Der WM-Hype muss erst der Anfang sein

Emotionales Interview: DBB-Star kämpft mit den Tränen
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Emotionales Interview: DBB-Star kämpft mit den Tränen

Zum ganz großen Coup reichte es für die deutsche Basketball-Nationalmannschaft bei der Frauen-WM zwar nicht, das Team von Olaf Lange darf nach einem tollen Turnier aber trotzdem stolz auf sich sein. Ein Kommentar.

Das DBB-Team begeisterte die Fan-Massen in Berlin, aber auch die zahlreichen Fans daheim vor den Bildschirmen. Den deutschen Frauen gelang etwas, wovon sie vor dem Turnier selbst kaum zu träumen wagten: sie lösten einen Hype um Frauen-Basketball aus.

Gerade dieser Hype trug das Team auf einer Euphorie-Welle durch das Turnier und zeigte deutlich, was mit Frauen-Basketball in Deutschland möglich sein kann. Dass die Spielerinnen das selbst manchmal kaum glauben konnten, machte die Heldinnen für die Fans noch greifbarer und sympathischer.

Der WM-Hype muss erst der Anfang sein, meint SPORT1-Reporter Moritz Thienen
Der WM-Hype muss erst der Anfang sein, meint SPORT1-Reporter Moritz ThienenDer WM-Hype muss erst der Anfang sein, meint SPORT1-Reporter Moritz Thienen© Imago Images

Basketball-WM begeistert viele Kinder

Viele von ihnen spielten noch vor einigen Jahren bei wichtigen Länderspielen in kleinen Turnhallen vor wenigen Hundert Zuschauern. Jetzt sind die Spielerinnen plötzlich Vorbilder für zahlreiche Kinder.

Das könnte Bäume für eine ganze Sportart versetzen. Die aktuelle Generation der Spielerinnen hatte in ihrer Jugend keine weiblichen Vorbilder, wie Guard Alex Wilke im SPORT1-Interview verriet, weshalb sie nur selten groß träumte. Das dürfte sich nun geändert haben. Zahlreiche kleine Mädchen besuchten die WM-Spiele der Frauen in Berlin, viele werden den erfolgreichen DBB-Frauen nacheifern wollen.  

Ist der Hype auch nachhaltig?

Aktuell scheint der Hype um Basketball groß zu sein, doch kann dieser auch nachhaltig sein? Dafür braucht es definitiv weitere massive strukturelle Anpassungen im Basketball in Deutschland.

Schon die Erfolge der Männer zeigten, dass der deutsche Basketball nicht ausreichend auf einen Boom vorbereitet war. Nach dem WM- und EM-Titel wollten viele Kids plötzlich Basketball spielen. Doch nicht alle bekamen überhaupt die Möglichkeit dazu.

DEINE MEINUNG

Es gibt Probleme mit geringen Hallenzeiten, es fehlen ausgebildete Trainer und nicht jede Stadt verfügt über einen Basketball-Verein. Viele Kinder bleiben so trotz der Lust auf Basketball auf der Strecke.

Strukturen im deutschen Basketball müssen sich weiter verbessern

Ein Umstand, den auch Basketball-Legende Dirk Nowitzki am Rande seiner Court-Eröffnung in Würzburg im Oktober 2025 ansprach: „Wir freuen uns, dass Basketball so ein Augenmerk hat, aber das muss man jetzt auch nutzen, fördern und eben auch Gelder reinstecken in den Jugendbereich. Wir brauchen Hallen, Infrastruktur und mehr Coaches, damit wir uns weiterentwickeln und nicht stehen bleiben.“

Die Situation hat sich seitdem durchaus verbessert. Ob es aktuell aber auch wirklich genug Möglichkeiten für junge Mädchen gibt, darf bezweifelt werden.

Zum einen erscheint es fraglich, dass die bestehenden Basketball-Programme einen zusätzlichen Ansturm von vielen kleinen Mädchen stemmen können. Zum anderen gibt es noch immer viel zu wenig Möglichkeiten, die auf Mädchen spezialisiert sind.

Viele Studien zeigen, dass Mädchen und junge Frauen eigentlich angepasste Trainingsmethoden brauchen, um das Maximum aus den Talenten herauszuholen. Dennoch wird seit Jahrzehnten mit Programmen trainiert, die auf Männer ausgelegt sind und Frauen weniger weiterbringen.

Bedingungen in deutscher Liga „katastrophal“

Aber nicht nur im Jugendbereich braucht es dringend Veränderungen. Eine weitere große Baustelle ist die höchste deutsche Frauen-Liga (DBBL). Diese agiert weiterhin auf einem Niveau, auf dem sich vor einigen Jahren auch noch die Nationalmannschaft bewegte: unprofessionelle Strukturen, Spiele in kleinen Turnhallen, wenig Zuschauer.

Wie alarmierend die Zustände sind, zeigte auch das Statement von Olaf Lange nach der WM. Der Bundestrainer nannte die medizinischen Bedingungen „katastrophal“. Allgemein seien die Strukturen zu seiner Trainerzeit in Deutschland (zwischen 1995 und 2002) besser gewesen: „Wir schreiben das Jahr 2026 und das sagt schon alles. Es ist rückläufig, die Vereine sind halbprofessionell, wenn man es positiv ausdrücken möchte.“

Das knallharte Urteil von Lange: „Ich muss Sorge dafür tragen, dass unsere Topspieler ins Ausland wechseln und solange sich in der Liga nichts tut, wird es für uns auch sehr schwierig, den Erfolg, den wir gerade haben, zu erhalten.“

Mit Alex Wilke, Britta Daub und Emma Eichmeyer spielen aktuell drei Nationalspielerinnen in der DBBL. Die Frage ist allerdings: Wie lange noch?

Fest steht: Die harte Kritik des Bundestrainers muss dringend ernst genommen werden.

Ohne Verbesserungen wird der WM-Erfolg zur Eintagsfliege

Die DBBL schafft es seit Jahren nicht, die Strukturen zu verbessern. Ein echtes Aushängeschild für den Frauen-Basketball in Deutschland? Die Liga ist es in jedem Fall nicht. Klar ist, dass eine Sportart auch nur mit einer starken heimischen Liga wachsen kann. Es braucht dringend Verbesserungen.

Aktuell ist die Liga von einem Aushängeschild-Status meilenweit entfernt. Eigentlich will die DBBL in Zukunft mit 14 Mannschaften spielen. Stattdessen gelingt es seit Jahren nicht einmal, die eigentliche Mindestanzahl von zwölf Teams zu erreichen. Weil die sportlichen Aufsteiger aus finanziellen Gründen nicht aufsteigen, gibt es nur zehn Teams.

Es zeigt sich: Die WM war natürlich eine rauschende Party und eine verdiente Bühne für unsere deutschen Heldinnen. Damit solch ein Erfolg aber keine Eintagsfliege bleibt, muss sich in den kommenden Jahren vieles tun. Ein Ausruhen auf diesem einmaligen Erfolg darf es nicht geben.