Eberl gibt sich geschlagen

Eberl verkündet Boey-Entscheidung
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Eberl verkündet Boey-Entscheidung

Der FC Bayern wollte Sacha Boey in diesem Sommer unbedingt loswerden. Das machte der Klub so deutlich, dass eigentlich kein Weg mehr zurückführte. Nun ist Boey immer noch da und bringt ein Problem mit.

Es waren nur vier kurze Sätze, doch Max Eberl musste gar nicht mehr viel erklären: „Er ist hier bei uns im Kader. Er wird jetzt hier bleiben. Dann ist das so. Und dann schauen wir, was im Winter passiert“, sagte der Sportvorstand nach dem 5:0 gegen Bodö/Glimt auf Nachfrage von SPORT1. Vor allem dieses „Dann ist das so“ blieb hängen.

Eberl wirkte nicht wie ein Boss, der gerade voller Überzeugung einen Spieler wieder in seine Mannschaft aufgenommen hat. Eher wie jemand, der akzeptieren muss, dass ein Plan nicht aufgegangen ist. Enttäuscht davon, wie die Sache gelaufen ist – und womöglich auch ein Stück weit davon, dass es den Bayern nicht gelungen ist, eine längst getroffene Entscheidung umzusetzen. Denn genau darum geht es bei Bayerns Scheitern im Fall Boey.

Sacha Boey sollte eigentlich verkauft werden
Sacha Boey sollte eigentlich verkauft werdenSacha Boey sollte eigentlich verkauft werden© IMAGO/DeFodi Images

Dass der Spieler den Ansprüchen des FC Bayern bislang nicht genügt hat, lässt sich kaum ernsthaft bestreiten. Aus dem einstigen 30-Millionen-Mann ist weder ein Stammspieler noch ein ernsthafter Herausforderer geworden.

Boey war bei Bayern bereits aussortiert

Das Problem ist also nicht, dass die Bayern zu der Erkenntnis gelangt sind, Boey verkaufen zu wollen. Das Problem ist womöglich, wie früh und wie demonstrativ sie diese Erkenntnis öffentlich gemacht haben und dann nicht liefern konnten.

Schon Wochen vor Ende der Transferperiode wurde offen kommuniziert, dass der Rechtsverteidiger in den Planungen keine Rolle mehr spielt. Deutlicher ging es kaum. Beim traditionellen Lederhosen-Shooting des Bier-Sponsors fehlte Boey sogar auf dem Mannschaftsfoto. Und auf der eigenen Homepage verschwand er zwischenzeitlich komplett aus der Kaderübersicht. Jetzt bestätigte Eberl, dass Boey dort wieder aufgenommen werden soll.

DEINE MEINUNG

Man wollte dem Spieler offenbar jedes Missverständnis nehmen: Deine Zukunft liegt nicht hier. Das mag intern konsequent gewesen sein. Auf dem Transfermarkt war es zumindest riskant.

Denn wer einen Spieler verkaufen möchte, sollte potenziellen Käufern möglichst viele Argumente liefern, warum dieser Profi interessant ist. Die Bayern taten über Wochen beinahe das Gegenteil. Jeder Interessent wusste: Boey soll weg. Unbedingt. Damit setzte sich der Rekordmeister selbst unter Druck.

Die Zwickmühle eines misslungenen Transfers

Natürlich wäre es zu einfach, allein darin den Grund für den gescheiterten Verkauf zu sehen. Boeys Verletzungshistorie, seine bisherigen Leistungen und mögliche finanzielle Vorstellungen spielen mindestens genauso eine Rolle. Ein richtig heißer Markt entwickelte sich jedenfalls nicht.

Bayern muss ihn vorerst behalten und steht vor einem ziemlich unangenehmen Dilemma. Sportlich ist der Franzose nach jetzigem Stand kaum mehr als eine Absicherung. Auf der rechten Abwehrseite stehen Konrad Laimer und Josip Stanisic in der Hierarchie vor ihm. Genau deshalb wollten die Bayern Boey schließlich abgeben. Doch einen Spieler, der auf der Bank oder Tribüne verschwindet, verkauft man im Winter kaum leichter als im Sommer.

Boey müsste also eigentlich spielen, um sich wieder interessant zu machen. Gleichzeitig gibt es aus rein sportlichen Gründen wenig Anlass, ihm Einsatzzeit auf Kosten anderer Spieler zu schenken. Es ist die klassische Zwickmühle eines misslungenen Transfers.

Im Winter könnte deshalb erneut vor allem eines helfen: die Not anderer Klubs. Eine Verletzung, ein kurzfristiger Bedarf auf der rechten Abwehrseite oder ein Verein, der plötzlich dringend reagieren muss. Einen Bieterwettstreit um einen Ersatzspieler des FC Bayern sollte man aber nicht erwarten.

Kimmich stärkt seinen Mitspieler

Bemerkenswert ist deshalb, dass ausgerechnet Joshua Kimmich Boey nun öffentlich stärkte. Der DFB-Kapitän bezeichnete ihn „von den Voraussetzungen her“ als sehr guten Spieler und erklärte sogar, der Franzose könne „jeden Außenstürmer wegverteidigen“. Entscheidend sei vor allem, dass er gesund bleibe und Konstanz bekomme. Das ist mehr Rückendeckung, als Boey zuletzt von seinem Klub erfahren hat.

Und Kimmich erinnert damit an einen wichtigen Punkt: Boey ist kein schlechter Fußballer. Nur hat er bislang eben nicht nachgewiesen, dass das für den FC Bayern reicht.

Daran darf der Klub einen Spieler messen. Er darf ihn auch verkaufen wollen. Nur sollte er ihn dann möglichst auch verkauft bekommen. Genau das ist den Bayern in diesem Sommer nicht gelungen. Und deshalb steht Boey nun wieder dort, wo er eigentlich längst nicht mehr stehen sollte: im Kader des FC Bayern. Dann ist das eben so.