Die rechte Hand umklammerte den ersehnten Pokal, mit der linken winkte Philipp Öttl immer wieder seinem jubelnden Team zu:
Nach einem völlig verrückten Rennen auf der Traditionsstrecke von Indianapolis freute sich der 19 Jahre alte Motorrad-Pilot nicht nur über einen gelungenen Taktik-Coup, sondern 20 Jahre nach dem letzten Sieg seines Vaters auch über das erste WM-Podest seiner Karriere.
„Ich weiß gar nicht, was ich dazu sagen soll. Vom letzten Startplatz traut man sich kein Podest zu. Ich hatte nichts zu verlieren – mit dem Podest hatte ich aber nicht gerechnet“, sagte Öttl bei speedweek.com über seinen dritten Rang.
Taktik-Coup direkt nach dem Start
Oft schon hatte der KTM-Pilot im Training sein Potenzial angedeutet, nun hatte er auch im Moto3-Rennen endlich das nötige Glück.
Und natürlich das Können. Als entscheidend erwies sich ein Gedankenblitz kurz vor dem Start: Nach einem Sturz im regennassen Training musste Öttl ohnehin vom 34. und somit letzten Platz starten.
Nach der Aufwärmrunde gönnte er sich daher die Zeit, anders als die Konkurrenz auf Trockenreifen zu wechseln. Ein klarer Vorteil auf der nun abtrocknenden Strecke, nach fünf Runden war der Oberbayer aus Ainring schon Sechster.
„Nach dem Reifenwechsel bin ich nicht davon ausgegangen, dass ich noch bis aufs Podium nach vorne komme. Aber heute haben wir als Team alles richtig gemacht“, sagte Öttl, der schnell sogar die Spitze im Blick hatte: „Ich war sehr früh auf Rang drei und habe versucht, noch weiter aufzuholen.“
Erinnerungen an Vater Peter Öttl
Viele fühlten sich spätestens jetzt an Vater Peter Öttl erinnert. Der Bayer war von 1982 bis 1997 bei mehr als 100 WM-Rennen an den Start gegangen, immerhin fünf Siege standen am Ende der Karriere zu Buche.
Seinen letzten feierte er am 26. Mai 1996 in Mugello, Söhnchen Philipp war damals drei Wochen als – und trat nun, 19 Jahre und drei Monate später, in seine Fußstapfen.
Beinahe wäre es in Indianapolis aber doch noch schief gegangen. Kurz vor Schluss begann es plötzlich wieder zu tröpfeln, Philipp Öttl half nur noch ein Stoßgebet. „Ich dachte nur: Bitte lass es nicht regnen“, sagte der Hoffnungsträger des Schedl GP Racing Team nach dem Rennen: „Ich wollte auf keinen Fall einen Sturz riskieren – und habe daher meinen großen Vorsprung verwaltet.“
Mit Erfolg: Nach 23 Runden fuhr Öttl als Dritter über die Linie – und durfte sich wenig später feiern lassen. Mit dem ersehnten Pokal in der Hand.