Ein 33-jähriger Deutscher stellt derzeit den englischen Fußball auf den Kopf. Mit einem 2:1-Sieg im Viertelfinale des FA Cups gegen den souveränen Tabellenführer FC Arsenal zog Tonda Eckert mit dem FC Southampton ins Halbfinale ein.

Der Zweitligaklub sorgte damit für eine Sensation. In England schon absolut populär ist der Name des Cheftrainers hierzulande kaum bekannt. Und das, obwohl Eckert schon bei einigen Bundesligaklubs tätig war und jahrelang für den DFB arbeitete. Doch alles der Reihe nach.

Tonda Eckert sorgt in England für Aufsehen
Tonda Eckert sorgt in England für AufsehenTonda Eckert sorgt in England für Aufsehen© IMAGO/Shutterstock

Eckert übernahm den Job an der Seitenlinie des FC Southampton im Dezember, nachdem der Premier-League-Absteiger dem Absturz in die dritte Liga immer näher gekommen war und sich von Trainer Will Still getrennt hatte. Der Deutsche übernahm zunächst lediglich als Interimstrainer, da er eigentlich Coach der U21-Mannschaft war. Doch dem neuen Mann gelang es, die Verantwortlichen in seinen ersten beiden Spielen von sich zu überzeugen. Im Anschluss wurde er zum Cheftrainer befördert.

Eckert führt Southampton aus der Abfahrtsspirale

Das Arbeiten auf Topniveau ist für Eckert dabei nichts Neues. Als Co-Trainer war er bereits bei (großen) Klubs wie dem FC Bayern, RB Leipzig oder Genua CFC tätig. Von seinen Vorgesetzten wie Miroslav Klose, Alexander Blessin oder auch Marco Rose lernte er verschiedenste Trainerstile kennen. In Southampton ist er erstmals selbst Chef bei den Profis – und fühlt sich dabei sichtlich wohl.

Nach dem Überraschungserfolg im FA Cup und dem 5:1-Erfolg gegen Tabellennachbarn Wrexham in der Liga ist das Team von Head-Coach Eckert seit beeindruckenden 17 Spielen in Folge ungeschlagen. Inzwischen steht Southampton auf Tabellenplatz fünf und darf tatsächlich wieder vom Aufstieg in die Premier League träumen.

„Wir sind natürlich momentan mit der gesamten sportlichen Situation sehr zufrieden, so auch mit Tonda“, erklärte Southamptons Sportdirektor Johannes Spors bei SPORT1. Dennoch mahnte er: „Aber die wirklich entscheidenden Wochen liegen jetzt noch vor uns. Darauf wollen wir uns konzentrieren.“

Ein deutscher Trainer als fehlendes Puzzleteil

Weil die Siegesserie seit Wochen anhält, wurde Eckert in der Championship fast schon folgerichtig auch zum Trainer des Monats März gewählt. Bereits im Februar wurde ihm diese Ehre zuteil. „Wir haben über die Bedeutung gesprochen, nach dem letzten guten Monat einen weiteren zu machen, daher ist es sehr erfreulich für uns, diesen Preis erneut zu gewinnen – das ist die Anerkennung dafür, dass wir unsere Standards und Konsistenz aufrechterhalten haben und auf dem richtigen Weg sind“, wird Eckert auf der vereinseigenen Website zitiert.

Zufrieden ist er aber noch lange nicht: „Wir sind noch weit entfernt von dem, was wir sein wollen. Wir müssen gemeinsam weitermachen“, sagte Eckert – der offenbar genau zur rechten Zeit die Zügel übernahm.

Nach einem umfassenden Umbruch im Sommer mit zahlreichen Neuzugängen brauchte die Mannschaft offenbar Zeit, um sich zu finden: Southampton baute seinen Kader zur neuen Saison grundlegend um. Nach zwei Abstiegen aus der Premier League in drei Jahren (einer davon als zweitschlechteste Mannschaft in der Geschichte des Wettbewerbs) und einem verpatzten Start in den Kampf um den Wiederaufstieg sollte der Kader zukunftssicher gemacht werden. Mit einem Investment von rund 56 Millionen Euro wurden zahlreiche Transfers getätigt.

