Ein alter Kumpel packt über Jürgen Klopp aus

Irre Anekdoten! Kaum jemand kennt Klopp wie er
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Irre Anekdoten! Kaum jemand kennt Klopp wie er

Fabrizio Hayer ist mit dem neuen Bundestrainer Jürgen Klopp seit über 30 Jahren befreundet. Im SPORT1-Interview erzählt er vom Menschen hinter dem Welttrainer, verrauchten Zimmern und einer besonderen Party.

Er kennt Jürgen Klopp so gut wie wenige andere, ist seit mehr als über 30 Jahren mit ihm befreundet.

Fabrizio Hayer kennt Klopp seit mehr als 30 Jahren, einst spielten beide gemeinsam für Mainz 05, heute besitzt der 57-Jährige die Mainzer Lokalität Amore Vino, in der er schon einige Male mit dem neuen Bundestrainer gefeiert hat.

Im SPORT1-Interview vor Klopps DFB-Debüt gegen die Niederlande am Donnerstagabend erzählt er vom Menschen hinter dem Welttrainer, von durchfeierten Nächten und verrauchten Hotelzimmern und einer besonderen Party mit einem ähnlich prominenten Stargast.

SPORT1: Herr Hayer, wenn Jürgen Klopp, Ihr guter Kumpel, heute bei Ihnen ins Amore Vino kommt: Kommt dann der Bundestrainer zur Tür herein oder immer noch einfach der alte Kumpel Kloppo?

Fabrizio Hayer: Beides. Erst mal eine Ehre, dass er als Bundestrainer zu mir kommt. Und zweitens: Kloppo bleibt Kloppo. Sehr bodenständig. Er ist mein Freund und ich freue mich immer, ihn hier wiederzusehen. Jedes Wiedersehen ist sehr herzlich. Das ist hier auch ein Treffpunkt und ihm gefällt es sehr. Es wird Zeit, dass er wieder kommt.

Fabrizio Hayer und Reinhard Franke
Fabrizio Hayer und Reinhard FrankeFabrizio Hayer und Reinhard Franke

Jürgen Klopp kann auch ordentlich feiern

SPORT1: Weiß Jürgen Klopp eigentlich, dass Sie heute mit uns über ihn sprechen?

Hayer: Ja. Kloppo hat mir dafür sein Okay gegeben – auch jetzt als Bundestrainer.

SPORT1: Sie hatten im vergangenen Jahr eine ordentliche Party. Das war zum 20. Jubiläum von Kloppos Junggesellenabschied, unter anderem mit Campino. Wie war das?

DEINE MEINUNG

Hayer: Das war schon sensationell. Es war in der Vorweihnachtszeit, und sie kamen als Weihnachtsmänner verkleidet hier rein. Aber man erkennt Kloppo an seinem Lachen. Ich habe ihm gesagt: „Du kannst anziehen, was du willst, aber du fällst auf.“ Der Laden war voll. Dann hat er erst mal alle begrüßt. Und dann zieht er sich aus und die Leute haben schon komisch geguckt. Dann ist er wirklich hingegangen, hat die Teller aus der Küche gebracht und sie an den Tischen verteilt. Das sind schon Momente für die Ewigkeit – auch für meine Gäste.

SPORT1: Wie ging es weiter?

Hayer: Wer Kloppo kennt, weiß, dass er auch ein Feierbiest sein kann. Wir hatten einen grandiosen, unvergesslichen Abend. Da waren namhafte Leute dabei und es hat sehr, sehr viel Spaß gemacht. Es wurde lang. Wir haben ausgiebig gefeiert. Es war schon ein bisschen surreal, wenn „Tage wie dieser läuft“ und du auf der einen Seite Campino stehen hast und auf der anderen Seite den neuen Bundestrainer. Übrigens: Als Klopp alle begrüßt hat, ist er zuerst zu meiner Frau gegangen, dann zu den Bedienungen und dann kam er erst zu mir. In solchen Momenten merkt man, was für ein Herz Kloppo hat, wie sehr er Mensch geblieben ist.

SPORT1: Hat sich der Mensch Jürgen Klopp über all die Jahre nicht verändert oder doch ein bisschen?

