Die DKB Handball-Bundesliga schaltet sich vor dem Duell des HSV Hamburg mit den Füchsen Berlin (ab 20 Uhr LIVE im TV auf SPORT1 u. im GRATIS-LIVESTREAM) in die neuerliche Finanzkrise beim HSV ein.

HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann zeigt sich im Gespräch mit SPORT1 überrascht über die neuerliche Schieflage.

„Der Vorgang verwundert uns als HBL und als Lizenzierungskommission, weil wir im Rahmen der Lizenzvergabe ein vom Wirtschaftsprüfer geprüftes Konzept vorliegen haben und auch Liquiditätszusagen, die unterzeichnet sind von einem guten Namen. Diese würden im Zweifel helfen, die Misere zu beenden“, erklärt Bohmann.

Springt wieder Rudolph ein?

Zwar möchte er „auf einzelne Persönlichkeiten“ nicht eingehen, wen Bohmann mit dem „guten Namen“ meint, ist aber klar. Die Liga geht offenbar davon aus, dass der ehemalige Präsident und Mäzen Andreas Rudolph einmal mehr in die Bresche springen muss.

„Herr Rudolph war derjenige, der in der Vergangenheit oft auch mit großen Summen geradegestanden ist. Ob das diesmal wieder der Fall sein wird, liegt beim Management. Herr Rudolph könnte ein Weg sein, aber es gibt auch viele andere“, sagt Bohmann.

Die HBL pocht also auf die Zusagen, die zur Lizenzerteilung geführt haben: „Die Zeit drängt, weil viele Spieler auf ihr Geld warten. Die leisten eine ehrliche Arbeit, genau wie der Trainer, genau wie die Mitarbeiter der Geschäftsstelle. Jetzt sollten sich alle an ihre Vereinbarungen halten, dann wäre die Misere wahrscheinlich beendet.“

Punktabzug droht

Warum es trotz Zusagen und gründlicher Überprüfung im Rahmen der Lizenzierung dazu gekommen ist, bleibt unklar. „Die Ursachen interessieren mich erst mal gar nicht. Mich interessiert, ob die Verbindlichkeiten geregelt werden und dass bis zum 30.6.2016 erst einmal der Spielbetrieb aufrecht erhalten werden kann“, betont Bohmann.

Die Liga befürchtet neben der Gefährdung des Wettbewerbs auch einen Imageschaden und übt Druck auf die Verantwortlichen in Hamburg aus. „Es werden nicht nur die Interessen des HSV Handball berührt, sondern auch die aller anderen Vereine und die der HBL. Daher werden wir auf unserer Position insistieren und noch mal verstärkt nachfragen“, so der Liga-Boss.

Dem HSV droht er ernste Konsequenzen an, wenn bis zum 31. Dezember keine Eigenkapitalverbesserung stattfindet, „sonst ist ein Punktabzug in Höhe von vier Punkten zwangsläufig“.

Ein Ausschluss ist dagegen in den Statuten nicht vorgesehen.

Jens Middendorf, Jahrgang 1978, hat ab 2008 bei einem lokalen Kölner TV-Sender volontiert und anschließend als Sportredakteur gearbeitet. Seit 2011 ist er als freiberuflicher Journalist unter anderem...