schien davon aber völlig ungebrochen. Nur vier Wochen später saß sie ohne operativen Eingriff wieder auf dem Trainingssattel.

Zigart konnte keine feste Nahrung zu sich nehmen

„Die ersten Tage waren etwas wackelig, ohne klare Vorstellung, wie der Weg zurück aussehen würde, aber ein Engel hat von oben auf mich aufgepasst und ich hatte wirklich Glück mit meiner Genesung“, schilderte sie. Glück, das sie zu großen Teilen ihren Wegbegleitern zu verdanken hat, wie Zigart weiß: „Von den Köchen, die mein Essen klein schnitten, über LIMFA-Therapie-‚Telefonate‘ zur schnelleren Knochenheilung bis zu vielen guten Vibes in den Bergen.“

Einen Auftritt wie ihr Partner Pogacar, der die Tour der Männer auch in diesem Jahr wieder auf beeindruckende Weise dominierte, wird Zigart den Erwartungen nach nicht hinlegen, wenn sie am Samstag im schweizerischen Lausanne in die Pedale tritt. Sie soll vor allem ihre Kapitänin Kim Le Court-Pienaar unterstützen.

Eine Rolle, mit der sie sich jedoch gut anfreunden kann: „Ich bin einfach dankbar, überhaupt hier zu sein und dieses Radrennen-Ding wieder machen zu dürfen, und ich werde versuchen, dieses verrückte Rennen zu genießen“, erklärte sie: „Vom Sturz zur Tour de France!“

Raus aus Pogacars Schatten

Dass die seit 2015 im internationalen Radsport Aktive so befreit in das Rennen geht, ist auch Teil einer Persönlichkeitsentwicklung, die sie in den letzten Jahren durchmachte. „Weil ich die Freundin von Tadej bin, hat mich das ein wenig mehr unter Druck gesetzt“, mehr noch: „Ich habe mich ziemlich beobachtet gefühlt.“

Eine Topathletin, aber trotzdem im Schatten ihres Partners. Im Vergleich mit einem der Besten, die der Radsport je hervorgebracht hat, fällt sowieso jeder Vergleich unfair aus. Trotzdem fühlt sie sich nach dieser Phase gestärkt: „Es hat geholfen, die zu werden, die ich bin. Und heute sorgt mich nicht mehr wirklich, was die Öffentlichkeit denkt.“

Ganz unschuldig ist Pogacar an dieser Entwicklung jedoch auch nicht: „Er ist manchmal ein Witzbold, aber auch ein sehr reifer Mensch. Ohne ihn wäre ich nicht da, wo ich bin.“

Die Tour de France Femmes startet am Samstag um 13.25 Uhr mit der ersten Fahrt durch Lausanne. Nach der 137 Kilometer langen Schleife zum Einstieg geht es in insgesamt neun Etappen durch die Schweiz, Belgien und Frankreich. Die Siegerin wird am 9. August in Nizza gekürt.