Thomas Apel rang um Worte, doch schließlich entschied sich der Cheftrainer der deutschen Slalomkanuten, jegliche Zurückhaltung über Bord zu werfen. „Ich muss auf Deutsch gesagt feststellen: Wir wurden verarscht“, sagte Apel nach einem enttäuschenden Tag bei der WM in Oklahoma City und fügte „mächtig angefressen“ hinzu: „Wir wurden einer Medaillenchance beraubt.“

Was war passiert? Noah Hegge wähnte sich nach einer guten Vorstellung im Kajak-Einer bereits im Endlauf, bekam nach einer umstrittenen Juryentscheidung wegen eines angeblich nicht korrekt befahrenen Tores aber 50 Strafsekunden aufgebrummt. Ein Einspruch blieb erfolglos, und da Tokio-Olympiasiegerin Ricarda Funk knapp am Podest vorbeipaddelte, vor allem Frust im deutschen Team zurück.

„Es tut gerade einfach nur weh. Ich habe schon auf eine Medaille geschielt – und die wäre drin gewesen“, sagte Funk: „An und für sich habe ich mich gut gefühlt. Ich war auf Angriff gepolt, leider habe ich beim ersten Move direkt Zeit verloren.“ Die viermalige Weltmeisterin musste sich beim Sieg ihrer ewigen Rivalin Jessica Fox (Australien) mit Platz fünf begnügen. 0,78 Sekunden fehlten zu Bronze.

Ein Lauf von Noah Hegge sorgt für Ärger
Ein Lauf von Noah Hegge sorgt für ÄrgerEin Lauf von Noah Hegge sorgt für Ärger© IMAGO/DiZ-PiX

Slalomkanuten: „Man darf jetzt nicht in Panik verfallen“

Für die übrigen deutschen Kajakboote war schon im Halbfinale Schluss. Das schwache Abschneiden wiegt mit Blick auf die Quotenplätze für die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028 schwer. Dann sollen die Wettkämpfe ebenfalls in Oklahoma City stattfinden, allerdings werden die Olympiarennen voraussichtlich nicht auf der WM-Strecke, sondern auf dem zweiten Kanal in OKC ausgetragen.

„Man darf jetzt nicht in Panik verfallen“, sagte Bundestrainer Apel, stellte aber ernüchtert fest: „Die Kajakmänner haben ihr erstes Streichergebnis schon gesammelt.“ Mehr Ausfälle oder fragwürdige Juryentscheidungen des Weltverbandes ICF sollten in der Olympia-Qualifikation nicht mehr hinzukommen.

Die Strafe für den Augsburger Hegge beschäftigte Apel noch lange. „Das war sehr schwer nachzuvollziehen, wie da die Regelauslegung in der ICF vonstattenging. Solche Situationen passieren am Wettkampfwochenende wahrscheinlich 50-mal, jetzt wurde im Halbfinale damit angefangen. Das war schon ziemlich schwer zu verdauen“, sagte er.

Noch sind die Weltmeisterschaften für die Kajakfahrer nicht vorbei, im Kajakcross, das seit Paris 2024 olympisch ist, geht es am Samstag um Medaillen. „Dann heißt es, Ellenbogen ausfahren und kämpfen, was das Zeug hält“, sagte Funk.