Marc Márquez. Eine Name, der viele Jahre für höchste Erfolge im Motorradsport stand. Acht Weltmeistertitel hat der Spanier errungen, 139 Mal stand der 30-Jährige auf dem Podest.

Von all den glorreichen Erfolgen der Vergangenheit ist aktuell aber kaum noch etwas zu sehen. Vielmehr bereitet Márquez seinem Team, Experten und Fans derzeit Sorgen.

Vor gut einer Woche erlebte der Honda-Fahrer, der in dieser Saison in der WM-Wertung auf Platz 19 steht, auf dem Sachsenring Tage zum Vergessen. Sage und schreibe fünfmal stürzte er an nur einem Rennwochenende. So verlor er unter anderem im zweiten freien Training die Kontrolle über seine Maschine und rutschte in den Franzosen Johann Zarco hinein. Dessen Ducati wurde dabei in zwei Teile gerissen.

Marc Márquez: Fünf Stürze am Sachsenring

Auch am Samstag ging es höchst unschön weiter: Innerhalb von nur 20 Minuten stürzte er im Qualifying drei Mal. Dazu kam ein Sturz im Warm-Up vor dem Großen Preis von Deutschland am Sonntag. Ein verstauchter Knöchel, ein Bruch am linken Daumen und eine Rippenverletzung lautete die Bilanz, am Rennen nahm er in der Folge nicht mehr teil.

Doch trotz seiner Sturzserie versuchte sich Márquez am vergangenen Wochenende im belgischen Assen erneut. Von Erfolg gekrönt war seine Mission dabei aber mitnichten. Im Gegenteil. Zwar unterzog er sich nach seinem Desaster-Wochenende in Deutschland gründlichen Untersuchungen, vor allem seine Rippe bereitet ihm aber auch weiterhin Probleme.

So teilten die zuständigen Ärzte in Madrid zunächst mit, es handle sich um einen kleinen Riss, die Schmerzen wurden aber täglich schlimmer. „Ich habe in der Nacht auf Sonntag nicht geschlafen und entschieden, dass ich nicht fahren würde. Am Morgen bin ich direkt ins Medical Centre, um mitzuteilen, dass ich so nicht fahren kann. Sie haben die Rippe erneut angeschaut, es ist tatsächlich eine gebrochene Rippe. Auch wenn es sich nur zwei Millimeter bewegt, es ist eine Fraktur“, so der Spanier.

Keine Teilnahme am Rennen in Assen

Für Teammanager Alberto Puig eine schwierige Situation: „Marc entschied sich aus eigenem Antrieb hierherzukommen. Er war angeschlagen. Nach fünf Stürzen in Deutschland kann man sich das vorstellen. Aber im Laufe des Wochenendes wurde es schlimmer. Er ging heute Morgen zum Arzt, und es war nicht möglich“, äußerte er am Sonntag.

Nach dem verpassten Deutschland-GP wurde es also auch mit dem Rennen in Assen nichts. Márquez bleibt ob seiner Pechsträhne dennoch positiv. Vor allem, weil in der Moto-GP eine fünfwöchige Sommerpause ansteht. „Jetzt habe ich eineinhalb Monate Zeit, um alles wieder aufzubauen – auf der körperlichen und mentalen Seite.“

Das dürfte auch bitter nötig sein. „Ich befinde mich im schwierigsten Moment meiner Karriere“, gab der Spanier offen zu: „Ich habe aber gleichzeitig das große Glück, in meinem Privatleben einen meiner besten Momente zu erleben. Ich habe ein sehr gutes und stabiles Team um mich. Das hilft mir sehr, weiter zu pushen und weiter daran zu glauben, dass ich es schaffen kann.“

Zukunft bei Honda?

In der MotoGP-Szene wird nach all den Rückschlägen und wiederkehrenden Stürzen bereits spekuliert, Márquez und Honda könnten getrennte Wege gehen. Teammanager Puig sorgte in diesem Zusammenhang mit seinen Aussagen nicht unbedingt dafür, dass die Spekulationen an absehbarer Zeit verstummen werden.

Zwar ist der Spanier noch bis 2024 an das Team gebunden, ob er seinen Vertrag aber wirklich bis zum Ende erfüllt, daran bestehen erhebliche Zweifel. So erklärte Puig auf die Frage, ob er selbst an eine Erfüllung des Vertrages glaubt: „Das muss ich glauben, denn wir haben einen Vertrag. Aber zu dieser Frage muss ich sagen, dass ich denke, dass jeder Mensch frei ist, das zu tun, was er im Leben will.“

Und weiter: „Honda ist kein Unternehmen, das Leute an sich binden will, die sich bei Honda nicht wohlfühlen. Natürlich haben wir einen Vertrag mit ihm, aber Honda respektiert Marc sehr. Ich möchte daran glauben, basierend auf dem Vertrag, aber ich habe keine magische Kugel.“

Keine Zeit für Entscheidungen

Der achtmalige Weltmeister ist ob seiner eigenen Verfassung derzeit nicht in der Stimmung, Entscheidungen zu fällen. „Ich bin an einem Tiefpunkt und kann nicht darüber nachdenken. Wenn man in diesem Zustand ist, kann man nicht über seine Zukunft oder andere Dinge entscheiden.“

Vielmehr zeigt sich der 30-Jährige bemüht, wieder gesund auf sein Gefährt zurückzukehren – wenn auch unter angepassten Bedingungen.

„Natürlich muss ich die Herangehensweise ein wenig ändern, denn im Moment sind wir nicht bereit, um die Spitze zu kämpfen“, fasste er die Situation bei Honda zusammen. „Und wenn etwas nicht bereit ist, dann muss man es akzeptieren.“

An seinen allerhöchsten Zielen und dem Anspruch an sich selbst ändert das allerdings nichts: „Ich werde versuchen, auch in Zukunft in jeder Situation weiter zu pushen. Ihr kennt mich, ich werde versuchen, mein Bestes zu geben, egal welcher Ort, welche Farben, welcher Name, welche Position. Ich werde immer an mein Maximum gehen.“