Es war der 17. August 1993, als Michael Johnson im Stuttgarter Gottlieb-Daimler-Stadion seine Position auf Startbahn drei einnahm. Als Favorit war der US-Amerikaner zu den Leichtathletik-Weltmeisterschaften ins Schwabenland gereist – und dieser Rolle sollte er gerecht werden.

Dabei war der Druck durchaus hoch, startete der in Dallas geborene Athlet in der Einzel-Konkurrenz doch lediglich über die 400 Meter.

Nach gut der Hälfte des Rennens zündete er den Turbo, rannte an einem Konkurrenten nach dem anderen vorbei und überquerte schließlich in 43,66 Sekunden die Ziellinie. Im US-Fernsehen jubelte der Kommentator schon vor der letzten Kurve, Johnson würde „explodieren“.

Johnson mit besonderer WM-Serie

Für den damals 25-Jährigen war es nicht die erste Goldmedaille bei einer WM. Dennoch war der Einzeltitel in Stuttgart der Start einer überaus besonderen Siegesserie. So gelang Johnson das Kunststück, bei vier aufeinanderfolgenden Weltmeisterschaften jeweils über die 400 Meter zu triumphieren.

Nach Gold 1993 in Stuttgart krönte er sich auch 1995 im schwedischen Göteborg, 1997 in der griechischen Hauptstadt Athen und 1999 im spanischen Sevilla zum Champion über diese Distanz.

Michael Johnson (r.) läuft mit großem Vorsprung ins Ziel
Michael Johnson (r.) läuft mit großem Vorsprung ins ZielMichael Johnson (r.) läuft mit großem Vorsprung ins Ziel© IMAGO/Baering

Beim Rennen in Sevilla stellte er mit einer Zeit von 43,18 Sekunden sogar einen neuen Weltrekord auf.

Vier Olympiasiege und acht WM-Titel

Der heute 58-Jährige zählte zu den absoluten Ausnahmeathleten der Geschichte. Zu seinen vier WM-Titel über die 400 Meter kommen vier weitere WM-Goldmedaillen. Zwei über die 200 Meter und zwei mit der Staffel über die 400 Meter.

Und auch auf der olympischen Bühne vermochte er über Jahre hinweg außerordentlich zu glänzen. Bereits bei Olympia 1992 in Barcelona triumphierte er mit der Staffel, vier Jahre später krönte er sich in Atlanta über 200 und 400 Meter zum Doppel-Olympiasieger. In Sydney kam im Jahr 2000 ein weiteres Gold über seine Paradestrecke hinzu.

Insgesamt stellte Johnson alleine oder mit der Staffel während seiner Karriere fünf Weltrekorde auf. Sein Staffelweltrekord, den er mit seinen US-Kollegen bei der WM 1993 in Stuttgart aufstellte, hat sogar heute noch Bestand.

Johnson mit besonderem Laufstil

Der US-Sprinter sorgte abseits seiner unzähligen Titel vor allem mit seinem ungewöhnlichen Laufstil für Aufsehen. Mit aufrechtem Oberkörper und hoher Schrittfrequenz schoss er über die Bahnen, sein dabei schon fast steifer Oberkörper führte immer wieder dazu, dass darüber geschrieben wurde, man könne den Eindruck gewinnen, er habe einen Besenstiel verschluckt.

Erfolg brachte ihm seine Haltung aber ein, auch wenn wieder und wieder Dopinggerüchte seine Karriere pflasterten.

Bei Olympia 2000 gewann er eigentlich Staffelgold, was ihm acht Jahre später wegen des nachgewiesenen Dopings eines Teamkollegen aber aberkannt wurde.

Immer wieder Dopingvorwürfe

Und noch viel pikanter: Bei den Goodwill Games stellte Johnson mit seinen Teamkollegen 1998 eigentlich einen neuen Weltrekord über die 4 x 400 Meter auf. Dieser Rekord hatte auch bis ins Jahr 2008 Bestand, ehe alle drei anderen Sprinter des Dopings überführt wurden.

Johnson konnte als einzigem Athleten nichts nachgewiesen werden. Zweifel blieben dennoch, zumal er Fragen zu der Thematik konsequent auswich.

Nach seinem Rücktritt vom professionellen Leistungssport arbeitete der US-Amerikaner als Trainer und TV-Experte. 2018 erlitt er während eines Trainings einen Schlaganfall, von dessen Folgen er sich eigenen Angaben zufolge aber vollständig erholen konnte.

Eigene Profiliga mutierte zum Flop

Einen weiteren Tiefschlag kassierte zu zudem Jahre später. Mit einer eigenen Profiliga namens Grand Slam Track versuchte Johnson die Leichtathletik zu revolutionieren und populärer zu machen. Die Liga sollte dabei als moderne Alternative zur bereits etablierten Diamond League an den Start gehen.

Ein Erfolg wurde das Projekt aber mitnichten. Bereits kurz nach dem Start geriet es in schwere finanzielle Schwierigkeiten, die Tribünen blieben leer.

Aktuell muss sich Johnson Vorwürfen stellen, sich noch kurz vor dem K.o. der Liga selbst bereichert zu haben.

Insolvenzverfahren mit schweren Vorwürfen

So geht aus einem Antrag von Gläubigern beim US-Konkursgericht im Bundesstaat Delaware hervor, dass sich der viermalige Olympiasieger acht Tage vor dem Zusammenbruch eine Zahlung in Höhe von 500.000 US-Dollar genehmigt haben soll. Und das, obwohl klar war, dass Verbindlichkeiten nicht mehr beglichen werden konnten.

Aktuell läuft das anhängige Insolvenzverfahren, in dem mehrere Sportler behaupten, nicht für ihre Teilnahme an den Wettbewerben entlohnt worden zu sein. Johnson behauptet das Gegenteil.

Die glorreichen Zeiten des einstigen Wunderläufers sind lange vorbei.