Auch bekannte Gesichter aus der Bundesliga fanden beim englischen Zweitligisten eine sportliche Heimat – unter anderem Caspar Jander vom 1. FC Nürnberg oder Leo Scienza von 1. FC Heidenheim. Im Winter stieß auch Bayern-Torhüter Daniel Peretz zum englischen Klub. Der Keeper will sich dort wohl langfristig binden. Mit seinem neuen Konzept könnte Eckert die entscheidende Veränderung des neu zusammengewürfelten Teams gewesen sein.

Eckerts Erfolgsrezept: Gute Laune, Wille und Analyse

Doch wie gelang es dem Jungtrainer, den abwärts trudelnden Klub wieder zurück in die Erfolgsspur zu lenken? Zum einen mit positiver Ausstrahlung, wie die englische Presse beobachtet hat.

Neben der grundsätzlich positiven Einstellung setzt der 33-Jährige auch auf Statistiken, Analysen und die Wissenschaft. Nur wenige Wochen nach seinem Amtsantritt engagierte er das deutsche Unternehmen für Gehirntraining, neuro11, das auch schon mit Liverpool zusammengearbeitet hatte.

Die angeheuerten Experten bringen Elektroden an den Köpfen der Spieler an und werten die Anlaufbewegungen der Elfmeter- und Freistoßschützen aus.

Zusätzlich plädierte Eckert dafür, weitere Psychologen und Analysten einzustellen. Sein ausdrücklicher Fokus auf die Kommunikation mit seinen Spielern soll ihm bereits den Ruf als „Kontrollfreak“ eingebracht haben – im positiven Sinne.

Als Trainer der U21 ließ Eckert sich von den Vereinsmitarbeitern alle Spielberichte und Interviews zu den Partien zusenden. Zu Pressekonferenzen bringt er taktische Dossiers über seine Gegner mit.

Für Eckert ist klar, dass man den Gegner gut genug kennen muss, um ihn besiegen zu können: „Ich glaube, je besser man einen Verein und eine Nation versteht, desto besser weiß man, wie man an ein Spiel herangehen muss.“ Auch der Sportdirektor des Klubs schätzt diese Einstellung wert. „Er gibt einfach nie auf, das finde ich toll“, sagte Spors bei Daily Mail.

Eckert hat besondere Trainer-Fähigkeit

Spors, der mit Eckert schon bei Genua zusammengearbeitet hatte, fügt hinzu: „Man könnte meinen, dass ein junger Trainer sich erst einmal in der ersten Mannschaft zurechtfinden muss, aber er hat nie versucht, einen Weg zu finden – er hat immer den Weg gemacht. Er saß nie im Zug, er saß immer am Steuer.“

Eckert besitze eine besondere Fähigkeit, erklärte sein Vorgesetzter: „Das Wichtigste ist – und das unterscheidet ihn von anderen Trainern – dass er motiviert ist, zu gewinnen. Es muss nicht unbedingt dieser Fußball oder dieses Spielbuch sein. Manchmal wählt er einen hässlichen Weg zum Sieg, wenn er weiß, dass es genau das ist, was wir brauchen.“

Der Werdegang des Hochgelobten war schon immer ungewöhnlich. Nachdem Eckert mit 17 Jahren seine aktive Karriere als Spieler aufgegeben hatte, arbeitete er bei der EM 2012 im Alter von nur 19 Jahren als Analyst für die deutsche Nationalmannschaft, während er in Köln studierte.

Zwei Jahre später, bei der Weltmeisterschaft, erstellte er Analysen zu Deutschlands Finalgegner Argentinien, welcher am Ende als Verlierer vom Platz ging. Er wurde also, als Teil von Joachim Löws Team, mit 21 Jahren schon Weltmeister.

Bereits jetzt steht fest: Der Aufstieg ist plötzlich wieder realistisch – und Tonda Eckert ist vom unbekannten Co-Trainer zum deutschen Shootingstar geworden.

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