Erst Bronze, jetzt Gold: Deutschlands Top-Sprinter Owen Ansah (Hamburg) hat sich sensationell zum Europameister über die 200 Meter gekrönt.

Der 25-Jährige knackte in 19,95 Sekunden die 20-Sekunden-Marke und sicherte sich den ersten großen Titel seiner Karriere – unbeeindruckt vom Damoklesschwert des NADA-Verfahrens gegen ihn, das ihn beide Medaillen nachträglich noch kosten könnte.

Owen Ansah beißt auf Gold
Owen Ansah beißt auf GoldOwen Ansah beißt auf Gold© IMAGO/Beautiful Sports International

Drei Tage nach seinem Bronze-Lauf über 100 Meter stieg Ansah zum ersten deutschen Europameister über 200 Meter seit 44 Jahren auf – 1982 in Athen hatte Olaf Prenzler Gold für die DDR gewonnen. Nach dem Coup des Modellathleten hat das deutsche Team bei den Titelkämpfen nun elf Medaillen auf dem Konto. Allerdings wird seine Zeit nicht als neuer deutscher Rekord anerkannt, weil der Rückenwind mit 2,5 Sekunden pro Sekunde irregulär stark wehte.

„Ich bin mega happy, dass ich die Goldmedaille gewinnen konnte. Mein Trainer hat es mir immer gesagt: ‚Über 200 Meter kannst du mehr reinkommen als über 100 Meter.‘ Über 100 Meter ist es einfach krass, was da in der Weltspitze abgeht. Jetzt glaube ich ihm auch“, sagte Ansah nach dem Rennen bei der ARD.

Owen Ansah: Doping-Frage schwingt weiter mit

Vor diesem Jahr habe er es „nie wirklich geglaubt, dass ich so etwas schaffen kann. Aber ich habe in diesem Jahr wirklich hart gearbeitet und hart trainiert, bin das erste Mal seit 2022 verletzungsfrei durch die Vorbereitung gekommen. Das macht enorm viel aus. Umso glücklicher bin ich, dass es geklappt hat.“

Ansah hatte sich dabei erneut nicht vom Wirbel um seinen mutmaßlich verweigerten Dopingtest beeindrucken lassen. ARD-Reporter Claus Lufen verzichtete derweil auf eine Frage zu den Vorgängen um eine mögliche Sperre. Stattdessen wünschte er Ansah, dass er „als Mensch keinen Schaden nehmen“ solle. Ansah – der am Vortag Lufens ZDF-Kollegin Maral Bazargani stehen ließ, als diese eine Nachfrage zum Doping-Thema stellte – bedankte sich am Ende für das „sehr nette“ Interview.

Die Nationale Anti-Doping-Agentur (NADA) wirft Ansah vor, im Juli einen Dopingtest verweigert zu haben, und fordert eine Sperre von vier Jahren für den deutschen 100-m-Rekordhalter. Ansah weist die Vorwürfe zurück und will gegen die drohende Sperre vorgehen – ein Prozess, der Jahre und viel Geld kosten kann.

Owen Ansahs Auftritt mit großer Spannung erwartet

Da bislang keine vorläufige Suspendierung ausgesprochen wurde, ist Ansah in Birmingham startberechtigt.

Dass Ansah in blendender Verfassung zur EM gereist ist, hatte er schon über die 100 m gezeigt – und sich Bronze geschnappt. Danach wuchs das Selbstvertrauen beim Sportsoldaten noch einmal kräftig, der Glaube an den Titel wurde größer – und im Finale schlug Ansah dann zu. Doch wieder schwingt die Frage mit. Darf er Bronze und Gold behalten?

Sein Auftritt im Alexander Stadium war mit großer Spannung erwartet worden, der Druck immens – doch Ansah präsentierte sich von all dem Wirbel um seine Person gänzlich unbeeindruckt. Elegant und entschlossen flog er zu Gold.

Silber ging an Zharnel Hughes (20,16/Großbritannien), Bronze teilten sich zeitgleich der Italiener Eseosa Desalu und Timothé Mumenthaler aus der Schweiz (20,26). Joshua Hartmann und Kameron Horton (beide Köln) waren im Halbfinale ausgeschieden.


Mit Sport-Informations-Dienst (SID)