Hayer: Ich kann nur für mich sprechen, aber: Nein! Er ist immer noch bodenständig. Er weiß, woher er kommt. Sein Lachen ist ja sensationell, so authentisch. Er ist geblieben, wie er ist.

SPORT1: Wissen Sie noch, was Sie bei Ihrer allerersten Begegnung über ihn gedacht haben?

Hayer: Wir kamen als Neulinge nach Mainz und man hat mir vorher schon gesagt, dass er ein sehr guter Fußballer war. Man hat wirklich immer Positives von ihm gehört. Ich glaube, man verkennt Kloppo ein bisschen. Er ist später vom Sturm nach hinten in die Viererkette gerückt und hat dort als Außenverteidiger seine Sache sehr gut gemacht.

Jürgen Klopp und Fabrizio Hayer als Mainzer Spieler im Jahr 1992
Jürgen Klopp und Fabrizio Hayer als Mainzer Spieler im Jahr 1992Jürgen Klopp und Fabrizio Hayer als Mainzer Spieler im Jahr 1992© IMAGO/Ferdi Hartung

SPORT1: War damals schon etwas an Kloppo, bei dem Sie gedacht haben: Dieser Typ ist anders als die anderen?

Hayer: Der Ehrgeiz. Rhetorisch kein Zweiter. Ich habe niemanden so gut reden gehört wie ihn. Als Spieler haben wir ab und zu auch mal nicht so gut gespielt und dann haben wir immer ihn in die Pressekonferenz geschickt. Und nachdem wir gehört haben, was er gesagt hat, haben wir uns in der Kabine immer gesagt: So schlecht haben wir ja gar nicht gespielt. Er konnte die Leute schon damals in seinen Bann ziehen. Und: Er war auch immer schon ein Teamplayer.

SPORT1: Zimmerkollegen im Mannschaftshotel waren Sie allerdings nie.

Hayer: Nein, weil der geraucht hat und ich den Rauchgeruch nicht ertragen konnte. Wolfgang Frank (früherer Mainz-05-Coach, 2010 verstorben, d. Red.) ist einmal zu ihm und seinem Zimmerkollegen Jürgen Kramny gegangen und hat sie gar nicht entdeckt, weil alles voller Rauch war.

Fabrizio Hayer nannte Klopp „die Ader“

SPORT1: Ist er früher auch mal in der Kabine ausgetickt, hat irgendwie einen Medizinkoffer durch die Gegend geschmissen?

Hayer: Unter anderem. Er hat ja den Spitznamen „die Ader“ gehabt, weil er während des Spiels sehr, sehr viel geschrien hat. Und er hatte am Hals immer eine ganz besondere Ader. Den Spitznamen hat er dann von uns bekommen.

SPORT1: Viele kennen den öffentlichen Jürgen Klopp: emotional, laut, charismatisch. Was verstehen Menschen über ihn falsch, die nur diesen Jürgen Klopp kennen?

Hayer: Ich glaube, viele sehen in ihm manchmal einen reinen Spaßvogel oder so etwas, weil er immer sehr lustig ist. Aber er ist ein akribischer Arbeiter, der auch über den Tellerrand hinausguckt. Er ist wirklich einer, der für vieles offen ist, was den Erfolg bringt.

SPORT1: Was erwarten Sie von Klopp als Bundestrainer?

Hayer: In der aktuellen Situation gibt es nur einen, der in Deutschland eine Euphorie entfachen kann. Das ist Jürgen Klopp. Der hat den Status eines Popstars, der ist Psychologe, der ist redegewandt, der hat eine Ausstrahlung wie kein Zweiter. Mein Freund Mario Basler hat es kürzlich bei euch im Doppelpass gesagt: Eine Pressekonferenz habe er sich nie angeschaut oder nur die ersten fünf Minuten. Bei Kloppo blieb er bis zum Schluss dran, weil er einen wirklich in seinen Bann zieht. Ich glaube wirklich, dass er den Stolz, den Deutschland auf seine Nationalmannschaft hatte, wieder aufleben lassen kann.

