Sein Ziel war klar gesteckt: Arda Saatci wollte innerhalb von 96 Stunden mehr als 600 Kilometer vom Death Valley bis nach Los Angeles zurücklegen. Trotz extremer Hitze, Schlafentzugs und körperlicher Belastung. Insgesamt entspricht das einer Strecke von über 14 Marathons in nur vier Tagen.
Doch dieses ambitionierte Vorhaben konnte der deutsche Extremsportler mit türkischen Wurzeln letztlich nicht wie geplant umsetzen. Als ihm das während der Challenge bewusst wurde, wurde es emotional, wie er nun berichtete.
„Erstmal war die Frage an mich: Warum hat es nicht funktionert? Dann fängt man an, an sich selbst zu zweifeln und zu fragen, was man hätte besser machen können“, erklärte Saatci im SPORT1-Podcast Deep Dive: „Man reflektiert und sagt: Okay, eigentlich hast du alles gegeben. Ich hätte den Berg hoch sprinten können, aber was wäre danach passiert? Dann wären meine Beine vielleicht komplett zu gewesen und ich wäre nicht bis zu den 600 Kilometern gekommen.“
Im Kopf ging er jede mögliche Ursache durch, stellte sich gedanklich einer Abwägung aller Faktoren. „Dann kam eine Enttäuschung hoch. Ich bin ehrlich: In dem Moment ist in meinem Kopf eine Welt zusammengebrochen. Mein Hintergrundbild über mehrere Monate waren 600 Kilometer in unter 96 Stunden. Diese 96 Stunden waren so manifestiert gewesen, so eingebrannt gewesen – mein ganzes Team hat auf die Minute, auf die Sekunde alles gegeben. Sie waren immer da und haben mir alles zugereicht. Und der einzige, der nicht in der Zeit war, war ich“, sagte der 28 Jahre alte Berliner in der aktuellen Folge von Deep Dive – powered by Schauinsland Reisen.
Saatci: „Ich habe mich ein bisschen geschämt“
Die Enttäuschung traf ihn daher besonders hart. „Ich habe mich gegenüber meinem Team ein bisschen geschämt. Deswegen habe ich in dem Moment auch angefangen zu weinen. Weil ich keine Entschuldigung parat hatte“, schilderte Saatci, der während seines Laufs immer wieder mit körperlichen Rückschlägen kämpfte.
Nach rund 60 Stunden nahmen die Probleme zu, er verlor zunehmend die Kontrolle und begann zu torkeln. Das medizinische Team griff ein und untersuchte ihn, eine Zwangspause war unvermeidbar. Doch der Extremsportler gab nicht auf, biss die Zähne zusammen und setzte sein außergewöhnliches Projekt fort.
Ein vorzeitiger Abbruch kam für ihn zu keinem Zeitpunkt infrage. „Nachdem ich diese Gedanken hatte, war mir schnell klar, dass ich es trotzdem zu Ende bringen werde. Ich war in meinem Leben oft nicht in der perfekten Zeit. Schon in der Schule nicht, ich bin zweimal sitzengeblieben. Das ist wie ein roter Faden, der sich durch mein Leben gezogen hat. Aber für mich war immer klar: Ich habe immer weiter gemacht, egal wie lange es gedauert hat“, betonte Saatci und lief die gesamte Strecke tatsächlich bis zum Schluss. Bis zum Pier von Santa Monica im Raum Los Angeles blieb er auf den Beinen.
Das motivierte Saatci ganz besonders
Am Ende blieb die Uhr nicht bei den angepeilten 96 Stunden stehen, sondern stoppte nach 123 Stunden, 21 Minuten und 10 Sekunden. Saatci hatte zu diesem Zeitpunkt insgesamt rund 604,6 Kilometer zurückgelegt.
Und doch rückten Zahlen und Rekorde in den Hintergrund. In den finalen Momenten ging es für ihn um etwas viel Persönlicheres: das Wiedersehen mit seiner Mutter. „Sie ist extra nach Amerika geflogen“, erzählte Saatci und ergänzte: „Ich konnte sie da nicht einfach sitzen lassen. Ich habe ihr versprochen, dass ich mit ihr am Muttertag ein Eis esse.“
So sah das Fazit des „Cyborgs“, wie ihn seine Fans liebevoll nennen, dennoch positiv aus. „Ich bin stolz auf das ganze Team und auf mich selbst. Alles, was ich mache, mache ich für meine Familie. Als meine Familie zu mir sagte: ‚Wir sind stolz auf dich‘, war das für mich auch so“, schilderte Saatci.