Sie erobert Bayern im Sturm
Erst leitete Momoko Tanikawa mit einem Traumtor den Sieg der Bayern-Frauen ein, dann wurde sie für den Ballon d’Or nominiert. Die Japanerin ist eines der spannendsten Talente im Frauenfußball weltweit. Sie hat ein großes Ziel.
Eigentlich war es ein perfekter Sonntag für Momoko Tanikawa. Die Japanerin erzielte einen Doppelpack, die Frauen des FC Bayern schlugen den SC Freiburg mit 4:1. So richtig zufrieden war die 21-Jährige trotzdem nicht.
„Wir haben heute viele Fehler gemacht. Aber wir müssen positiv bleiben und in den schwierigen Phasen auf dem Platz mehr miteinander reden“, sagte Tanikawa auf Nachfrage von SPORT1. Auch ihr Führungstor, ein traumhafter Lupfer über Freiburgs Torhüterin Anna Reimann aus rund 40 Metern Entfernung, kommentierte die Mittelfeldspielerin recht nüchtern: „Ich habe die Torhüterin und das leere Tor gesehen. Also habe ich geschossen.“
Es ist diese Mischung aus Bescheidenheit und Ehrgeiz, die Tanikawa auszeichnet. In der vergangenen Saison gelang ihr der Durchbruch bei den Frauen des FC Bayern, die am Montag im Auswärtsspiel bei Bayer Leverkusen (17.45 Uhr LIVE im Free-TV auf SPORT1) den vierten Sieg im vierten Spiel der neuen Saison der Google Pixel Frauen-Bundesliga anstreben.
Tanikawas Ziel: Die beste Fußballerin der Welt werden
Wettbewerbsübergreifend erzielte Tanikawa in der vergangenen Spielzeit 13 Tore und bereitete sechs Treffer vor. Ihre Leistungen brachten ihr nun sogar eine Nominierung für den Ballon d’Or ein.
Auch wenn die Offensivspielerin die goldene Kugel in diesem Jahr mit ziemlicher Sicherheit noch nicht gewinnen wird, ist genau das ihr Ziel – Tanikawa träumt davon, die beste Fußballerin der Welt zu werden.
„Ich will dieses Ziel wirklich erreichen und glaube daran – bei allem, was ich tue. Dass andere um mich herum auch mein Potenzial sehen, treibt mich an“, sagte sie vor der Saison im Mitglieder-Magazin des FC Bayern.
Die Voraussetzungen dafür bringt die in der japanischen Großstadt Nagoya geborene Fußballerin mit. Sie verfügt über eine herausragende Technik und Dynamik, sie kann ein Spiel lesen und mit ihrer Kreativität gestalten.
Prominente Mentorin für Bayern-Hoffnungsträgerin
Großen Anteil an Tanikawas Fortschritten hat Trainer José Barcala. Der Spanier, der im vergangenen Sommer als Trainer übernahm, gewährt seinen Offensivkünstlerinnen Pernille Harder, Klara Bühl (beide ebenfalls für den Ballon d’Or nominiert), Linda Dallmann und eben Tanikawa mehr Freiheiten, als dies unter seinem Vorgänger Alexander Straus der Fall war. Vor allem mit der zwölf Jahre älteren Harder, die eine Mentorinnen-Rolle für Tanikawa einnimmt, harmoniert die Japanerin prächtig.
„Ihre Entwicklung in der vergangenen Saison war außergewöhnlich. Ich halte sie für eine der unabhängigsten Spielerinnen – damit meine ich, dass sie sich mit dem Ball auch unter Druck wohlfühlt, dass sie Eins-gegen-Eins-Situationen lösen kann und die Aufmerksamkeit der gegnerischen Mannschaft auf sich zieht. Ihren Mitspielerinnen verschafft sie mit jedem Pass extrem viel Zeit und Raum, im Positionsspiel agiert sie unheimlich intelligent“, lobte Barcala.
Tanikawa sei immer eine Schlüsselspielerin, egal, wo er sie aufstelle, erklärte Barcala weiter. Zuletzt kam „Momo“ auf der Sechser- und Achterposition zum Einsatz, wo sie half, den Abgang von Georgia Stanway zu kompensieren.
Sobald aber Lena Oberdorf und Sarah Zadrazil, die gerade erst ihre Comebacks nach Kreuzbandrissen gaben, fit für die Startelf sind, soll Tanikawa wieder vor auf die Spielmacherinnen-Position rücken. „Sie ist eine Zehnerin“, stellte Barcala auf SPORT1-Nachfrage klar. In Leverkusen wird das wahrscheinlich noch nicht der Fall sein, Oberdorf hat gerade erst einen Rückschlag am verletzten Knie erlitten. Aber vielleicht am 22. September, wenn die neue Saison in der Champions League für die Bayern-Frauen mit dem Heimspiel gegen Manchester City beginnt.
Für die Bayern-Frauen beginnt eine neue Ära
Für die Nationalspielerin, die längst auch in ihrer Heimat ein Star ist und regelmäßig Besuch von japanischen Kamerateams bekommt, ist die Champions League die Bühne, auf der sie die nächsten Schritte hin zu ihren großen Zielen machen will.
Den nächsten Schritt in der Königinnenklasse wollen auch die Bayern-Frauen gehen, das Finale ist in dieser Saison das Ziel. Die Heimspiele in der Ligaphase gegen City, Real Madrid und den FC Barcelona werden erstmals im Stadion in Unterhaching ausgetragen, das der FC Bayern für die Frauen gekauft hat.
Es ist der Beginn einer neuen Ära für die Münchnerinnen – einer Ära, die Momoko Tanikawa entscheidend mitprägen will.
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