Deutschlands Final-Traum geplatzt

von SID
One-Hit-Wonder? DBB-Team bleibt kämpferisch
2:40

One-Hit-Wonder? DBB-Team bleibt kämpferisch

Gold ist weg, jetzt geht es um Bronze: Bei ihrer Heim-WM in Berlin sind die deutschen Basketballerinnen im Halbfinale an Frankreich gescheitert und haben die erste von zwei Chancen auf eine Medaille vergeben.

Gold ist weg, jetzt geht es um Bronze: Bei ihrer Heim-WM in Berlin sind die deutschen Basketballerinnen im Halbfinale an Frankreich gescheitert und haben die erste von zwei Chancen auf eine Medaille vergeben. Das Team von Bundestrainer Olaf Lange unterlag dem Olympiazweiten von Paris am Samstagnachmittag mit 64:86 (38:45), am Sonntag (16.30 Uhr) geht es im Kleinen Finale gegen Spanien oder Rekordchampion USA, die am Abend in der Uber Arena aufeinandertreffen (20.00 Uhr).

Nach dem überraschend klaren Viertelfinalsieg über Europameister Belgien (93:74) waren die Französinnen zu stark für die Auswahl des Deutschen Basketball Bundes (DBB), die zuvor viermal in Serie gewonnen und es erstmals in ein WM-Halbfinale geschafft hatte. Frankreich ist damit im Turnier weiter ungeschlagen und greift im Endspiel am Sonntag (20.00 Uhr/alle MagentaTV) nach WM-Titel Nummer eins. Bitter für Deutschland ist auch, dass ein Negativ-Rekord zu Buche stand. 24 Ballverluste gab es in einem WM-Halbfinale zuvor noch nie.

Deutschland scheitert deutlich an Frankreich

Coach Lange ärgerte sich bei MagentaTV vor allem über die Ballverlust-Flut. „24 Turnover. Allein die Zahl ist schon zu hoch. Aber vor allem, welche Turnover wir hatten, ist unnötig und die konnten wir uns nicht erlauben, um mitzuhalten. Bestimmt 12 Ballverluste waren völlig unnötig und der Schwachpunkt.“

Kapitänin Marie Gülich machte aus ihrem Frust auch keinen Hehl. „Es ist natürlich frustrierend mit den ganzen Turnovers. Die waren jedes Mal ein Schlag ins Gesicht und haben sehr viel Energie gekostet. Es wurde dann zu Wut. Das Verlieren ist kein Problem, die (Französinnen, Anm. d. Red.) sind krass. Für mich geht es eher darum, wie man verliert. Morgen geht es aber noch um was. Das nehmen wir als Motivation mit als Tritt in den Allerwertesten, dass wir besser auf den Ball aufpassen.“

DEINE MEINUNG

Auch Emma Eichmeyer wusste um die Probleme mit dem Ballvortrag. „Es war super hart. Ich glaube, Frankreich ist da ein besonderer Gegner, weil sie auf allen Positionen die Athletik haben. Vor so einer Kulisse dürfen uns die Nerven aber nicht durchbrennen. Das ist uns leider passiert. Wir müssen stärker mit dem Ball sein. Das können wir auch eigentlich. Wenn man das vergleicht mit anderen Spielen gegen Frankreich, dann sieht man trotzdem, dass wir einen Schritt nach vorne gemacht haben und phasenweise extrem gut waren.“

Dirk Nowitzki tröstete Leonie Fiebich
Dirk Nowitzki tröstete Leonie FiebichDirk Nowitzki tröstete Leonie Fiebich© IMAGO/DeFodi Images

Guard Alexandra Wilke fügte an: „Wir haben sehr lange mitgehalten, das hat sich aber nicht so angefühlt. Schon in der ersten Hälfte hat es sich viel schlimmer angefühlt als der Score war. Am Ende ist dann auch egal, ob man mit einem oder 20 Punkten verliert. Es gilt jetzt, dass wir schnell umschalten wie am Anfang nach dem Spanienspiel. Man muss sich auf die positiven Dinge fokussieren.“

Der Siegeszug der deutschen Mannschaft hatte vor dem großen Duell mit dem Nachbarn viel Eindruck hinterlassen, auch bei Dirk Nowitzki, der nach Abpfiff direkt tröstete. „Sie haben sich so richtig ins Turnier reingespielt, lassen sich tragen von der Euphorie“, sagte die Basketballikone, Berlin erlebe mal wieder „ein kleines Märchen“. Entsprechend klang auch die Kampfansage von Leonie Fiebich: „Wir sind nicht zu unterschätzen, sind kein Underdog mehr. Alle haben uns jetzt im Visier. Mit uns ist nicht zu spaßen.“

Sabally und Gülich fordern Frankreich

Allerdings war die Bilanz mit 33 Niederlagen in 42 Duellen vor dem Aufeinandertreffen ziemlich mies, der bislang letzte Sieg gelang 1994. So zog das deutsche Team etwa im Viertelfinale der Sommerspiele von Paris den Kürzeren (71:84), auch in der (außer Konkurrenz bestrittenen) WM-Qualifikation im Frühjahr (63:85). Es galt, das auszublenden – und an die zuletzt gezeigten Leistungen anzuknüpfen.

Es gelang. Zwar leisteten sich die DBB-Frauen im ersten Viertel viele Fehler und zu viele Turnovers (4), hielten das Spiel aber offen. In der Offense ging viel über Nyara Sabally und Kapitänin Marie Gülich, die den Weltranglistenzweiten unter dem Korb vor Schwierigkeiten stellten. Fiebich versenkte ihre ersten zwei Dreier. Doch der Angriff stockte im weiteren Spielverlauf, Ballverluste blieben ein Problem, Frankreich um Starspielerin Gabby Williams ging mit einer knappen Führung in die Pause.

Der Start in die zweite Hälfte misslang vor 12.650 Zuschauern in ausverkaufter Halle völlig, die Französinnen erarbeiteten sich die erste zweistellige Führung (49:38/22.), legten einen 9:0-Run hin. Sabally beendete ihn, ließ direkt einen Dreier folgen. Aber der Druck des Favoriten auf den Ball blieb enorm hoch, nach dem 18. (!) Turnover des Gastgebers stellte Williams auf 60:47 (29.).

Frankreich entzaubert Deutschland

Im Schlussviertel stemmten sich die Lange-Schützlinge nach Kräften gegen die drohende Niederlage, Emily Bessoir verkürzte auf neun Punkte (60:69/35.). Doch Frankreich hatte immer eine Antwort, wackelte nicht und verdiente sich den Sieg.

Beste Werferin gegen Frankreich mit Topcscorerin Williams (22 Punkte), das im Turnier erstmals weniger als 90 Punkte verbuchte, waren Sabally und Gülich mit jeweils zwölf Punkten. Nun gilt es, die nächste Chance zum Gewinn einer Medaille zu nutzen. Aber selbst bei einer weiteren Niederlage ist es das erfolgreichste Abschneiden der WM-Geschichte. 1998 war bei der WM-Premiere (ebenfalls in Deutschland) die Qualifikation für die damals ausgespielte Zwischenrunde gelungen, mit dem Viertelfinaleinzug wurde es nichts. Die DDR-Auswahl hatte 1967 bei ihrer einzigen Teilnahme den vierten Platz belegt.