Historischer deutscher WM-Coup
Hier schreiben die deutschen Basketballerinnen Geschichte
Deutschland gelingt im WM-Viertelfinale der historische Coup. Beim Heimturnier ist die Medaille ganz nah.
Der Traum lebt, die Party geht weiter! Nach einem Coup gegen Belgien greifen die deutschen Basketballerinnen bei ihrer Heim-WM tatsächlich nach einer Medaille. Bei der ersten Viertelfinalteilnahme der Geschichte schlug das Team von Bundestrainer Olaf Lange den Europameister in der Berliner Uber Arena überraschend deutlich mit 93:74 (42:35) und hat nun zwei Chancen, sein Medaillen-Ziel zu erreichen. Der Gastgeber fordert zunächst am Samstag (16.30 Uhr) im Halbfinale Frankreich.
Nach drei Siegen in Serie überzeugte die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB) gegen die Weltranglistenfünften auf ganzer Linie. Gibt es im Duell mit dem bislang bärenstarken Olympiazweiten Frankreich, der China am Donnerstag im Viertelfinale keine Chance ließ (90:61), eine Niederlage, geht es am Sonntag um Bronze. Beste Werferin beim DBB-Team gegen Belgien, EM-Champion von 2023 und 2025, war Leonie Fiebich (17 Punkte). Beim Gegner kam Topstar Emma Meesseman auf 29 Punkte.
Deutschland gegen Belgien im Rausch
Leonie Fiebich jubelte bei MagentaTV: „Es ist viel zu surreal gerade. Sie kamen mit unserer Physis und Länge nicht so klar. Ich bin so stolz auf jede Einzelne. Es ist ziemlich geil.“ Sie huldigte auch Bundestrainer Olaf Lange. „Ohne jetzt emotional zu werden: Olaf ist genau das Puzzleteil, das uns gefehlt hat. Ich habe mich noch nie so gut gefühlt auf dem Feld. Das ist etwas ganz Besonderes. Wir haben so gute Coaches.“
Spielmacherin Alexandra Wilke, in Berlin aufgewachsen, fügte nach dem Coup in ihrer Heimatstadt an: „Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll. Man kann das nicht beschreiben. Ich hatte so eine Gänsehaut auf der Bank. Wir sind so einen weiten Weg gegangen. Unbeschreiblich.“
Auch für Nyara Sabally als Berlinerin war der Coup emotional. „Es bedeutet super viel. Wir haben so lange vor, der Welt zu zeigen, dass wir ein starkes Team sind. Ich habe mich so lange auf diese Heim-WM gefreut. Es jetzt so zu spielen, bedeutet mir ganz viel.“
In der Mixed Zone ließ Marie Gülich ihren Glücksgefühlen freien Lauf. Marie Gülich: „Noch ist es nicht so ganz real. Aber jetzt darüber nachzudenken, dass wir um eine Medaille spielen, ist geil. Das müssen wir jetzt erstmal so sacken lassen, wir waren ja mit dem Team auch noch nie in solch einer Situation. Das möchte ich einfach genießen. Ich liebe die Art und Weise, wie wir uns vertrauen, wie wir auf dem Spielfeld zusammenarbeiten und wie wir ehrlich miteinander sein können.“
Auch Coach Lange war gelöst. „Viele solcher Spiele kann ich nicht coachen. Ich bin zehn Jahre gealtert. Wir haben unglaublich gut gespielt und vor allem sehr, sehr gut verteidigt. Wir haben offensiv unseren Weg gefunden. Die Fans waren unglaublich in Momenten, in denen es etwas enger wurde und wir gewackelt haben. Insgesamt habe ich keine Worte, wie gut wir gespielt haben und wir zueinander gefunden haben.“
Im Studio beim MagentaTV schwärmte auch Ex-Nationalspieler Per Günther: „Die nächsten zehn Jahre wirst du zu einem Turnier fahren und um eine Medaille spielen. Das ist eine Zäsur heute. Das ist das, was es gebraucht hat. Eine Mannschaft, die so gut ist, da kann ich mir nach einem Sieg gegen Südkorea nicht jubelnd in den Armen liegen. Heute kann ich das.“
Wie im Rausch! Hier zaubern die DBB-Frauen
Deutschland revanchiert sich bei Belgien
Bei den Olympischen Spielen 2024 hatte das deutsche Team den Nachbarn in der Vorrunde bezwungen (83:69), danach aber – unter anderem im Vorjahr bei der EM – drei heftige Niederlagen mit jeweils mehr als 20 Punkten Unterschied kassiert. „Das ist auf jeden Fall ein Brocken“, sagte Kapitänin Marie Gülich auch wegen der zuletzt schlechten Ergebnisse mit Blick auf den Gegner. Sie habe dennoch „Bock“ auf das Duell, „weil ich weiß, wir sind auf diesem Level und können da mithalten.“
Sie lag richtig, das DBB-Team hielt gegen den Favoriten gut dagegen, lieferte im ersten Viertel ein Duell auf Augenhöhe. Fiebich, bislang im Turnier mit großen Problemen bei ihren Würfen, traf schnell zwei Dreier. Insgesamt lief es ausgezeichnet, Alexandra Wilke sorgte für die erste Führung (16:15/9.). Kurz darauf gelang ein 11:0-Lauf – zwischenzeitlich betrug der Vorsprung nach einem weiteren Korberfolg von Fiebich 13 Punkte (34:21/13.). Auf Runs der Belgierinnen hatte das Team um die WNBA-Spielerin von New York Liberty bis zur Pause immer eine Antwort.
Vor den Augen von Dirk Nowitzki, der seinen Logenplatz vom Südkorea-Spiel gegen einen am Spielfeldrand tauschte, machte das deutsche Team in der zweiten Hälfte einfach da weiter, wo es vor dem Gang in die Kabine aufgehört hatte, fand in der Offense bessere Lösungen als der Gegner.
Sabally spielte stark, stand gegen die beim Turnier bislang ungeschlagenen Belgierinnen vor 10.537 Zuschauern früh bei einem Double-Double aus Punkten und Rebounds.
Mit dem Sieg vor Augen wackelte die deutsche Mannschaft kurz und ließ einen Run der Belgierinnen zu – 83:73 stand es vier Minuten vor dem Ende. Als Luisa Geiselsöder an der Freiwurflinie zum 91:74 traf (39.), war das Spiel gelaufen. Meesseman ging vom Feld.
Deutschland winkt erste WM-Medaille
Nach der Auftaktniederlage gegen Spanien (53:83) hatte das DBB-Team durch klare Siege über Japan (74:58) und Mali (83:58) als Tabellenzweiter die Qualifikationsrunde für das Viertelfinale erreicht. Es gelang ein weiterer ungefährdeter Sieg über Südkorea (94:56) und damit der erstmalige Einzug ins Viertelfinale.
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Der Sprung ins Halbfinale ist der bislang größte WM-Erfolg einer Frauen-Mannschaft aus der Bundesrepublik. 1998 war bei der WM-Premiere (ebenfalls in Deutschland) die Qualifikation für die damals ausgespielte Zwischenrunde gelungen, mit dem Viertelfinaleinzug wurde es nichts. Die DDR-Auswahl hatte 1967 bei ihrer einzigen Teilnahme den vierten Platz belegt.