Von Jonas Nohe

München/Madrid – Seine Rückkehr auf die große Fußballbühne hatte sich Sami Khedira sicherlich anders vorgestellt.

43 Tage nach dem WM-Finale in Brasilien, das der Mittelfeldspieler mit einer Wadenverletzung kurzfristig verpasst hatte, lief Khedira erstmals wieder in einem Pflichtspiel für Real Madrid auf – und wurde von den Fans im Santiago Bernabeu mit Pfiffen empfangen.

Gründe dafür gab es mehrere: Zum einen lieferten die „Königlichen“ zum Liga-Auftakt beim 2:0 gegen Cordoba CF (News) eine mehr als bescheidene Leistung ab (Primera Division: Ergebnisse und Tabelle).

Zum anderen ersetzte Khedira nach 75 Minuten ausgerechnet Karim Benzema, der mit seinem Tor in der 30. Minute für den bis dahin einzigen Höhepunkt des Spiels gesorgt hatte.

Vor allem aber dürften die seit Wochen andauernden Wechselgerüchte um den deutschen Weltmeister seinem Ansehen beim ohnehin kritischen Publikum in der spanischen Hauptstadt nicht gerade zuträglich gewesen sein.

FC Arsenal, AC Florenz, zwischenzeitlich sogar der FC Bayern: Die Liste der angeblichen Ziele war lang – und erst kurz vor dem Spiel gegen Cordoba sorgte Real-Trainer Carlo Ancelotti für Klarheit.

„Das Thema Khedira ist gelöst: Er bleibt. Er will bleiben, und wir wollen auch, dass er bleibt. Wir sind glücklich zu wissen, dass er bleibt“, erklärte der Italiener.

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Zu mehr als einer Viertelstunde Einsatzzeit ohne nennenswerte Höhepunkte gegen den Aufsteiger reichte es für Khedira dennoch nicht.

Ganz anders als bei Weltmeister-Kollege Toni Kroos. Der 30-Millionen-Euro-Neuzugang vom FC Bayern stand in der Startelf und leistete mit einer maßgenauen Ecke die Vorarbeit zum 1:0 durch Benzema.

„Ich habe mich gut gefühlt“, sagte ein zufriedener Kroos nach dem Spiel dem vereinseigenen Fernsehsender: „Es ist wichtig, das erste Spiel zu gewinnen. Das ist immer schwer, weil man nie weiß, wo man zu Beginn der Saison steht.“

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Tatsächlich war der Mittelfeldspieler einer von wenigen Lichtblicken in einem enttäuschenden Star-Ensemble.

„Wir brauchen mehr Tempo und mehr Rhythmus in unserem Spiel“, forderte daher auch Trainer Ancelotti.

Nur dank des ersten Tores von Benzema im Real-Trikot seit dem Champions-League-Halbfinale gegen den FC Bayern am 28. April verhinderten die Madrilenen einen Fehlstart.

Weltfußballer Cristiano Ronaldo sorgte in der 90. Minute mit seinem 255. Tor im 250. Spiel für die Königlichen immerhin noch für einen einigermaßen standesgemäßen Sieg.

Insgesamt aber blieb die 300-Millionen-Offensive mit Ronaldo, Benzema, Gareth Bale und Neuzugang James Rodriguez gegen defensiv gut geordnete Andalusier über weite Strecken harmlos.

Das Fehlen des kurz vor einem Wechsel zu Manchester United stehenden Angel di Maria machte sich zumindest an diesem Abend noch deutlich bemerkbar.

„Di Maria hat uns viel gegeben und wir müssen ihm für all das dankbar sein“, lobte Innenverteidiger Pepe die Verdienste des Argentiniers, „aber es sind andere gute Spieler gekommen. James spielt schon sehr gut und bringt uns weiter. Kroos macht es auch sehr gut.“

Ob man ähnliche Sätze in Madrid demnächst auch wieder über Khedira hören wird, darf getrost bezweifelt werden.

Am Montagabend sollen Trainer Vincenzo Montella und Sportdirektor Daniele Prade vom AC Florenz das Spiel im Santiago Bernabeu beobachtet haben, offiziell wegen des von der Fiorentina nach Cordoba ausgeliehenen Brasilianers Ryder Matos.

Das Transferfenster aber schließt erst in knapp einer Woche. Und auch wenn Madrids Trainer Ancelotti erklärte, man habe ohnehin schon einen kleineren Kader als im Vorjahr, könnte noch einmal Bewegung in die Personalie Khedira kommen.

Das Gedränge in der Zentrale ist mit Kroos, Luka Modric, Xabi Alonso, Isco und Asier Illaramendi groß – und im Gegensatz zu Khedira sind die meisten seiner Konkurrenten im Mittelfeld flexibel einsetzbar.

Gut möglich, dass die große Fußballbühne für den Weltmeister bald in Florenz aufgebaut wird.

Wie man von den Tifosi der Fiorentina empfangen wird, könnte Khedira schon einmal bei Nationalmannschaftskollege Mario Gomez in Erfahrung bringen.

Jonas Nohe, Jahrgang 1989, aufgewachsen in Kehl am Rhein an der deutsch-französischen Grenze. Ab 2009 Studium der Kommunikations- und Politikwissenschaft mit Bachelor-Abschluss an der LMU München. Von...