Als wäre sie nie weg gewesen
DBB-Frauen schreiben Geschichte: "Fühlt sich einfach geil an!"
Deutschland will im WM-Viertelfinale gegen Belgien weiter Geschichte schreiben. Mit dabei helfen will Kapitänin Marie Gülich, die bisher ein überragendes Turnier spielt. Bis zur WM erlebte sie eine lange Leidenszeit.
Marie Gülich erlebte mit der deutschen Basketball-Nationalmannschaft schon so ziemlich alles. Sie spielte in wichtigen Pflichtspielen nur vor wenigen hundert Zuschauern, ist für ihr Team jetzt aber auch im Hexenkessel von Berlin bei der Basketball-WM der wichtige Anker.
Auch weil Gülich die schweren Zeiten im deutschen Frauen-Basketball erlebte, ist die Freude bei der Kapitänin nach dem historischen Einzug ins WM-Viertelfinale so groß: „Es ist ein geiles Gefühl, diese Spiele zu gewinnen. Für mich heißt es, immer weiterzumachen. Ich will gar nicht so darüber nachdenken, was das so bedeutet.“
Dass dieser Erfolg gelingen konnte, daran hat auch Gülich einen extrem hohen Anteil. Beim souveränen 94:56-Sieg erzielte die Leaderin 19 Punkte und fünf Rebounds in nur 16 Minuten.
Für ihre tolle Leistung bekam sie dafür auf SPORT1-Nachfrage ein Sonderlob von Bundestrainer Olaf Lange: „Sie ist enorm wichtig, weil sie immer extrem präsent ist. Sie punktet sehr konstant in der Zone. Da kann man als Trainer nur von träumen.“
Basketball-WM: Gülich fiel verletzt über ein Jahr aus
Die Leistung der 32-Jährigen bei der laufenden WM ist umso bemerkenswerter, weil sie erst kurz vor dem Turnier nach einer schweren Verletzung zurückkehrte. Die Kapitänin hatte sich im Juni 2025 kurz vor der Heim-EM einen Kreuzbandriss zugezogen.
Beim ersten Testspiel gegen Tschechien hatte sie die Verletzung erlitten und unter Tränen das Parkett verlassen. Der erste Traum vom großen Turnier zu Hause platzte und auch die WM schien aufgrund der Schwere der Verletzung in Gefahr.
Über ein Jahr fiel sie anschließend aus und kämpfte sich in anstrengenden Einzelschichten zurück auf das Feld. Erst in der WM-Vorbereitung gegen Spanien spielte sie erstmals seit der Verletzung. Von Rückstand ist seitdem wenig zu sehen. „Ich bin echt begeistert, wie sie spielt. Natürlich weiß ich, wie gut Marie ist. Aber nach zwölf Monaten Verletzung ohne Spielpraxis dann so effizient zu sein, ist eine herausragende Leistung“, unterstrich Lange.
Und Gülich selbst? Die wurde richtig emotional, als SPORT1 sie auf ihren schweren Weg zurück aufs Top-Niveau ansprach. „Ich freue mich sehr darüber“, sagte die Kapitänin und musste dann emotional ergriffen kurz durchatmen: „Es war ein langer Weg und ich bin manchmal ein wenig überrascht von mir, dass ich so gar nicht über mein Knie nachdenke. Aber ich habe so Bock, Basketball zu spielen und mit diesem Team auf dem Feld zu stehen.“
Gülich? „Sie lebt ihren Traum“
Diese Freude ist Gülich bei der WM täglich anzumerken und trägt sie trotz der langen Pause zu ihrer aktuellen Höchstleistung. 11,8 Punkte erzielt die 32-Jährige bisher im Schnitt.
Damit liegt sie in der internen Scoring-Wertung auf Rang zwei. Nur WNBA-Spielerin Frieda Bühner scort aktuell mehr (15,3 Punkte). Mit ihren 11,8 Punkten übertrifft Gülich, die aktuell in Australien unter Vertrag steht, aber die WNBA-Spielerinnen Nyara Sabally, Leonie Fiebich und Luisa Geiselsöder.
