Was hat Ferrari dem Renngott nur angetan?
Fest steht: Die Pleiten-Serie der Scuderia in der Formel 1 hat sich auch beim Grand Prix in Miami fortgesetzt. Die Plätze fünf für Carlos Sainz und sieben für Charles Leclerc (sowohl in Miami als auch der WM-Tabelle) sind weit entfernt vom eigenen Anspruch des Traditionsteams aus Maranello, das nun schon seit 2008 auf einen Fahrer-WM-Titel wartet.
Doch so wird das nichts mit dem Erfolg. Leclerc warf seinen roten Renner im Training und Qualifying gleich zweimal in die Mauer der Florida-Strecke. Nicht die ersten Fehler des einst so hochgelobten Monegassen. Auch im Training von Saudi-Arabien verlor er die Kontrolle über seinen Ferrari. Beim Start zum GP Australien kollidierte er mit Lance Stroll und schied aus.
Leidet Leclerc in besonderem Maße unter den massiven Macken seines Boliden? Oder muss er sich selbst mehr hinterfragen?
- Fahrerwertung Formel 1
- Teamwertung Formel 1
- Formel 1 Kalender
- Formel 1 Liveticker
- Ergebnisse der Formel 1
Leclerc und auch Sainz klagt über Ferrari-Boliden
Leclerc selbst sah nach dem Großen Preis von Miami sah Leclerc die Wurzel des Übels bei seinem SF-23. „Uns fehlt massiv der Speed im Rennen“, sagte Leclerc bei Sky. „Ich habe nach dem Rennen mit Carlos gesprochen und wir waren uns einig, dass das Auto sehr inkonstant ist und dass es praktisch unmöglich ist, ans Limit zu gehen. Das Auto ist unheimlich windempfindlich. In der einen Kurve hast du Untersteuern und in der nächsten Kurve Übersteuern. Dazu bin ich ständig aufgesetzt. Das ist komisch und das müssen wir checken.“
Die schmerzhafte Schlussfolgerung des ehemaligen Teamkollegen von Sebastian Vettel: „Red Bull ist eine Liga für sich, aber wenn man sich Aston Martin oder Mercedes anschaut, sieht man, dass sie schneller sind. Unsere Pace ist im Qualifying da, aber im Rennen sind wir viel zu weit hinten.“
Eine Situation, die auch beim Teamkollegen Patzer provoziert. Bei der Einfahrt in die Boxengasse verbremst sich Carlos Sainz, bekommt eine Fünf-Sekunden-Strafe. „Ich habe es am Boxeneingang einfach übertrieben“, räumt der Spanier ein: „Es hat mich Gott sei Dank keine Plätze gekostet, da ich genügend Abstand hatte.“
Dann legt auch er den Finger in die Ferrari-Wunde: „Wir haben großen Reifenverschleiß und das Auto ist nicht konstant. Es vergibt aktuell keinen Fehler.“ Für Sky-Experte Ralf Schumacher sind solche einseitigen Schuldzuweisungen der Fahrer fehl am Platz.
Schumacher: „Williams hätte mir die Ohren langgezogen“
„Das Auto ist nicht top, aber besser, als es dasteht“, glaubt der Deutsche und nimmt Leclerc und Sainz in die Pflicht: „Ein Fahrer verbremst sich am Boxeneingang, der andere beendet kaum eine schnelle Runde ohne Crash. Frank Williams hätte mir die Ohren langgezogen!“, meint Schumacher in Erinnerung an seinen legendären, 2021 verstorbenen Teamchef aus aktiven Zeiten. Die Tendenz sei „einfach nicht gut“.
Immerhin einer bewahrt Ruhe: Teamchef Frederic Vasseur. „Es ist deutlich, dass es zu viel Auf und Ab geht“, betont der Franzose, ohne seine Fahrer für die Fehler verbal zu ohrfeigen. „Wir müssen aber auch das Positive sehen. Positiv war, dass die Pace im Qualifying okay war. Wir waren gestern in einer guten Position, aber heute im Rennen hat die Konstanz gefehlt. Wir hatten am Anfang ein paar gute Runden. Der erste Teil des Rennens war bei Carlos okay und der letzte Teil bei Charles. Aber du brauchst die Konstanz über die kompletten 57 Runden. Das hat nichts mit Reifen oder Verschleiß zu tun, sondern mit Konstanz.“
Und die müssen vor allem auch die Fahrer wieder finden. Am besten schon im nächsten Rennen in der Emilia-Romagna.