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SPORT1: Bei der Kader-PK hat Klopp Journalisten wegen der vorab lancierten Leaks kritisiert. Wie bewerten Sie das?

Hayer: Wer Kloppo kennt und seine Philosophie: Er möchte alle in ein Boot bekommen. Und er versucht das halt auch mit aller Macht, gerade jetzt in seiner Rolle, bei der er auch die patriotische Ebene sieht. Ich glaube, das ist eine Lebensaufgabe für Kloppo, Bundestrainer zu sein.

„Nach ein paar Wein gewinnen wir die Champions League“

SPORT1: Gab es irgendeine ganz verrückte Geschichte aus der Freundschaft mit Kloppo?

Hayer: Wir haben auch mal gegeneinander gespielt. Das werde ich nie vergessen. Er hat mich während des Spiels permanent nur beschimpft. Und ich habe ihn gefragt: „Das gibt es doch gar nicht. Was habe ich dir getan?“ Und nach dem Spiel sagte er: „Ich habe alles richtig gemacht. Du bist zur Halbzeit ausgewechselt worden. Wir haben gewonnen. Nur so konnte ich dich aus dem Spiel holen.“ (lacht) Darüber sprechen wir auch manchmal. Wir treffen uns hier auch mit unserer alten Truppe. Dann werden alte Geschichten wieder hochgeholt. Und nach ein paar Weingläsern gewinnen wir hier auch die Champions League.

SPORT1: Was musste man tun, um Jürgen Klopp früher wirklich auf die Palme zu bringen?

Hayer: Verlieren. Und nicht nach seinem System spielen, ohne diese Laufbereitschaft oder diesen Willen oder das Wir-Gefühl zu vermitteln.

SPORT1: Gab es einen besonders emotionalen Moment in Ihrer Freundschaft?

Hayer: Ja, als Mainz 05 aufgestiegen ist und er in Tränen ausgebrochen ist. Ich habe damals leider nicht mehr für Mainz gespielt. Aber das hat mich sehr berührt und sehr gefreut.

SPORT1: Dieser emotionale Klopp war auch 2008 bei seinem berühmten Auftritt vor den Mainzer Fans zu sehen. Bei „Alles, was ich bin, bin ich durch euch“ musste er wegen seiner Tränen unterbrechen. Kurz darauf wechselte er zu Borussia Dortmund.

Hayer: Das war typisch. Er kann den Leuten einfach etwas vermitteln.

SPORT1: Wenn Sie heute zusammensitzen, reden Sie dann viel über Fußball oder eher nicht?

Hayer: Nicht nur, ich lasse ihn manchmal einfach auch Mensch sein. Auch andere Themen bestimmen sein Leben, er hat eine tolle Familie mit seiner Frau Ulla. Es kommen auch private Sachen, die einfach interessant sind: was passiert ist oder von früheren Freunden.

SPORT1: Gibt es eine beste Klopp-Anekdote, bei der Sie heute noch wirklich lachen müssen? Eine, die Sie vielleicht zum ersten Mal zum Besten geben können?

Hayer: Ich glaube, die darf ich leider nicht sagen. Es gibt Sachen, die darf man nicht erzählen. Die unterliegen dem Ehrenkodex.

SPORT1: Klopp ist eigentlich im Schwarzwald aufgewachsen, kommt aber auch immer wieder nach Mainz zurück. Warum ist die Stadt ihm so wichtig?

Hayer: Zum einen: Seine Frau kommt aus Mainz. Zum anderen: Es stimmt, was Kloppo damals gesagt hat. Mainz hat ihm den Weg für das geebnet, was er jetzt ist. Dafür ist er unendlich dankbar.

SPORT1: Wenn morgen Abend oder in den nächsten Tagen hier im Amore Vino die Tür aufgeht und Jürgen Klopp hereinkommt: Was passiert in den nächsten fünf Minuten?

Hayer: (lacht) Er läuft wieder an mir vorbei und begrüßt erst mal alle anderen. Und dann nimmt er mich in den Arm. Dann setzen wir uns zusammen und trinken etwas Schönes. Und ich hoffe, dass er es bald macht.

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