Gladbach-Krise: „Sehr schmerzhaft“
Entscheidung fix! Überraschung um El Mala
Borussia Mönchengladbach versinkt in der Krise. Rouven Schröder nimmt die Mannschaft in die Pflicht.
Neu-Nationalspieler Said El Mala hat Alexander Blessin den Einstand bei Borussia Mönchengladbach versaut. Im 101. Rheinischen Derby der Bundesliga verlor die Borussia das erste Spiel unter dem neuen Trainer 1:2 (1:1) beim 1. FC Köln, die sportliche Krise am Niederrhein verschärft sich. Punktlos bleiben die Fohlen Liga-Schlusslicht.
Nach dem Spiel stellten sich Spieler und Trainer den mitgereisten Fans, die wütend auf die Gladbacher einschimpften. Blessin trat nach einer Weile nach vorne und versuchte seine Spieler zu verteidigen. Der 53-Jährige redete energisch auf die Ultras ein.
„Ich kann den Jungs keinen Vorwurf machen. Und das war auch meine Message an die Fans. Wir haben einfach alles reingeschmissen“, sagte Blessin nach dem Spiel bei DAZN.
Gladbach: „Es gibt kein Zurückweichen“
Das bekräftigte auch Sportdirektor Rouven Schröder, nahm das Team aber in die Pflicht.
„Wir haben die Verantwortung für den Klub. Wir möchten Punkte sammeln und alles dafür tun, erfolgreich zu sein. Wir haben nach fünf Spielen keinen Punkt. Dann ist es absolut klar, dass Frustration da ist. Das Derby bedeutet für die Fans alles, für uns auch. Von daher war es für alle sehr schmerzhaft“, erklärte der 50-Jährige.
Es gebe „keine Alternative, sich zu stellen. Der Trainer ist direkt vorweg. Finde ich sehr gut. Und wir standen alle dahinter. Fakt ist, das müssen wir uns anhören. Da gibt es kein Zurückweichen.“
Vor 50.000 Fans in Köln-Müngersdorf hatte Shootingstar El Mala die Gastgeber sehenswert zum Sieg geschossen (67.). Im ersten Durchgang hatte Gladbachs Verteidiger Joe Scally (39.) die sehenswerte Kölner Führung durch Isak Johannesson (26.) noch gekontert.
Blessins Auftakt in Gladbach beginnt somit mit einem Dämpfer. Kölns René Wagner darf sich hingegen über eine nun wohl ruhigere Situation freuen. Der 38-Jährige stand nach zuletzt drei sieglosen Spielen bereits unter Druck.
„Das ist jetzt eine ganz schwierige Situation. Und das ist die Challenge im Leben. Wir haben nur ein Leben. Klingt pathetisch, aber dementsprechend geht es darum, da rauszukommen. Wenn die Sonne scheint, macht es Spaß im Fußball. Aber sich beschimpfen zu lassen und gleichzeitig sehr selbstkritisch zu sein ist das andere. Aus dem Holz musst du geschnitzt sein“, machte Schröder deutlich.
Tumulte auf der Tribüne bei Derby
Das Derby wurde in der zweiten Halbzeit nach Ausschreitungen unterbrochen. Gäste-Fans hatten nach dem 1:2 den Sicherheitszaun durchbrochen und sich dort Auseinandersetzungen mit Kölner Fans geliefert. Zudem wurden Raketen auf unbeteiligte Fans geschossen.
Besonders die Trainer standen vor dem Derby im Fokus. Einerseits Wagner, der nach vier Punkten aus vier Spielen „unter Beobachtung“ (Express) stand. Intern spüre er aber „hundertprozentig“ Vertrauen, hatte Wagner dem Kölner Stadt-Anzeiger gesagt: „Die Unterstützung ist da – aber der Kredit ist nicht unbegrenzt.“
Das warnende Beispiel war ausgerechnet der Erzrivale. Nach vier sieglosen Spielen war für den Gladbacher Trainer Eugen Polanski Schluss. Sein Nachfolger Blessin plante bei seinem Pflichtspieldebüt eine Initialzündung: „Ich will aus der Scheißzeit eine gute Zeit machen.“
Köln nach der Halbzeit stärker
Anders als beide Fanlager begannen die Teams zunächst ohne Feuerwerk. Sebastian Sebulonsen (13.) und Said El Mala (15./17.) vergaben die ersten nennenswerten Offensivaktionen für Köln. Nach einem Freistoß fiel die Führung für die Gastgeber: Gladbach köpfte eine Hereingabe aus dem Strafraum, direkt in die Füße von Johannesson. Der Isländer setzte den Ball per Volley in den Winkel.
Der Schwung verpuffte allerdings schnell wieder. Nun wurde Gladbach etwas aktiver – und glich prompt aus. Weil der FC Scally bei einer Hereingabe sträflich frei im Fünfmeterraum ließ, hatte der Borusse leichtes Spiel. Der anschließende Jubel vor der Kölner Südkurve provozierte eine hitzige Derby-Atmosphäre.
Nach der Pause begann Köln deutlich druckvoller. Zweimal rettete Gladbachs Verteidiger Jan Leszczynski in höchster Not. Erst klärte er einen Kopfball von Jahmai Simpson-Pusey auf der Linie (52.), dann warf er sich in einen freien Abschluss von El Mala.
Der Kölner Shootingstar, der bis dato einen glücklosen Arbeitstag erlebte, blieb jedoch dran – und belohnte sich und den FC sehenswert mit einem Schlenzer. Gladbach rannte dem erneuten Rückstand wütend hinterher.