Sie erscheinen in der Formel 1 als unverbrüchliches Duo – eine Einheit, zwischen die kein Blatt passt und die seit Jahren harmoniert, nicht zuletzt angesichts zahlreicher Titel. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Formel 1)
Nun aber hat Mercedes-Teamchef Toto Wolff eingestanden, dass seine nunmehr achtjährige berufliche Beziehung zu Lewis Hamilton keineswegs immer einen derart stabilen Status besaß.
In der Times berichtete der Österreicher über einen Tiefpunkt, als sein inzwischen siebenmaliger Weltmeister 2016 im WM-Kampf 2016 vom damaligen Teamkollegen Nico Rosberg besiegt worden war und daraufhin nur widerwillig an einer Weihnachtsfeier teilnahm, die in Wolffs Herrenhaus in Oxfordshire stattfand.
Offenkundig drohte auch eine Trennung.
In seiner Küche nahm Wolff den F1-Piloten ins Gebet und sagte ihm klipp und klar, er (Hamilton, Anm. d. Red.) und Mercedes müssten viel mehr als Team agieren und nicht nach persönlichen Zielen, um erfolgreich zu sein.
Mercedes: Wolff über Krisengespräch mit Hamilton
„Du willst als Fahrer gewinnen, ich will als Team gewinnen. Manchmal führen unsere unterschiedlichen Agenden zu Konflikten und wir müssen entscheiden, ob wir mit dieser Situation fertig werden können“, so Wolff über seinen damaligen Wortlaut. (DATEN: Die Teamwertung der Formel 1)
Der Mercedes-Boss hielt Hamilton dabei auch eine Parallele aus seiner Ehe vor Augen: Er (Wolff, Anm. d. Red.) und seine Frau Susie seien sich in vielen Dingen nicht einig, was aber keineswegs bedeute, dass man sich scheiden lassen muss.
Ähnlich verdeutlichte Wolff seinerzeit Hamilton, weiterhin an ihm festhalten zu wollen, weil er den Briten für den besten Fahrer der Welt halte.
Laut der englischen Zeitung "The Sun" soll Lewis Hamiltons Beziehung zu Model Camila Kendra vorbei sein. Offiziell waren beide allerdings nie ein Paar.
„Wir sind in diese Diskussion irgendwie auf Kriegsfuß geraten und haben uns dann, nach vier oder fünf Stunden in der Küche, auf einer ganz anderen Ebene wiedergefunden“, so Wolff weiter. (DATEN: Die Fahrerwertung der Formel 1)
Der 50-Jährige deutet auch an, vor welch große Zerreißprobe die erbitterte Rivalität zwischen Hamilton und Rosberg das Team damals gestellt hatte – unter anderem auch wegen einer Kollision 2016 in der vorletzten Runde beim Großen Preis von Österreich.
Rivalität mit Rosberg wird zum Problem
Wolff stauchte die Kontrahenten daraufhin vor versammelter Mannschaft zusammen. (DATEN: Der Rennkalender der Formel 1)
„Nach dem Rennen habe ich verlangt, dass beide Fahrer dorthin kommen, wo sich alle Ingenieure versammeln. Ich sagte ihnen: ‚Seht euch alle hier im Raum an, wie lasst ihr sie alle aussehen?!‘ Ich habe einige harte Worte benutzt, die ich nicht wiederholen kann.“
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„Ich sah die Ingenieure auf den Boden schauen, die Fahrer auf den Boden schauen – und fügte an: ‚Das nächste Mal, wenn ihr euch gegenseitig von der Straße drängen wollt, denkt an all die Gesichter hier, und dann überlegt ihr es euch zweimal.‘ Und ich sagte ihnen, dass ich, wenn es noch einmal passieren sollte, nicht zögern würde, sie aus dem Auto zu holen“, so Wolff. „Ich sagte: ‚Fordere mich nicht heraus – du willst nicht herausfinden, wozu ich fähig bin.‘“
Wolff gesteht psychischen Leidensdruck
Wolff gab sich in dem Gespräch mit der Times auch über vermeintlich persönliche Schwachpunkte sehr offen.
„Ich habe psychisch gelitten, ich tue es immer noch. Hilfe zu bekommen ist eine Möglichkeit, meine Probleme zu überwinden, und es hat mir geholfen, auf ungenutztes Potenzial zuzugreifen.“
Der Mercedes-Teamchef geht wegen mentaler Schwierigkeiten „seit 2004 zu einem Psychiater, ich glaube, ich hatte mehr als 500 Therapiestunden.“
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Wolff fügte an: „Ich hatte nie Probleme mit dem Stigma. Einige der erfolgreichsten Menschen sind sehr, sehr sensibel und sehr, sehr sensibel bedeutet sehr, sehr verletzlich.“
Er wolle zwar nicht „zu sehr ins Detail“ gehen, wie es ist, „sich deprimiert, sich unzulänglich“ zu fühlen. Wolff machte aber deutlich: „Alles hängt davon ab, wie man sich selbst wahrnimmt. Aber auch hochkarätige, erfolgreiche Leute, die alles zu haben scheinen, haben Probleme.“