Im Fall des verweigerten Dopingtests durch den deutschen Sprinter Owen Ansah hat sich nun auch ARD-Experte Frank Busemann zu Wort gemeldet. Der ehemalige Zehnkämpfer blickt kritisch auf das Verhalten von Ansah: „Das war eine Leichtsinnigkeit, als Profi-Athlet musst du das wissen.“
Ansah droht nach der verweigerten Doping-Kontrolle vom 9. Juli eine vierjährige Sperre. Der deutsche 100-Meter-Rekordhalter hatte die Abgabe einer Probe verweigert, nach eigenen Angaben, weil er auf dem Weg zum Flughafen und bereits spät dran gewesen sei.
Am Folgetag wurde Ansah in Monaco im Rahmen des Diamond-League-Meetings dann auf unerlaubte Dopingmittel kontrolliert. Dabei konnte kein positiver Befund festgestellt werden.
Für Busemann ändert das jedoch nichts an der grundsätzlichen Problematik. „Das tut nichts zur Sache. Es muss die Kontrolle abgegeben werden, wenn die verlangt wird“, betonte der 51-Jährige.
Wirbel um Ansah: Busemann erwartet Sperre
Er führte zudem an, dass es Mittel gebe, die nach einem halben Tag möglicherweise nicht mehr nachgewiesen werden könnten. Eine Kontrolle am Folgetag könne deshalb nicht zwangsläufig bestätigen, dass sich zum ursprünglichen Zeitpunkt der angesetzten Kontrolle keine verbotenen Substanzen im Körper befunden haben.
Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) hat nun, auf Grundlage der verweigerten Doping-Kontrolle, eine Sperre von vier Jahren angesetzt. Auch wenn im Fall Ansah noch keine endgültige Entscheidung gefallen ist, wagte Busemann eine erste Prognose.
„Ich befürchte, dass ich den Ausgang des Verfahrens abschätzen kann. Und das bedeutet eine Sperre, weil die Regularien ganz klar gegeben sind. Wenn der Kontrolleur da war, Blickkontakt hatte, gesagt hat, wir machen jetzt eine Doping-Kontrolle und es wird keine Doping-Kontrolle abgegeben, ist das eine nicht abgegebene Doping-Kontrolle“, erläuterte der frühere Leichtathlet und betonte: „Die Juristerei ist da erbarmungslos.“
Für ihn sei es irrelevant, aus welchem Grund die Kontrolle verweigert worden war. Auch wenn die Gründe Ansahs nachvollziehbar schienen, betonte Busemann, dass die Regeln für alle Athleten gelten müssten und kein Präzedenzfall geschaffen werden dürfe.
Ansah darf trotzdem bei der EM starten
Bei der Leichtathletik-EM in Birmingham geht der deutsche Sprinter trotz des Wirbels an den Start – allerdings nicht in der deutschen Staffel, wie der Deutsche Leichtathletik-Verband (DLV) mitteilte. Da die NADA keine vorläufige Suspendierung ausgesprochen hat, bleibt Ansah trotz des laufenden Verfahrens startberechtigt.
Dass der Sprinter mit einer zusätzlichen Hypothek bei der EM startet, weiß jedoch auch Ex-Zehnkämpfer Busemann. „Mein ganzer Körper kribbelt, wenn ich an diese Situation denke. Es ist eine Situation, in die kein Athlet reingeraten will“, erklärte der ARD-Experte.
Ansah wird am Dienstag über die 100 Meter in sein bis dahin wichtigstes Rennen starten. Wie befreit er trotz aller Umstände an den Start gehen kann, wird sich spätestens dann zeigen.