Letztere adelte Gülich im Gespräch mit SPORT1: „Sie war heute überragend. Marie ist einfach eine Ballerin. Es war krass, sie heute so zu sehen. Sie ist eine Person, zu der ich schon immer aufgeschaut habe.“
„Sie jetzt wieder so gut zu sehen und zu sehen, wie viel Spaß sie hat, ist besonders. Sie lebt ihren Traum und das sieht man ganz deutlich. So aus der Verletzung rauszukommen ist extrem krass. Deswegen bin ich sehr stolz auf sie und einfach froh, dass sie so ein Turnier spielt“, ergänzte Geiselsöder.
Gülich nimmt als Kapitänin spezielle Rolle ein
Obwohl Gülich aktuell auf dem Court überzeugt, ist sie in ihrer Führungsrolle abseits des Feldes fast noch wichtiger für das junge deutsche Team.
„Sie ist unsere Kapitänin und unsere emotionale Leaderin. Sie findet einen guten Ton mit jeder Spielerin. Da braucht es auch nicht immer denselben Ton. Marie ist unglaublich wichtig für uns. Ohne sie geht es nicht“, lobte Cheftrainer Lange.
Auch Geiselsöder ist voll des Lobes: „Marie ist einfach eine lebensfrohe Natur. Sie macht jeden Blödsinn mit und hat einfach Spaß, hier zu sein. Diesen Spaß bringt sie dann sehr gut rüber und überträgt ihn auch auf die Mannschaft. Das ist sehr, sehr wichtig für uns.“
Mit ihrer Erfahrung und ihrer positiven Energie sorgte sie zudem indirekt auch mit für die Leistungsexplosionen von Bühner und Geiselsöder. Als es für die beiden WNBA-Spielerinnen zu Turnierbeginn nicht lief, nahm die 32-Jährige die beiden zur Seite und sprach ihnen Mut zu. Diese lieferten anschließend ihre beste Turnierleistung.
Speziell diese Gespräche seien ihr „extrem wichtig“. Gülich erklärte bei SPORT1 ihr Verständnis einer guten Kapitänin: „Ich weiß, wie viel Druck man empfinden kann. Ich glaube, ich habe einfach mehr Erfahrung und eine andere Perspektive. Ich merke, die wollen so viel geben und manchmal muss man nur einen kurzen Perspektivwechsel haben und dann läuft es auch wieder. Wenn ich das so weitergeben kann, bin ich sehr froh. Wir haben so viele talentierte Spielerinnen und ich möchte, dass die auf dem Spielfeld einfach frei sein können und ihr Ding machen können. Dann ist es einfach geil für uns.“
Gülich glaubt an Sieg gegen starke Belgierinnen
Und Gülich selbst? Sie sei nach der langen Leidenszeit einfach froh, rechtzeitig für das Highlight ihrer Karriere fit geworden zu sein. Deshalb versuche sie jeden Tag bei der WM zu genießen.
Die WM-Reise soll auch am Donnerstag noch nicht zu Ende sein, wenn Deutschland auf Belgien trifft (ab 17.45 Uhr im LIVETICKER). Gegen den Europameister gab es in den vergangenen Jahren so einige Schlachten.
„Es wird sehr hart. Wir haben schon sehr oft gegen sie gespielt. Bei Olympia haben wir gewonnen, aber davor haben wir eigentlich immer nur verloren“, erinnerte sich Gülich, betonte aber: „Wir sind inzwischen ein anderes Team. Das macht einfach Bock zu wissen, dass wir da jetzt reingehen und nicht mehr das Team von vor drei, vier Jahren sind. Jetzt sind wir eine Mannschaft, die auf diesem Level mitspielen kann.“
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Die erfahrene Kapitänin wird auch vor und während des Spiels gegen die favorisierten Belgierinnen vorangehen und schickt auch noch eine Kampfansage raus: „Ab jetzt kann alles passieren.“