Kovacs mutiger Schachzug zahlt sich aus
Kovac enthüllt Schachzug gegen Bayern
Der BVB entführt einen Punkt beim FC Bayern - mit einer Portion Glück, aber auch dank einer neuen Attitüde. Insbesondere eine Kovac-Entscheidung zahlt sich aus. Eine entscheidende Frage bleibt jedoch. Ein Kommentar.
Nein, so richtig aufbessern konnte der BVB die jüngste Horror-Statistik gegen den FC Bayern auch diesmal nicht: In den vergangenen 18 Partien zwischen den beiden Teams gingen die Schwarz-Gelben nur ein einziges Mal als Sieger vom Platz.
Und doch fühlte sich dieses 2:2 in der Allianz Arena aus Dortmunder Sicht irgendwie anders an als sonst. Ja, fast schon wie ein Sieg. Und irgendwie auch wie ein Sieg über sich selbst.
So richtig unter die Räder gekommen ist die Borussia gegen die Münchner zwar schon länger nicht mehr. Die vergangenen fünf direkten Duelle hatten entweder unentschieden oder mit nur einem Tor Unterschied geendet, es hatte sich meist aber irgendwie deutlicher angefühlt.
Gerade zu Beginn der direkten Duelle waren die Dortmunder häufig ängstlich und zurückhaltend aufgetreten, 75 bzw. 59 Prozent Ballbesitz hatten die Bayern in den jüngsten beiden Heimspielen gegen den BVB vor der Halbzeit verbucht. Fast noch erschreckender: Bei den vergangenen drei Partien in Dortmund waren es 69, 70 bzw. 59 Prozent zu Gunsten des FCB gewesen.
Diesmal wies die Statistik nach 45 Minuten ein Verhältnis von 50:50 aus, was nicht unwesentlich an der mutigen Entscheidung von Niko Kovac lag, ausgerechnet in München mit einer schon länger nicht mehr erprobten Viererkette ins Spiel zu gehen. Ein Schachzug, der sich auszahlte.
Respekt, „aber keine Ehrfurcht“
Dank der Anführer Nico Schlotterbeck und Waldemar Anton in der Abwehrzentrale, die mutig von hinten herausspielten, und dem äußerst ballsicheren Joey Veerman im Mittelfeldzentrum erspielten sich die Dortmunder fast von Beginn an immer wieder längere Ballbesitzperioden und vermieden so größere Druckphasen der Bayern.
„Wir hatten Respekt vor dem Gegner, aber keine Ehrfurcht, was Borussia Dortmund früher in München hatte“, fasste es Schlotterbeck nach dem Spiel zusammen.
Natürlich gehörte auch ein Quäntchen Glück dazu: Dass die Bayern im Lauf der Partie in Person von Michael Olise, zwei Mal Harry Kane und Lennart Karl insgesamt gleich vier Mal am Aluminium scheiterten, ist genauso ein Teil der Geschichte dieses Spiels wie das Münchner Verletzungspech mit den vorzeitigen Ausfällen von Ismael Saibari, Serge Gnabry und Olise.
Aber: Auch die Dortmunder steckten diesmal gleich mehrere Tiefschläge weg. Das 1:0 der Bayern fiel ausgerechnet mitten in eine starke BVB-Phase unmittelbar nach dem (zu Recht aberkannten) vermeintlichen Führungstreffer durch Jobe Bellingham, das 2:1 nur wenige Minuten nach dem umjubelten Ausgleich.
Frühere Borussen-Teams wären daran zerbrochen, womöglich in sich zusammengefallen und hätten ohne Punkte die Heimreise aus München angetreten. Auch das war diesmal anders. Dieser BVB war mutiger und widerstandsfähiger als sonst.
Kommt es zum Titelkampf um die Deutsche Meisterschaft?
Die große Frage, die sich nun stellt: Bedeutet das, dass sich die Fans der deutschen Bundesliga endlich wieder auf einen packenden Titelkampf bis zum Ende der Saison einstellen dürfen?
Abwarten. Denn frühere Dortmunder Teams zeichneten sich auch gerne einmal dadurch aus, in großen Spielen punktuell aufzutrumpfen, nur um dann gegen vermeintlich kleine Gegner wichtige Punkte liegenzulassen.
Nicht umsonst meinte Gregor Kobel am Samstagabend auf SPORT1-Nachfrage, es seien „normalerweise die anderen Spiele im Laufe der Saison, die darüber entscheiden, wer Meister wird“.
Das Spiel in München, das war allen schwarz-gelben Protagonisten anzumerken, hat dennoch weiteren Mut gegeben.
An diesem einen Abend waren sie endlich mal so richtig auf Augenhöhe mit dem FC Bayern. Jetzt müssen die Dortmunder beweisen, dass sie auch in der Lage sind, das über eine gesamte Saison aufrechtzuerhalten.